Räucherfisch und Neptuns Häscher
Nienburg/MZ. - Kopf und Hände steckten die Schergen des Wassergottes in ein hölzernes Joch und dann begann das Martyrium: Das Opfer wurde mit Eiern beworfen, bekam anschließend diverse Negerküsse auf seinem Haupt zerdrückt und wurde schließlich mit einer scheußlich-grünen Soße aus Spinat begossen. Mitleid hatten die zahlreichen Zuschauer mit den armen Sündern aber nicht - denn schließlich gehörte die Neptun-Taufe zum Gaudi des diesjährigen Anglerfestes des Angelvereins-Nienburg / Saale e.V.
"Wir führen inzwischen unser 17. Angelfest durch", berichtete Frank Nowotnig, der 1. Vorsitzende des Vereins. Traditionell beginnt das Fest in aller Herrgottsfrühe: 6 Uhr trafen sich die Petrijünger zum Hegeangeln. Mit fast fünf Kilo Fisch holte sich Maik Stamler den Titel des Anglerkönigs. Stamler erreichte mit seinem Sieg auch ein Novum in der Vereinsgeschichte: "Zum allerersten Mal hat ein Angelfreund zweimal hintereinander den Titel geholt", sagte der Vereinschef. Nun zieren zwei goldene Fische mit seinem Namen die Königskette, die Stamler am Samstagnachmittag auf dem Vereinsgelände vom Vorsitzenden übergeben wurde. Die Plätze zwei und drei belegten Klaus-Peter Thiele und Achim Regener.
Seit 1996 ist der alte und neue Angelerkönig Mitglied im Nienburger Verein. "Ich angle aber bereits seit 1988", erzählte der 36-jährige Stamler. Natürlich habe er sich auf das Hegeangeln vorbereitet - "es kommt ja immer darauf an, ob man an einem stehenden oder fließenden Gewässer angelt." Mit den Bedingungen des toten Saalearms bei Nienburg kam er am besten zurecht.
Auf dem sehr gut besuchten Vereinsgelände konnte der Vorsitzende verdiente Vereinsmitglieder auszeichnen. Die Ehrenmedaille des Landesangelverbandes erhielten Torsten Rinker, Olaf Janich und Reiner Lücke. Die Medaille in Silber wurde an Lutz Henning und Klaus Ludigkeit verliehen. Besonders viel Beifall der Angelfreunde erhielt Rolf Stegert von der Ortsgruppe Latdorf - ihm wurde (sowie in Abwesenheit auch Karl-Heinz Kurth) die goldene Ehrenmedaille ausgehändigt.
Nicht entmutigen ließen sich die in langer Reihe am Räucherstand Wartenden. Denn hier gab es frischen Räucherfisch zu kaufen. "Wir haben für unser Anglerfest extra 150 Fische vom Großhandel aus Möckern besorgt", erklärte Nowotnig. Räucherfisch zum Fest sei ebenfalls eine gute Tradition, was die rege Nachfrage immer wieder bestätige.
Den Besuchern des Anglerfestes wurde viel Kurzweiliges geboten. So gehörten Motorbootfahrten zum Programm, die Chefin des Vereinshauses, Christa Lorenz, gab in Nienburger Mundart den "Sonntagsangler" zum Besten, die Schalmeienkapelle aus Nienburg spielte auf. Künftige Nachwuchsangler konnten sich im Casting ausprobieren. Für die Jüngsten hatte die Nienburger Feuerwehr Wettbewerbsstände aufgebaut. So konnten die Kinder mit dem Feuerwehrschlauch ihre Zielgenauigkeit prüfen oder beim Zielwurf mit einem Treffer die Bonbon-Kanone auslösen und die Fußballer beim Torwandschießen ihre Klasse nachweisen. Auf dem Saalearm kreuzte auch ein Schlauchboot der Feuerwehr.