Tradition zwischen Hoym und Badeborn Tradition zwischen Hoym und Badeborn: Ein werdender Vater rettet das Fassrollen
Badeborn/MZ. - Staubtrockene Wege, sengende Sonne und ein Tross aus Pferdewagen und Fahrrädern waren die Streckenbegleiter des diesjährigen Fassrollers Michael Michaelis. Doch nicht nur der 39-jährige Badeborner hatte mit der Hitze zu kämpfen, auch zwölf Frauen aus Badeborn und der Umgebung zeigten Durchhaltevermögen, indem sie gemeinsam ein volles 50-Liter-Alufass von Hoym nach Badeborn rollten.
Die Idee des Doppelstarts, einmalig zum 20. Jubiläum, entstand bei einer Dankeschönfeier für die Helfer des vergangenen Fassrollens aus dem Gedanken, dass auch Frauen durchaus in der Lage sind, dieses kräftezehrende Unterfangen zu meistern. So fanden sich zwölf Teilnehmerinnen, um einmal die strapazenreiche Erfahrung ihrer männlichen Vorgänger zu machen. Die Suche nach dem eigentlichen Fassroller nahm hingegen auch in diesem Jahr wieder eine überraschende Wende: Denn der Kandidat zog sich unerwartet eine Armverletzung zu, so dass dringend Ersatz gebraucht wurde. Dass es diesmal ein Vorstandsmitglied des Fassrollvereins und der zum zweiten Mal Vater werdende Michael Michaelis sein würde, stand endgültig erst am Donnerstag vor dem Ereignis fest.
Ganz ohne Training, dafür aber als Fußballer mit einiger Kondition ausgerüstet, trat er zeitgleich mit den Frauen um 18.31 Uhr in Hoym an den Start. "Ich möchte jetzt nicht in meiner Haut stecken", bemerkte er angesichts der Hitze und der zahlreich erschienenen Schaulustigen. "Der Fassroller braucht sich bei diesem Wetter wohl nicht warm zu laufen", meinte auch Peter Witzel, Sprecher des Fassrollvereins. Den Zuschauern, die sich wenig später bereits in Badeborn am Ziel eingefunden hatten, bereiteten die Temperaturen dank schattiger Plätze, frischem Bier vom Fass und der schmackhaften Grillwürstchen keine Probleme und so wurde der Fassroller nach einer Stunde und sechs Minuten mit den nur wenig später eintreffenden Frauen unter lauten Jubelrufen begrüßt. Erschöpft, aber auch sichtlich erleichtert nahm Michael Michaelis seinen wohlverdienten Holzpokal entgegen. "Es war anstrengend, aber es herrschte gute Stimmung", schilderte Doreen Westphal, eine der zwölf Fassrollerinnen, die Tour. Und auch wenn der Rekord von 48 Minuten und 32 Sekunden für die 5 750 Meter, vor fünf Jahren aufgestellt von Dirk Hilgenfeld, nicht gebrochen wurde, so hatten die Zuschauer doch auch in diesem Jahr wieder viel Spaß.