Schlangen-Alarm im Garten Schlangen-Alarm im Garten: Familie rettet Ringelnatter das Leben

Aschersleben - Eine Schlange im Garten! Für Silke Kliem zunächst ein Albtraum. Dabei habe sie das Tier zuerst gar nicht bemerkt. Am späten Abend hat sie in ihren Heidelbeeren gehockt und diese geerntet. „Dann stand mein Mann hinter mir und meinte, ich solle da mal weggehen. Da sei eine Schlange“, erinnert sie sich noch gut. Das Tier war in einem Netz gefangen, das die Familie über ihre Erdbeeren gelegt hatte. „Die Vögel haben uns die Früchte geklaut. Dem haben wir damit einen Riegel vorgeschoben“, sagt sie. Doch dass sich darin auch eine Schlange verheddern kann, hat die Familie aus aus Üllnitz bei Staßfurt nicht geahnt. „Und wir wussten nicht, was es für eine Schlange ist“, gibt sie zu. So wurde zuerst die Leitstelle angerufen, die sie dann mit einer Mitarbeiterin des Umweltamtes verbunden hat. Bei diesem Gespräch kam heraus, es handelt sich um eine Ringelnatter.
Es gibt weltweit über 2.700 Schlangenarten. Aber nur sechs davon leben in Deutschland. Ob an Bahndämmen, trockenen Wegrändern, sonnigen Plätzen - im Sommer können an vielen Orten des Salzlandkreises Schlangen beobachtet werden.
Dabei wissen viele Menschen nicht, dass die einheimischen Schlangen ungefährlich sind. Die häufigsten Schlangen sind hier die Ringelnatter und die Schlingnatter. Sie haben keine Giftzähne. Auf ihrem Speiseplan stehen Eidechsen, Mäuse, Frösche und Insekten sowie Amphibien.
Die Ringelnatter ist die am häufigsten anzutreffende heimische Schlangenart. Sie lebt meist in der Nähe von Bächen, Flüssen, Grabensystemen, Teichen und Seen, Feuchtwiesen, Mooren oder Sümpfen. Ihr Hauptmerkmal sind die zwei hellen gelben bis orangefarbenen Halbmondflecken im Nacken. Ausgewachsene Tiere sind zwischen 80 bis 120 Zentimeter lang, einzelne Exemplare können größer werden. Der Körper weist eine hell- bis dunkelgraue Grundfarbe auf, dazu kommen dunklere Flecken auf dem Rücken und an der Seite. Eine weitere Auffälligkeit sind die runden Pupillen. Ihr Winterquartier suchen sie zwischen Ende September und Mitte Oktober auf.
Einheimische Schlangen ungefährlich
„In der letzten Zeit erhalten wir sehr viele Anfragen wegen der Schlangen in Gärten“, erklärt Steffen Amme von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Fast jedes Wochenende gibt es Fragen zu beantworten, ob diese Tiere giftig oder ungiftig sind. „Viele Menschen wissen nicht, dass einheimische Schlangen ungefährlich sind“, weiß er. Am besten sei es, die streng geschützten Tiere in Ruhe zu lassen und sich daran zu erfreuen, sie beobachten zu dürfen. „Wer eine Schlange hier in der Region im Garten findet, kann davon ausgehen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Ringelnatter handelt. Positiv dabei ist, dass die Anwesenheit von Schlangen im Garten zeigt, dass dieser ökologisch intakt ist“, sagt er.
Dieser Fakt hätte Familie Kliem vermutlich in diesem Moment nicht getröstet. Doch die Mitarbeiter des Umweltamtes leisten mit ihrer Aufklärung ganze Arbeit. „Trotzdem war es eine Überwindung, nicht in Panik zu geraten, sondern das Tier aus seiner misslichen Lage noch zu befreien. Die Schlange konnte weder vorwärts noch rückwärts, so hatte sie sich in dem Netz verfangen“, erzählt Silvia Kliem. Da keine Mitarbeiter des Amtes vorbeikommen konnte und die Befreiung auch nicht auf den nächsten Tag verschoben werden sollte, fasste sich ihr Mann und ihr Sohn ein Herz und befreiten das Tier. Mit dicken Handschuhen packte ihr Mann die Schlange beherzt hinter dem Kopf und am Schwanzende, während der Sohn das Netz aufschnitt. „Wir waren unheimlich stolz, das Tier gerettet zu haben. Wir haben dann dem Umweltamt ein Bild davon geschickt. Und wir waren erleichtert, dass wir die Schlange rechtzeitig gefunden haben“, sagt Silvia Kliem.
Handschütze schützen vor stinkendem Sekret
Das Tier haben sie dann in einem Feuchtbiotop, etwa 200 Meter vom Haus entfernt, in die Freiheit entlassen. „Wenn wir jetzt noch mal Besuch von einer Ringelnatter bekommen, geraten wir nicht mehr in Panik. Eigentlich war die Schlange recht niedlich“, sagt sie rückblickend.
Dass sich ihr Mann bei der Rettungsaktion Handschuhe angezogen hat, sei sehr gut gewesen. „Ringelnattern sondern, wenn sie in Panik geraten, ein stinkendes Sekret ab, das man nur schwer von der Kleidung wieder abbekommt“, erklärt Amme. In Gefahrensituationen können Ringelnattern sich nicht nur tot stellen, sondern auch zubeißen. Das sei aber ungefährlich.
„Es kommt selten vor, manchmal finden wir aber auch andere Schlangen. Exoten, die ihrem Besitzer abgehauen sind. In der Region haben wir so schon eine Kornnatter gefunden“, sagt Steffen Amme. Diese Tiere werden dann, sofern sich der Besitzer nicht ermitteln lässt, in den Zoo gebracht. Dieser ist eine Aufnahmestation für exotische Tiere. „Doch das kommt selten vor“, sagt er. (mz)
