Freiwillige Feuerwehr Wilsleben Freiwillige Feuerwehr Wilsleben: Enttäuschung über Risikoanalyse

Wilsleben - Wilslebens Feuerwehrleute setzen auf Exaktheit. „Wir haben es ausgemessen und mit unseren Autos abgefahren, 3,5 Kilometer Straße und 2,6 Meter Luftlinie entfernt an der B 180 steht unser Hydrant“, erzählt Ortswehrleiter Friedhelm Anders. Wie die Frauen und Männer seiner Wehr weiß er um die Wasserknappheit in der Region. „Den Kameraden in Winningen und Neu Königsaue geht es ähnlich. Fast alle Hydranten sind tot.“ Um trotzdem bei einem Brand ganz schnell löschen zu können, nutzen die Floriansjünger Zisternen.
Der Stellvertreter von Anders, Norman Scholz, erläutert: „Das Löschfahrzeug geht in Stellung, parallel baut unser Schlauchwagen die Wasserförderung auf.“ Gruppenführer Matthias Bratka, seit Kurzem Oberfeuerwehrmann, fügt stolz an: „Damit erreichen wir jeden Punkt des Ortes. Spätestens nach fünf Minuten fließt Löschwasser an der Einsatzstelle.“ Im Depot zeigt Ortswehrleiter Friedhelm Anders auf den Schlauchwagen. „Den sollen wir 2016 nach Aschersleben abgeben. Das steht in der Risikoanalyse der Stadt, die gerade alle Feuerwehrkameraden in den Ortsteilen zur Weißglut bringt.“ Dafür soll ein „Mannschaftstransportwagen Feuerwehr“ angeschafft werden, auf den dann die Ascherslebener Feuerwehr die Hand hat, erzählen die Kameraden nicht ohne Sarkasmus.
Vor wenigen Tagen wurden Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wilsleben befördert und erhielten folgende Titel: Zur Feuerwehrfrau: Sarah Anders, zum Oberfeuerwehrmann: Matthias Bratka, zur Hauptfeuerwehrfrau: Petra Schramm, zum Hauptfeuerwehrmann: Patrick Schmidt, Marcus Schmidt, Fabian Siebert. Die Mitteldeutsche Zeitung gratuliert allen Feuerwehrleuten zu ihrer Beförderung.
Norman Scholz schüttelt den Kopf und fragt: „Warum muss alles, was bei uns funktioniert, kaputtgemacht werden?“ Stolz führt er den Schlauchwagen vor. „Toll in Schuss. Da findet man keinen Rost.“ Stefan Jahns blutet förmlich das Herz. „Über den Schlauchwagen bin ich zur Feuerwehr gekommen. Da war ich noch in der Jugendfeuerwehr. Wir haben den alten LO selbst aufgebaut, abgeschliffen, lackiert, da ist nichts dran, das wird uns jedes Jahr aufs Neue bestätigt. Wir warten und pflegen das Teil selbst, da hat die Stadt kaum Kosten.“
Die ersten Einsatzminuten sind entscheidend
Die Wilslebener Feuerwehrleute sind sich einig: „Ohne den Schlauchwagen stehen wir da und schauen, wie alles abbrennt. Bis der Wagen aus dem Ascherslebener Depot hier ist, braucht man nur noch die Asche zusammenkehren. Da liegen knapp sieben Kilometer zwischen, noch dazu mit Stadtverkehr.“
Ortswehrleiter Friedhelm Anders verweist darauf, dass jeder Feuerwehrmann schon im Grundlehrgang gesagt bekommt, dass die ersten Einsatzminuten entscheidend seien. „Wir können doch bei der Personalsituation unsere 3,5 Kilometer Schlauchmaterial nicht per Hand verlegen.“ Nicht nur Anders und Ortsbürgermeister Steffen Amme haben sich mit der Risikoanalyse befasst. Amme kann ihr zumindest etwas Positives abgewinnen: „Die Ortsfeuerwehr Wilsleben hat Bestand, steht darin. Unser klares Ziel ist es, dass dieser Satz auch nach den kommenden vier Analysejahren so stehen bleibt.“ Immerhin 25 Einsatzkräfte gibt es in den Reihen der freiwilligen Feuerwehr des Ortsteiles. 2016 werden weitere Kameraden ihre Ausbildung abschließen. Die Kinder- und Jugendfeuerwehr belegt zudem nach der städtischen Risikoanalyse hinter der Mehringer einen stolzen zweiten Platz.
„Wir können das vor unseren Bürgern nicht verantworten."
„Wer macht denn so eine Risikoanalyse“, fragt Hauptfeuerwehrmann Patrick Schmidt in die Runde. Ein Leipziger Ingenieurbüro, erfährt er. „Von denen war doch niemand hier, um sich die Lage vor Ort anzuschauen“, empört er sich. Über den roten Hahn werde am grünen Tisch befunden, schütteln die Kameraden den Kopf. Nachdem die Risikoanalyse vor einigen Wochen massiv kritisiert und später von der Tagesordnung des Ascherslebener Stadtrates gefeuert wurde, lauscht man weiter nicht auf die Erfahrungen der örtlichen Wehren. Die Feuerwehrleute haben erwartet, dass sich wenigstens die zuständigen Angestellten der Stadtverwaltung mal sehen lassen und sich bei ihnen von den Gegebenheiten überzeugen.
Statt unserer Einladung zu folgen, wird sich abgeduckt, kritisieren sie. „Wir können das vor unseren Bürgern nicht verantworten. Die greifen sich doch an den Kopf. Funktionierende Technik wird abgezogen, und denen fackelt möglicherweise deswegen die Bude überm Kopf ab. Dann schauen alle auf uns und meckern über die Feuerwehr“, so Patrick Schmidt.
Funktionsfähige Hydranten sind wichtig
Viel wichtiger sei, dass es vor Ort und im Ort funktionsfähige Hydranten gibt. Die Installation einer Sirene in Wilsleben verzögere sich auch schon wieder. „Die ist wichtig für die Bürger, nicht nur wenn es brennt, sondern auch im Katastrophenfall“, so der Ortsbürgermeister. Der lobt die Zusammenarbeit von Wehrleitung und Ortschaftsrat. „Die Probleme mit der Risikoanalyse haben uns noch mehr zusammengeschweißt.“ Er wird ein waches Auge darauf haben, ob in der Zweitfassung des Papiers die Hinweise der Kameraden stecken. (mz)