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Burganlage Freckleben Burganlage Freckleben: Mit Fund des Monats im Internet

Von Kerstin Beier 07.06.2002, 17:10

Freckleben/MZ. - Der 60 Millimeter hohe und 48 Millimeter breite Anhänger zeigt einen aufgerichteten Löwen. Was es mit dem "Löwen von Freckleben" auf sich haben könnte? Udo Schulz, Museumsleiter aus Aschersleben, hält es für möglich, dass das Stück aus der Zeit der Welfenherrschaft (1125 - 1235) stammen könnte, also aus der Zeit Heinrich des Löwen. Die Vermutung liege auch deshalb nahe, weil sich ähnliche Darstellungen auf Siegeln des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts finden lassen.

Eine Restaurierung des Stücks, das sich mittlerweile in den Werkstätten des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle befindet, ist leider nicht mehr möglich, weil das Metall an vielen Stellen zu sehr angegriffen ist. So geht es jetzt nur noch darum, das Stück zu erhalten. Eins hat die Bearbeitung des Anhängers allerdings gezeigt: Er besteht aus fast reinem Kupfer, und die freigelegten Goldschichten sind die Reste einer Feuervergoldung, die bis ins 19. Jahrhundert eine gängige Technik war, Metalle mit einer feurig glänzenden Goldschicht zu überziehen. Eine Technik allerdings, die viele Kunsthandwerker mit einem qualvollen, frühen Tod bezahlen mussten. Denn bei der Arbeit wurden große Mengen an Quecksilberdämpfen freigesetzt, die zu einer schleichenden Vergiftung führen mussten.

Gefunden wurde der "Löwe von Freckleben" übrigens vom Groß Schierstedter Andy Thüer, der gemeinsam mit jungen Leuten vom Handwerkerbildungszentrum (HBZ) den Winter über damit beschäftigt war, sechs Meter hoch liegenden Schutt aus einem ehemaligen Wohnturm zu räumen. "Die Jungs haben sehr verantwortungsvoll gehandelt", lobt Hilmar Seidig, der sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Denkmalpflege gemeinsam mit der Gemeinde darum bemüht, die Burganlage vor weiterem Verfall zu retten. Seit Juni 2000 unterstützen HBZ und Arbeitsamt durch den Einsatz einer Jugend-ABM. Der Fund führte dazu, dass die Jugendlichen zwischenzeitlich in Aschersleben eingesetzt wurden. "Wir hoffen nun, dass es bald weitergeht in Freckleben", so Hilmar Seidig.