Ausbildung Ausbildung: Neue Alternative für Jugendliche

Bonn/Berlin/dpa. - Zeitarbeitsfirmen sind aus demArbeitsmarkt kaum noch wegzudenken. Längst helfen sie nicht mehr nur,kurzfristig Lücken zu stopfen, sondern vermitteln sogar Fach- undFührungskräfte für längere Zeiträume. Inzwischen bilden sie auch aus- und zwar nicht nur im Büro: Die DIS AG beispielsweise, mit mehr als10 000 Mitarbeitern einer der größeren Personaldienstleister inDeutschland, hat jetzt auch mit der Ausbildung in Industrieberufenbegonnen. Derzeit gibt es an 10 verschiedenen Standorten 14 Azubis,die zum Beispiel Fluggeräte- oder Zerspanungsmechaniker,Mechatroniker oder Elektroniker für Geräte und Systeme werden wollen.
Auch Acrobat hat in diesem Herbst begonnen: Die Zeitarbeitsfirmaaus Baden-Württemberg bildet 10 Azubis in 9 Berufen aus, etwa zumWerkzeugmechaniker und Elektroniker oder auch zum Tischler oderAltenpfleger. «Wir wissen, dass es in vielen Bereichen einen Mangelan Facharbeitern gibt und wollen selbst etwas dagegen tun», sagtCatherine Mutzig, die bei Acrobat in Achern für dasAusbildungskonzept zuständig ist. Künftig sollen jedes Jahr zehnAzubis einen Vertrag bekommen.
Die DIS AG hat noch ambitioniertere Pläne: «Wir wollen 2008 mit 50Auszubildenden an den Start gehen», sagt Jürgen Grau, bei der DIS AGfür Aus- und Weiterbildung verantwortlich. «Den Ausbildungsvertragschließt der Azubi mit uns. Die Vergütung ist die gleiche wie beianderen Ausbildungsbetrieben.» Und es gilt die gleicheAusbildungsverordnung wie für alle Azubis des jeweiligen Berufes.
Bislang ist das neue Konzept die Ausnahme. «In der Branche gibt esrund 700 Ausbildungsplätze», sagt Thomas Läpple, Sprecher desBundesverbandes Zeitarbeit in Bonn. «In der Regel wird in denBetrieben aber nur zum Bürokaufmann ausgebildet.» Dass dieZeitarbeitsfirmen verstärkt auf Qualifikation setzen, sei zubegrüßen, sagt Günter Lambertz vom Deutschen Industrie- undHandelskammertag (DIKH) in Berlin. Das sieht auch Hermann Nehls vomDeutschen Gewerkschaftsbund (DGB) so: Im Prinzip sei der Einstieg indie Ausbildung eine gute Sache und längst überfällig.
Für Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche sei das die bessereAlternative zu den «vielen möglichen Warteschleifen». Entscheidendsei, dass tatsächlich alle Anforderungen des Berufsbildungsgesetzeserfüllt werden, sagt Nehls.
Die Besonderheit beim neuen Konzept der Personaldienstleister: Der Ausbildungsvertrag wird zwar mit ihnen abgeschlossen, zumindestdie praktische Ausbildung findet aber in einem anderen Betrieb statt.So geht es auch Merten Krause, der seit 1. September einenAusbildungsvertrag bei der DIS AG hat. Vorher absolvierte er einBerufsgrundbildungsjahr (BGJ) für Mechatroniker. «Dann hat mir dieIHK den Tipp gegeben, mich bei der DIS AG zu bewerben», erzählt er.
Dort macht er nun eine Ausbildung zum Mechatroniker mitSchwerpunkt Erneuerbare Energien. Ausgebildet wird er inSchleswig-Holstein bei der REpower Systems AG, einem Spezialisten fürWindkraftanlagen. Das expandierende Unternehmen mit rund 1000Mitarbeitern bildet derzeit insgesamt 23 Mechatroniker aus. MertenKrause ist der einzige, der von der DIS AG kommt. Ein Azubi zweiterKlasse sei er nicht, sagt Andreas Rauschelbach, Ausbildungsleiter beiREpower. «Er wird genauso behandelt wie alle anderen.»
Ein Ausbildungsvertrag von der Zeitarbeitsfirma? Klar, da habenauch Freunde und Bekannte von Merten Krause nachgefragt, wie dasgehen soll. Große Skepsis gab es aber nicht. «Vor allem diejenigen,die mit mir das BGJ gemacht haben, wissen, dass Mechatroniker einePerspektive haben.» Für Krause zählt, dass er eine Lehrstelle ineiner Zukunftsbranche abbekommen hat. Aber auch die Unternehmen habenVorteile: «Es gibt kleine Betriebe, die sich gar keinen Ausbilderleisten können», sagt Rauschelbach.
Und schon die Auswahl der Bewerber kostet Zeit und Geld. Dieübernehmen in solchen Fällen dann Dienstleister wie die DIS AG -genau wie die monatliche Vergütung der Azubis. Erfahrungen mitdezentraler Ausbildung hat REpower Systems ohnehin: Weil etlicheUnternehmen in der noch vergleichsweise jungen Windenergiebranchenicht die gesamte Ausbildung stemmen können - manchmal fehlt es ineinzelnen Bereichen am Know How oder schlicht an der Ausstattung -kooperieren Ausbildungsbetriebe nach dem Motto «gemeinsam sind wirstark».
Die DIS AG ergänzt das Ausbildungskonzept noch um einige Details:«Wir bieten auch eLearning für die Azubis an», sagt Jürgen Grau. «Siekönnen sich zu Hause einloggen und dann verschiedene Themen überWeb-based-Training vertiefen.» Ganz uneigennützig sind die Pläne derZeitarbeitsfirma nicht: Ihr geht es nicht zuletzt darum, dasqualifizierte Personal zu bekommen, das sie hinterher an Unternehmenverleihen kann. «Wir wollen uns unsere Fachkräfte sichern», sagt Grau- angesichts der aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt klingtdas einleuchtend.