Nach Tod von Wolfgang Gruner Nach Tod von Wolfgang Gruner: Freunde und Verwandte nehmen Abschied

Berlin/dpa. - «Wir lieben dir janz» schrieben Gruners Mitstreiter von den«Stachelschweinen», der von ihm vor 50 Jahren mitbegründetenlegendären Berliner Kabarett-Truppe, auf ihre Kranzschleife.Blumengrüße kamen auch vom Fußballverein Tennis Borussia, den Grunerunterstützte, sowie von der Stadtreinigung, die an GrunersStraßenfeger «Otto Schruppke» erinnerte.
Mit den Worten «Adieu Schruppke, tschüß Wolfgang Gruner»verabschiedete sich der Moderator des SFB-Fernsehens, das dieTrauerfeier live übertrug, von dem Kabarettisten, der am 16. März imAlter von 75 Jahren einem Krebsleiden erlag. Der Sarg neben einemgroßen Foto Gruners auf dem Altar war mit gelben und weißen Rosengeschmückt.
Zu den Trauergästen gehörten neben Wowereit (SPD) und seinenVorgängern Eberhard Diepgen (CDU) und Klaus Schütz (SPD) auch die«Stachelschweine» der ersten Stunde wie Inge Wolffberg, JochenSchröder und Rolf Ulrich sowie die Schauspielerkollegen undWeggefährten Brigitte Mira, Friedrich Schoenfelder, Peer Schmidt undWolfgang Völz. Günter Pfitzmann konnte laut SFB-Reporter wegen einerErkrankung nicht teilnehmen. Die 91-jährige Mira sagte über Gruner:«Er war eine Krawalltüte, wie ich ja auch eine bin, auf der Bühne. ImLeben sind wir gar nicht so laut.»
Wowereit würdigte den in Rathenow im Havelland geborenen Grunerals «die Stimme unserer Stadt», die nun schweige. «Berlin trauert umWolfgang Gruner. Sein Tod reißt eine Lücke. Aber wir werden ihn nichtvergessen.» Gruner sei für viele der Inbegriff des Berliners, eine«lebende Legende», gewesen. «Er spielte sich in die Herzen derBerliner.» Bei aller «Schnauze» habe man bei Gruner stets ein warmesHerz gespürt. «Als die Stadt in der Zeit der Mauer am Boden lag, warer es, der die Ängste des Tages vertrieb.»
Diepgen sprach Gruner ein letztes Mal persönlich an und erinnerteauch an die große schauspielerische Begabung des Kabarettisten, «auchin tragischen Rollen». Er hob die Menschlichkeit und GeradlinigkeitGruners hervor. Er habe immer Partei genommen, ohne parteiisch zusein. «Er ist auch mir und anderen Vertretern der Politik auf dieFüße getreten.» Gruner habe immer etwas für diese Stadt bewegenwollen. «Die Berliner und die Freunde werden dich nicht vergessen.» Die Trauerfeier fand in unmittelbarer Nähe der langjährigenWirkungsstätten Gruners in der Rankestraße, dem «Burgkeller» imehemaligen Gloria-Palast und dem Keller des Europa-Centers statt, wosich die Familie, Freunde und die «Stachelschweine» an ihrem jetzigenSpielort noch einmal versammelten. Die Beisetzung Gruners war imengsten Familienkreis auf dem Friedhof Heerstraße vorgesehen.