Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgericht: Karlsruhe bestätigt Filmförderung

Karlsruhe - Die deutsche Filmförderung entspricht dem Grundgesetz. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bestätigte am Dienstag die Rechtmäßigkeit der Filmabgabe. Sie wird aufgrund eines Bundesgesetzes von Kinos, Fernsehsendern und Videowirtschaft erhoben, um den deutschen Film zu fördern. Die Karlsruher Richter wiesen vier Verfassungsbeschwerden von Betreibern großer Kinoketten ab.
„Dem Bund ist es nicht verwehrt, in der Wahrnehmung aller seiner Kompetenzen auch auf Schonung, Schutz und Förderung der Kultur Bedacht zu nehmen“, entschied der Zweite Senat unter Vorsitz von Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle. Die Abgaben, die an die Filmförderungsanstalt (FFA) gehen, machen fast ein Drittel der deutschen Filmförderung von 340 Millionen Euro aus. Das restliche Geld kommt von Bund und Ländern.
Iris Berben erleichtert
Das Urteil erfreut die Bundesregierung: „Das ist ein Sieg auf voller Linie“, sagte Ministerialdirektor Günter Winands am Dienstag. „Damit ist die Zukunft der deutschen Filmförderung gesichert.“ Er begrüßte besonders, dass die Richter auch klare Aussagen zur Kulturkompetenz des Bundes getroffen haben.
Auch die Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, die eigens zu Urteilsverkündung gekommen war, strahlte und sagte: „Wir sind sehr erleichtert.“ Das Urteil garantiere die Vielfalt und Kreativität in der Branche. „Jetzt haben wir eine Basis.“
Die Kinos hatten sich gegen die Abgabe gewehrt: Das Geld gehe zu oft an Produktionen, die an der Kinokasse keinen Erfolg hätten, argumentierten sie. Der Bund habe angesichts der Kulturhoheit der Länder keine Regelungskompetenz.
Film ist Kulturgut
Das wiesen die Richter zurück. „Seinem objektiven Regelungsgehalt nach ist das Gesetz auf die Förderung der deutschen Filmwirtschaft und des deutschen Films ausgerichtet“, hieß es. An dem wirtschaftlichen Schwerpunkt ändere sich nichts dadurch, dass der Film zugleich ein Kulturgut sei.
Auch die grundsätzlichen Voraussetzungen zur Erhebung einer Sonderabgabe für den Film sind nach Ansicht des Gerichts gegeben. So handele es sich bei den drei Abgabezahlern - Kinos, Videowirtschaft und Fernsehsendern - um eine homogene Gruppe, die dem Zweck der Abgabe besonders nahestehe.
Zur Erläuterung hieß es, die „besondere Sachnähe und Finanzierungsverantwortung ist begründet im gemeinsamen Interesse an der gedeihlichen Struktur der deutschen Filmwirtschaft und am Erfolg des deutschen Films“.
In dem seit fast zehn Jahren laufenden Streit hatten Filmemacher und Kulturpolitiker nachdrücklich vor einer Abschaffung der Abgabe gewarnt. Sie garantiere Vielfalt, Kontinuität und Unabhängigkeit des deutschen Films, sagten die Befürworter. (dpa)