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Private Hochschulen Private Hochschulen: Absolventen trotz Wirtschaftsflaute gefragt

Von Mirjam Hägele 25.02.2003, 18:13
Unterricht im Freien statt im überfüllten Hörsaal - an privaten Hochschulen wie der European Business School sind die Studienbedinungen oft ganz anders als an großen staatlichen Universitäten. (Foto: European Business School/dpa).
Unterricht im Freien statt im überfüllten Hörsaal - an privaten Hochschulen wie der European Business School sind die Studienbedinungen oft ganz anders als an großen staatlichen Universitäten. (Foto: European Business School/dpa). European Business School

Berlin/Leipzig/dpa. - Längst jammern auch Akademiker über schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nahezu alle Branchen leiden unter den nach wie vor trüben Konjunkturaussichten der vergangenen zwei Jahre. Dabei hat die Wirtschaftsflaute auch nicht vor den Kaderschmieden der deutschen Chefetagen haltgemacht: Selbst Absolventen privater Hochschulen müssen neuerdings ihre Ansprüche zurückstecken. «Dennoch garantiert die Ausbildung an einer Privat-Uni nach wie vor bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt», sagt Lutz Thimm, Bereichsleiter der Abteilung High Potentials der Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International GmbH in Gummersbach.

   Kathrin Rothe kann dies bestätigen. Sie hat gerade ihren Abschluss an der Handelshochschule Leipzig (HHL) gemacht und trotz Konjunkturkrise schnell und ohne größere Probleme einen guten Job bei der Unternehmensberatung McKinsey gefunden. Vielen Kommilitonen sei die Jobsuche allerdings weniger leicht gefallen: «Früher war es einfacher. Aber wenn man flexibel ist und sich nicht auf ein bestimmtes Unternehmen oder eine Stadt festlegt, hat man nach wie vor gute Chancen.»

Auch Wiebke Schöpper, Pressesprecherin der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel, hebt hervor, dass die meisten ebs-Absolventen schnell erfolgreich unterkämen. Private Hochschulen wie die Universität Witten Herdecke bieten ihren Studenten oft einiges, was für deren Kommilitonen an staatlichen Hochschulen nicht selbstverständlich ist.

Thimm weist darauf hin, dass vor allem die praxisnahe Ausbildung an Privat-Unis die Chancen ihrer Absolventen auf dem Arbeitsmarkt steigere. Denn neben dem Veranstaltungsangebot vieler Gastdozenten aus der freien Wirtschaft sind Praxissemester an nahezu allen privaten Hochschulen Pflicht. Bei dieser Gelegenheit kommen die Studenten zumeist früh in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern, wie Rothe bestätigt: «Wegen der vielen Workshops und Praktika knüpft man schon während des Studiums gute Kontakte zu Unternehmen.»

   Professor Bernd Zinkahn, Mitautor eines Handbuches über Privathochschulen, betont zudem den Vorteil der individuellen Betreuung: «Die Dienstleistungsorientierung ist - nicht zuletzt aufgrund der hohen Studiengebühren - wesentlich ausgeprägter als an staatlichen Hochschulen.» Deutlich würde dies bei der Vermittlung von Praktika und in Kontaktveranstaltungen und Workshops mit Unternehmen. «Außerdem kümmern sich private Hochschulen mehr um die Vermittlung ihrer Absolventen. Schließlich ist der Erfolg der Studenten nach dem Abschluss auch ein Aushängeschild für die jeweilige Hochschule», sagt Zinkahn.

   Ein weiterer Grund für die Reputation privater Hochschulen ist neben den kurzen Studienzeiten die internationale Ausrichtung der Studiengänge. So sind beispielsweise an der ebs zwei Auslandssemester in das Studium integriert, erzählt Schöpper. Neben zahlreichen Kontakten zu Partneruniversitäten rund um den Globus und internationalen Unternehmen runden Veranstaltungen von Gastdozenten aus aller Welt das Studienangebot ab. Angesichts der hohen Studiengebühren, die bei bis zu 20 000 Euro für die gesamte Studienzeit liegen, stellt sich natürlich die Frage, wer sich ein Studium an einer privaten Hochschule überhaupt leisten kann.

Zinkahn verweist auf die zunehmende Ausweitung der Klientel wegen des wachsenden Konkurrenzdrucks auf dem Bildungsmarkt: «Fast alle Hochschulen bieten Finanzierungsmodelle an, die es auch weniger reichen Studenten ermöglichen, die Studiengebühren zu bezahlen.» Trotzdem bleibt das Studium sehr teuer. Eine Absicherung, ob sich die Investition lohnt, ist ratsam. Zinkahn rät, sich über die nationale oder internationale Anerkennung der Abschlüsse von privaten Hochschulen zunächst genau zu informieren.   

 Neben den hohen Kosten sollte bei der Überlegung, eine Privat-Uni zu besuchen, bedacht werden, dass der Leistungsdruck oft sehr hoch ist. Den Aufnahmeprüfungen der einzelnen Hochschulen folgt zumeist ein streng organisierter, voller Lehrplan. Ob man sich diesem verschulten System verschreiben will, oder die Freiheiten an einer staatlichen Hochschule vorzieht, ist Geschmackssache. Denn in der freien Wirtschaft können auch die überfüllten Hörsäle staatlicher Universitäten Erfahrungswerte verschaffen, so Thimm: «Wer sich unter vielen Leuten behauptet, lernt auch fürs Leben.»

Rothe dagegen konnte dem straff organisierten Lehrplan der HHL nach einem Grundstudium an der - staatlichen - Freien Universität Berlin einiges abgewinnen: «Die Ausbildung ist viel gezielter und intensiver. Allerdings ist man wegen des hohen Leistungsniveaus auch einem großen Druck ausgesetzt und hat nur noch wenig Privatleben.» Das Studium sei deswegen nicht jedem zu empfehlen. Sie selbst würde es aber «jederzeit wieder machen.»

 Literatur: Gunter Göpfarth und Bernd Zinkahn: «Handbuch Private Hochschulen in Deutschland. Erststudium Aufbaustudium Promotionsstudium Weiterbildung». Ingo Koch Verlag, ISBN 3-935319-74-6, 18 Euro; Hans-Martin Barthold: Die Alternative: Privat Studieren. Societätsverlag, ISBN 3-797307-43-8, 14,80 Euro.