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Kommentar zu den vielen Börde-Abgeordneten Da hat sich jemand verkalkuliert

Die Großstadt Halle ist im Bundestag unterrepräsentiert, das Magdeburger Umland ist der große Gewinner der Bundestagswahl. Verantwortlich sind die Parteistrategen.

Von Hagen Eichler 26.02.2025, 18:30
MZ-Kommentator Hagen Eichler
MZ-Kommentator Hagen Eichler (Foto: Andreas Stedtler)

Magdeburg/MZ - Das darf man wohl einen Triumph des ländlichen Raums nennen: Der Landkreis Börde, in dem knapp acht Prozent aller Sachsen-Anhalter zuhause sind, stellt seit dem vergangenen Sonntag 25 Prozent aller sachsen-anhaltischen Bundestagsabgeordneten.

Eine Region, in der keine einzige Kommune auf 20.000 Einwohner kommt, hat damit in Berlin viermal so viele Volksvertreter wie die Stadt Halle. Das ist ein krasses Ungleichgewicht – und es ist richtig, dass die Parteien jetzt überlegen, was sie da falsch gemacht haben.

Entscheidend waren die Listen der Parteien

Ein Beleg für eine gezielte Benachteiligung Halles durch wen auch immer ist die regionale Unwucht allerdings nicht. Ja, die Wahlrechtsreform führt dazu, dass bundesweit knapp zwei Dutzend Direktmandate unbesetzt bleiben. Oft trifft das großstädtische Wahlkreise. Aber: In Sachsen-Anhalt fiel durch die Reform nur ein einziger Wahlkreissieger durch, der AfD-Kandidat für Halle.

Weitaus wichtiger für die regionale Verteilung waren die Landeslisten, über die allein die Parteien entscheiden. Und auf diesen waren Politiker aus einigen Regionen zu schlecht platziert.

CDU und SPD haben sich verkalkuliert

Das liegt nicht an Hinterlist und Tücke, sondern an innerparteilichen Zwängen: Auf den Listen sollen bekannte Köpfe prominent sichtbar sein, aber auch junge Talente und die in der Politik unterrepräsentierten Frauen. Die Region ist letztlich nur ein Merkmal unter vielen. Niemand weiß, wie viele Kandidaten über den Wahlkreis und über die Liste gewählt werden. Insbesondere CDU und SPD haben sich bei dieser Wahl schlicht verkalkuliert.

Den Autor erreichen Sie unter: [email protected]

Jetzt stehen jedenfalls die gewählten Abgeordneten in der Verantwortung, für alle Bürger ansprechbar zu sein – auch in jenen Regionen, die keinen eigenen Abgeordneten haben. Es geht um Wahlkreisbüros, um Veranstaltungen, um Sichtbarkeit im gesellschaftlichen Leben. Und bei der nächsten Wahl müssen die Parteien den Regionalaspekt besser im Blick haben.