Zuschauer der Vierschanzentournee Zuschauer der Vierschanzentournee: Hannawald sucht die Stille und genießt den Jubel

Oberstdorf/dpa. - Eigentlich hatte er als erster Springer den «Goldenen Ski mitblauem Band und Brillanten» entgegen nehmen sollen. DochOrganisationschef Claus-Peter Horle zog unverrichteter Dinge wiederab. «Ich habe die Plakette in der Tasche, aber wir wollten ihn nichtzu einem öffentlichen Auftritt zwingen», sagte Horle.
Die Ehrung soll Hannawald wegen seiner außerordentlichenVerdienste um die Tournee erhalten. Als einziger Springer hatte derSchwarzwälder vor drei Jahren alle vier Wettbewerbe in Oberstdorf,Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen gewonnen. Dochstatt das Bad in der Menge zu genießen, zog Hannawald die Einsamkeitvor. «Wir werden das irgendwann nachholen», meinte Horle.
Für den wegen eines Erschöpfungssyndroms im sportlichen Ruhestandweilenden Hannawald war die Rückkehr ein großer Schritt hin zurNormalität. «Ich hatte vorher Muffensausen. Im Nachhinein bin ichfroh, hergekommen zu sein. Es war ein genialer Tag, ich werde miteinem Lächeln einschlafen», erzählte der Hinterzartener, der langsamaus seiner Isolation herauskommt. Auch das Geschehen im deutschenSkisprung hat er zuletzt wieder etwas intensiver verfolgt. «Das warim Sommer noch nicht so der Fall», sagte Hannawald der dpa.
Kontakt mit seinen Kollegen und dem neuen Bundestrainer PeterRohwein hat er allerdings nur selten, dennoch schätzt er den Coachals Glücksfall ein. «Er nimmt nach außen hin eine gute undabgeklärte Position ein, dies tut der Mannschaft sehr gut. Es istimmer wichtig, in der Führungsposition eine Person zu haben, dieRuhe ausstrahlt», sagte Hannawald. Für Februar ist ein Gespräch mitRohwein geplant, in dem die Perspektiven für das Olympia-Jahr 2006besprochen werden sollen. Dann wird sich entscheiden, ob derSiegspringer von einst noch einmal auf die Schanze zurückkehrt. «Wirwerden sehen, was die Zukunft bringt», sagte Hannawald.