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Strategiespiele Strategiespiele: Fantasie und harte Arbeit

18.06.2002, 10:19

Langen/Paderborn/dpa. - Nicht viel anders als den Spielern, die anfangs vor einer leerenLandkarte sitzen, ergeht es den Entwicklern von Computerspielen. Mitwenig mehr als einer Idee, Ausdauer und Erfahrung formen sie ausHunderttausenden von Zeilen Programmcode jene Welten, die die Spielereinmal mit Leben füllen sollen. Der Weg dahin ist lang und steinig:An «Anno 1503», dem im Herbst erscheinenden Nachfolger von «Anno1602», tüfteln für den Spielehersteller Sunflowers seit drei Jahrenbis zu 50 Mitarbeiter, so Jochen Bauer. Neben Programmierern sind daszum Beispiel Grafiker und Musiker.

«Wir haben uns überlegt, welches Spiel wir selbst am liebstenspielen würden», sagt Programmierer Tilo Ullmann aus Berlin. Am Endeder Überlegungen stand eine fünfseitige Bewerbungsmappe für das Spiel«Yager», mit der Ullmann und ein paar Kollegen bei den Herausgebernvon Computerspielen hausieren gingen. In der Mappe - mit Bleistiftund Ölfarben skizziert - waren die Hauptfiguren und die Spielorte zusehen. Zusätzlich hatte das Team beispielhafte Spielabläufefestgehalten und die technische Umsetzung umrissen. Eine kleineDemoversion vermittelte einen ersten Eindruck des Spiels, bei dem derSpieler in die Rolle eines Söldners schlüpft, um mit einemRaumgleiter gegen das Böse zu kämpfen.

Die US-amerikanische Firma THQ zeigte sich vor drei Jahren von derIdee der Entwickler aus Berlin überzeugt und investierte in dasProjekt. «Das grenzt an Selbstausbeutung», fasst Ullmann den Wegzusammen, den sein Team seit der Zusage gegangen ist. Währendetablierte Teams für eine solche Entwicklung ein Budget von rund vierMillionen Euro veranschlagten, gaben sich die Newcomer nach eigenenAngaben mit weniger als einem Viertel davon zufrieden. Im Herbst sollihre Entwicklung, die auf Microsofts Spielkonsole Xbox läuft,vorgestellt werden.

Vor dem eigentlichen Programmieren wird in der Regel eine MengeKopf- und Papierarbeit geleistet: «Nach dem Exposé folgenGrobkonzept, Storyboards, Charakterstudien, Studien zurProgrammiertechnik und Prototypen», erläutert Bernd Almstedt,Pressesprecher des Spieleentwicklers Ascaron in Gütersloh. Daranschließe sich ein Feinkonzept an, das dann die Grundlage für dieProjektplanung bilde. Erst dann beginne die eigentliche Arbeit fürdas Entwicklungsteam.

Die Arbeit besteht für die Programmierer, Grafiker, Sounddesigner,Musiker und Zeichentrickspezialisten vor allem darin, die Skizzen undEntscheidungsabläufe der Design-Dokumente in Computersprache zuübersetzen. Sie erstellen Computerbilder, Videos, zur Atmosphärepassenden Akustik, virtuelle Landschaften und Modelle vonSpielfiguren, die mit selbst entwickelten Werkzeugen zum fertigenSpiel zusammen gesetzt werden.

Beim Programmieren, neudeutsch auch Coden genannt, zeige sich auch, ob die Ideen funktionieren, sagt Ullmann. «Bei "Yager" habenwir festgestellt, dass wir zu viele Handlungsorte geplant hatten.Deshalb haben wir nun weniger gemacht, aber dafür mehr auf Detailsgeachtet.» In Strategiespielen dienen solche Kleinigkeiten auch dazu,dem Spieler Erfolg oder Misserfolg seiner Entscheidungen zuverdeutlichen. In «Anno 1503» zeigen etwa die sich drehenden Flügeleiner Windmühle an, dass es mit der Wirtschaft gut läuft.