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Skat-Turnier Skat-Turnier: Viel Schellen, wenig Bier

Von Martin Schramme 25.05.2001, 17:02

Halle/MZ. - "Wer sich sinnlos betrinkt, fliegt raus." Das fing ja gut an. Ausgerechnet am Männertag. Doch immerhin 27 Männer blieben dem Volkssport mit vier Buchstaben zuliebe für 135 Minuten Spielzeit im untersten Promillebereich. Der Skatverein Halle hatte zum offenen Turnier geladen. Dabei saßen die Skatfreunde in der Neustädter Gaststätte "Zur Kaskade" an der Bierquelle. Zwei Mal 48 Spiele hatte Spielleiter Fritz Kunz - gleichzeitig Präsident des Deutschen Skatvereins in Sachsen-Anhalt - ausgerufen. Punkt 10.10 Uhr ging es los. Zuvor hatte das Los entschieden, wer mit wem spielt. Mischen, Abheben, Austeilen, Aufnehmen, Reizen, Spielen - jeder hat einen anderen Stil. Der eine fächert das Blatt von links nach rechts auf, der andere von der Mitte her. Der eine lässt die Karten über den Tisch schlittern, der andere zieht sie wie ein Florett und lässt sie im Bogen auf den Tisch krachen.

"Ich krieg ihn nicht. Du musst ihn kriegen", ruft Klaus Müller seinem Spielpartner "Hans" alias Christian Knispel zu. Zu spät: Horst Erler unterbietet alle Karten und gewinnt so sein Nullspiel. Erler sitzt gelassen in seinem Rollstuhl. Mit 60 Jahren Spielerfahrung und Skat im Blut - Vater und Großvater spielten ebenfalls leidenschaftlich - kann sich der 75-jährige gebürtige Dresdner zurücklehnen. "Bei allen großen Turnieren in Karl-Marx-Stadt, Zwickau und Berlin war ich dabei", sagt der ehemalige Minol-Betriebsdirektor. Routine zahlt sich aus: Am Ende wird Erler Vierter des Turniers und streicht 60 Mark Prämie ein. Doch jetzt ist Müller an der Reihe. "Schellen!" Der 43-Jährige ist seit fünf Jahren im Verein. Die Runde geht an ihn. Und nochmal Schellen, nochmal Sieg. Müller wird übermütig: "Null!" Ein Blick ins Blatt zeigt: Diesmal riskiert er zu viel. Vier sichere Stiche, dabei darf er keinen Stich bekommen. Der Leichtsinn rächt sich. Auf der akribisch geführten Punkteliste kassiert Müller nun ein paar Miese. Obwohl Skatfreund Erler nach Punkten vorne liegt, ist auch er noch nicht zufrieden. Die anderen kämen zu oft zum Zug. Doch wenn jemand Grund zum Klagen hat, dann Horst Kerk.

"Ich bin schon stolz, die dritte Runde hintereinander gereizt zu haben", sagt der 64-Jährige, der nicht recht ins Spiel kommt. "Kein Blatt." Dabei kann sich Kerk glücklich schätzen. Denn Spielkollege Knispel war zwar beim Reizen erfolgreicher, zum Sieg seines Spiels fehlte aber ein Punkt. 60 Punkte - da beißt selbst ein Profi vor Wut in den Tisch. Und Knispel ist ein Profi. In drei Skatclubs in Halle, Teutschenthal und Zscherben ist der 66-jährige Angersdorfer Mitglied. "Zurzeit habe ich kein großes Kartenglück", sagt er. Sein Trost: Der Tag hat noch 60 Skatrunden und in einer Stunde gilt Trinkfreiheit.