Radsport Radsport: Rekordversuch geglückt
BAD DÜRRENBERG/MZ. - Der Tollwitzer Radsportverein (TRSV) hat das fast Unmögliche wahr gemacht:
24 Stunden verbrachten sie auf dem Rad und stellten somit den Rekord im "24-Stunden-Marathon-Radpolospiel" auf. Zahlreiche Zuschauer und Anhänger versammelten sich am Samstagnachmittag in der Bad Dürrenberger Engels-Schulsporthalle, um die Akteure in den letzten Stunden des Spiels noch einmal zu motivieren. Um 18.07 Uhr war es dann soweit. "Zehn, neun, acht,..." zählten sie gemeinsam die Uhr herunter bis der Pfeifton der Sirene ertönte. Der Rekord war geschafft.
"Es hätte schon nach zehn Minuten vorbei sein können", erklärte der Vorsitzende des TRSV und Initiator des Rekordversuches, Jörg Schüßler. Seine Tochter Cindy, die mit Rüdiger Uhlirsch als Stammspieler in die erste Spielphase (61 Minuten) gegangen war, klagte über Knieprobleme und musste ausgewechselt werden. Da nach dem Regelwerk immer mindestens ein Stammspieler aktiv sein musste, hätte das für Uhlirsch bedeutet, 24 Stunden auf dem Parkett zu verbleiben. "Ich habe mich nicht richtig warm gemacht", musste die junge Tollwitzerin zugeben. Aber die Ärztin vom Gegner Wendelstein (Bayern) machte sie wieder fit.
Zwei Stunden spielen, dann zwei Stunden verschnaufen für jeden Aktiven, war die ausgegebene Taktik. Kurz nach 21 Uhr ertönte die Sirene zur fünfminütigen Spielpause. Kristin Hennemann, die Gastspielerin, die eigentlich für Jänkendorf spielt, wurde ausgewechselt und hatte die nächsten zwei Stunden frei. "Ich muss unbedingt etwas essen und trinken", meinte sie - die Anstrengung war ihr förmlich ins Gesicht geschrieben.
Denn auf der Spielfläche ging es auch um Tore. Nach drei Stunden wurden rund 150 Treffer durch die beiden Teams erzielt. Nicht nur der Rekord war für die Akteure maßgebend, sondern auch ihren Sport zu präsentieren. Nach viereinhalb Stunden war noch keine Müdigkeit bei den Radsportlern zu erkennen. Stammspieler Uhlirsch konnte sich eine Verschnaufpause gönnen und seine lädierte Hand etwas schonen.
"Sie ist sicher ein wenig überanstrengt, da es meine Schlag- und Stützhand ist", erklärte er. Hatte man sich doch auf solche Blessuren gut vorbereitet. So traf der Merseburger Dr. Thomas Frank gegen 21 Uhr in der Bad Dürrenberger Sporthalle ein. Er sollte die nächsten zwei Stunden als Arzt und gleichzeitig als unabhängiger Zeuge fungieren.
Das war jedoch erst einmal mit allerhand Formalitäten verbunden. Konrad Richter, Sektionsleiter der Abteilung Radwandern beim TRSV, war derjenige, der mit der Bürokratie kämpfen musste. "Er hat das hervorragend gemeistert", lobte ihn Jörg Schüßler. Jeder Arzt, Schiedsrichter und Zeuge musste bei Antreten der Tätigkeit protokolliert werden. Richter hatte alles gut im Griff und harrte fast die kompletten 24 Stunden in der Halle aus. "Nur zum gemeinsamen Frühstück mit der Familie war ich zu Hause. Eigentlich wollte ich schlafen, aber nach zehn Minuten bin ich zurück in die Sporthalle", unterstrich er sein großes Engagement für die Veranstaltung.
Obwohl noch so sehr ausgepowert, fanden auch die Polospieler keine rechte Ruhe. "Wir hatten im Container neben der Halle, wo sonst unsere Räder lagern, Luftmatratzen aufgestellt. Die wurden aber kaum genutzt", so Schüßler, der sich in den Morgenstunde gerade einmal eine Stunde schlafen legte. War es vielleicht auch sein Rosmarin-Tee, der als Fitmacher dienen sollte?
"Am Samstag um die Mittagszeit hatten wir den größten Tiefpunkt. Den Stock konnten wir kaum noch halten und Stürze blieben nicht aus", gab Schüßler die große körperliche Belastung zu. Dennoch wurde bis zum Schluss durchgehalten. Mit 423:469 unterlag Tollwitz nach 24 Stunden den Wendelsteinern. Doch die Freude darüber, dass der Rekordversuch gelungen war, überwog.
Auch das Ziel, welches Schüßler mit der Planung der Veranstaltung ausgegeben hatte, nämlich etwas für die Bekanntheit des Vereins und die Popularität des Radsports zu tun, wurde erfüllt. "Zwei kleine Mädchen haben sich bei uns angemeldet", war der Vorsitzende stolz. "Der wichtigste Schritt steht noch bevor", so Protokollant Richter, der auf die Einreichung aller Unterlagen und Videoaufnahmen bei der Guinness-Zentrale hinwies. "Wir hoffen, dass uns keine Formfehler unterlaufen sind", blieb er vorerst skeptisch. Denn die ausschließlich in Englisch formulierten Originalpapiere könnten dem Tollwitzer Radsportverein einen Strich durch die Rechnung machen. Die Anerkennung des Rekords kann nun bis zu einem halben Jahr dauern.