Radsport Radsport: Ampler tritt mit Fans in die Pedalen
Zeitz/MZ. - Mit dem Zeitzer Oberbürgermeister Dieter Kmietczyk startete Ampler kurz nach 10 Uhr von den Klinkerhallen in der Albrechtstraße aus eine Tour. Sie führte über Haynsburg, Katersdobersdorf, Trebnitz (Beeren- und Straußenhof Fischer), den Droyßiger Forst, Schleckweda (Ziegenhof) zurück nach Zeitz.
Die Sonne schien an diesem ersten Herbsttag des Jahres wie im Sommer, einer gemütlichen Tour stand nichts im Wege. Vor dem Start plauderten eingefleischte Radsportfans mit Klaus Ampler, der sein Buch vorstellte und über das Radsportgeschehen in der DDR Rede und Antwort stand. "Wir hatten damals nicht viel Spielraum, der DTSB hat uns genommen, was er nur nehmen konnte", sagte Ampler, der 1963 auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn die Friedensfahrt mit dem gelben Trikot beendete und die populärste Radfernfahrt des Ostens gewann.
Zeitz ist für den heute 65-Jährigen kein unbekanntes Pflaster. In der Elsterstadt erlebte er auf dem Rad Freud und Leid. Im April 1963 gewann der damals für den DHfK Leipzig startende Ampler in Vorbereitung auf die Friedensfahrt das Kriterium Rund um den Zeitzer Goethepark. "Es war sein Jahr, er war in dieser Zeit kaum zu schlagen", erinnerte sich der 62-jährige Karlfried Röder. Röder war damals als Amateurfahrer bei der Sektion Radsport von Motor Zeitz aktiv und fuhr dieses Rennen ebenso mit wie Klaus Pilling (63), der früher für Chemie Zeitz in die Pedale trat. Ampler erinnerte sich eher ungern an das Jahr 1965 in Zeitz, Austragungsort der DDR-Straßen-Einzelmeisterschaft. "Ich wollte unbedingt gewinnen, aber Huster, der für Karl-Marx-Stadt fuhr, hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und damals den begehrten Titel geholt", sagte die Radlegende zurückdenkend.
Etwa 25 Radsportenthusiasten, obwohl Eintracht Zeitz am gleichen Tag eine Radtour veranstaltete, waren entweder mit dem Rennrad oder mit dem Tourenrad zum Treff mit Ampler erschienen. Man nutzte die Gelegenheit, an der Seite des früheren DDR-Spitzensportlers zu radeln. Es waren viele Radsportfans dabei, die Ampler von früher kennen, aber auch junge Radsportler wie der 16-jährige Simon Gerbank gehörten zum Fahrerfeld des Tages. Der Wettkampfgedanke stand allerdings eher im Hintergrund. Kmietczyk, in perfekter Rennbekleidung, sagte vor dem Start, "Ich schlage vor, wir bleiben im Feld zusammen." Einen Ausreißversuch wie in früheren Zeiten hatte Ampler nicht geplant.
Die gemeinsame Ausfahrt hat ihren Ursprung in der Veranstaltung "Schussfahrt nach Meerane". Bei dem vom Mitteldeutschen Rundfunk Anfang Juni veranstalteten dreitägigen Radrennen (die MZ berichtete) hatten die teilnehmenden Bürgermeister aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Ampler und Kmietczyk vereinbart, sich im Herbst zu einer gemeinsamen Ausfahrt in Familie im Raum Zeitz zu treffen. Diese Verabredung fand nun statt. Allerdings ohne die Bürgermeister aus Sachsen, die aufgrund von Verpflichtungen den Termin nicht wahrnehmen konnten.