Radreisen Radreisen: Noch vor Jan Ullrich im Ziel
Halle/MZ. - Ein Blick in die Veranstalterkataloge zeigt in diesem Jahr viel Neues. Der Renner sind zweifelsohne die neuen EU-Staaten im Osten, vor allem die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen, aber auch Tschechien und Polen. Den Ost-Trend sieht Wolfgang Richter, Tourismusreferent beim ADFC, vor allem im großen Nachholbedarf begründet: "Das Gros der Radreisenden ist älter als 50 Jahre. Viele Menschen dieser Altersgruppe haben Ostpreußen oder Pommern in ihrer Kindheit erlebt und wollen ihrer alten Heimat einen Besuch abstatten." Friedhelm Grönemeier vom Radreise-Veranstalter Rückenwind: "Die Länder im Osten entwickeln sich rasant. Viele haben mittlerweile eine sehr gute Infrastruktur. Es gibt hervorragendes Kartenmaterial." Außerdem seien sie billiger als die meisten Radreiseziele im Süden Europas.
Im Kommen sind z. B. die Nationalparks in den baltischen Staaten, die Kurische Nehrung und die Mecklenburgische Seenplatte. Ein weiterer Trend ist auch "Boot und Bike", eine Kombination aus Rad- und Schiffsreisen. Der Vorteil: Die Radler sparen das tägliche Ein- und Auspacken des Gepäcks. "Auf dem Schiff in den Schlaf geschaukelt zu werden, nachdem man tagsüber an den schönsten Wasserstraßen entlang geradelt ist, trifft genau den Geschmack der Leute", weiß Friedhelm Grönemeier. Trendziele sind z. B. die Donau, die Ostseeküste, die Adria, die Ägäis sowie die masurische Seenplatte. Eine zwölftägige Reise "Baltikum und Kurische Nehrung" kostet bei Rückenwind ab 1 250 Euro.
Radler suchen stets nach Neuem. Das wissen die Veranstalter und befriedigen die Bedürfnisse der Kunden deshalb mit immer exotischeren Zielen: Rad-Safari durch Südafrika, karibisches Flair bei einer Rad-Rundreise durch Kuba, 5 000 Jahre Geschichte und Natur pur in Vietnam, durch Wüsten und Oasen in Marokko oder ein Besuch bei den Aborigines im australischen Outback - steht 2006 auf dem Programm. "Durch Sprachbarrieren und die Exotik dieser Ziele schließen sich selbst individualistische Radler gerne geführten Touren an", sagt Ingrid Preuschoff, Produktleiterin Radreisen bei Wikinger Reisen. "Unser neues Ziel Vietnam z. B. wurde auf Anhieb sehr gut angenommen." 17 Tage Vietnam kosten bei dem Veranstalter aus Hagen ab 1 998 Euro, 16 Tage Kuba ab 2 198 Euro.
Doch auch in Deutschland sind organisierte Radreisen nach wie vor im Trend. 60 000 Kilometer kann man hierzulande auf 190 Rad-Fernwegen zurücklegen. "Jedes Jahr kommen bis zu zehn neue Routen hinzu", sagt Wolfgang Richter vom ADFC. "Dieses Jahr kann man z. B. auf dem neuen Fürst-Pückler-Radweg von 500 Kilometern Länge Brandenburg neu entdecken", verspricht der ADFC-Experte. In der Oberlausitz, die der Oder-Neiße-Radweg durchschneidet, machen die Hoteliers 50 Prozent des Umsatzes mit Radfahrern, die sich den sächsischen Wind um die Nase wehen lassen. "Unser Label Bed & Bike, mit dem der ADFC fahrradfreundliche Gastbetriebe auszeichnet, ist in Deutschland mittlerweile auf 4 300 angestiegen. Gerade in den neuen Bundesländern entwickelt sich das gut", sagt Richter.
Ein besonderes Bonbon wartet auf alle Fans der Tour de France. Wer mit Jan Ullrich, Erik Zabel und Co. mitfühlen möchte, wie es ihnen bei den Etappen der Tour de France ergeht, kann bei Radissimo die "Tour zur Tour" für 989 Euro buchen. Die Teilnehmer dieser Sonderreise fahren Stunden vorm offiziellen Feld der Tour de France einen Teil der Strecke ab und lassen sich von den Fans am Straßenrand zujubeln.