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Partnerschaft Partnerschaft: Gemeinsame Zeit sinnvoll nutzen

Von Andrea Löbbecke 25.11.2010, 14:51
Er tüftelt am Laptop, sie schmollt: Paare sollten ihre Vorstellungen von einer gemeinsamen Freizeit abstimmen. (FOTO: DPA)
Er tüftelt am Laptop, sie schmollt: Paare sollten ihre Vorstellungen von einer gemeinsamen Freizeit abstimmen. (FOTO: DPA) dpa-tmn

Düsseldorf/dpa. - Die gemeinsame Zeit mit dem Partner wirdoft heiß herbeigesehnt, tolle Pläne sind geschmiedet, alles soll soschön werden. Und dann: die Ernüchterung. Der Tag im Schwimmbad istverregnet, der Freund hat gar keine Lust auf eine Radtour, oder mangeht sich im Urlaub plötzlich auf die Nerven. Wenn im Alltag wenigZeit für die Paarbeziehung bleibt, dann konzentrieren sich dieErwartungen oft auf die Freizeit.

Das gilt auch im größeren Maßstab - also wenn Eheleute nach einemstressigen Berufsleben in Rente gehen und die Kinder aus dem Haussind. Dann ist endlich das da, was man sich gewünscht hat: mehr Zeitfür den Partner. Allerdings können zu hohe Erwartungen oder dieungewohnte Nähe schnell zum Problem werden.

«Man erhofft sich so viel von der freien Zeit», sagt LisaSchuster*. Sie ist seit fünf Jahren mit ihrem Freund zusammen, dasPaar hat eine gemeinsame Wohnung. «Wir sehen uns im Alltag oft nurabends», erzählt die 28-Jährige. Für die gemeinsame Freizeit planesie dann die schönsten Dinge. «Wenn das dann nicht klappt, ist dieFrustration groß.» Auf die Enttäuschung folge schlechte Laune - undauch mal ein Streit. «Im Urlaub kommen Themen hoch, die sonst eher imAlltag untergehen, das kann Nerviges, aber auch Schönes sein.»

Sind Paare über viele Jahre so stark in Beruf, Termine undKindererziehung eingebunden, dass die Beziehung zu kurz kommt, dannziehen sich die Partner häufig voneinander zurück. Diese Erfahrunghat Paartherapeutin Dana Prentki in ihrer Praxis in Düsseldorfgemacht. Dieses Modell kann lange Zeit ganz gut laufen - etwa, weilsich beide zusammen um die Kinder kümmern und ansonsten ihr eigenesLeben führen. Ist jedoch aus verschiedenen Gründen plötzlich mehrZeit da für den anderen - dann können Probleme hochkommen, die vorherunter den Teppich gekehrt wurden, erklärt Prentki.

«Wir haben uns entfremdet», «wir haben uns wenig zu sagen» - dieseGefühle werden nach den Erfahrungen der Psychologin oft zuerst vonFrauen wahrgenommen. «Sie sind meist frustriert und äußern dieseGefühle dann auch gegenüber dem Partner - meist in Form vonVorwürfen», erzählt Prentki. Reagiert der Mann verständnislos, danndrohen ernste Beziehungsprobleme.

«Ich bemühe mich dann, dass die Partner wieder besser miteinanderins Gespräch kommen», sagt die Psychologin. Was haben wir frühergerne miteinander unternommen? Wozu hatten wir schon lange keine Zeitmehr? Welches neue Hobby könnte uns beiden Spaß machen? Für Paare,die sich schwer tun, über Beziehungsanliegen zu sprechen, gebe eseine Art Kartenspiel mit vorformulierten Fragen. Das kann lautPrentki eine interessante Anregung für solche Gespräche sein.

Bei den Freizeitaktivitäten sollte nicht einer unbedingt etwasmitmachen, nur um dem Partner einen Gefallen zu tun - etwa schwimmengehen, obwohl man nicht gerne im Wasser ist. «Aber ein bisschenKompromissbereitschaft muss schon dabei sein», rät Prentki. Mal kommtder eine dem anderen entgegen, mal umgekehrt. Neben denGemeinsamkeiten seien auch eigene, autonome Bereiche wichtig. «Zuviel Zeit miteinander - das ist auch nicht so gut», weiß diePsychologin.

In die Praxis von Kornelia Schöning in Kirchseeon (Bayern) kommenviele Paare im Ruhestand, die ein «Zeitproblem» haben. «Häufig habendie Frauen wenig Verständnis dafür, dass der Mann plötzlich imHaushalt mitbestimmen will», erzählt die Psychologin. Viele klagenauch, dass sie keine Zeit mehr für sich allein haben, keineIntimsphäre, da der Partner nun ständig zu Hause ist. Tagesabläufe,die sich über lange Jahre eingespielt hatten, verändern sichplötzlich. Auch Schöning rät zum Gespräch: «Es ist ganz wichtig zusagen, was will ich, was brauche ich.»

Dabei gehe es um ein «lebendig gelebtes Ich, Du und Wir». Dasbedeutet, jeder pflegt seine eigenen Hobbys, seinen Freundeskreis -und akzeptiert diese Eigenständigkeit auch beim Partner. Dazu kommendann gemeinsame Unternehmungen. «Ich rate meinen Paaren 'Machen Siesich drei Termine, was will der eine, was der andere, was wollenbeide'.»

Im Ruhestand kommen nach den Worten von Schöning häufig nichtausgesprochene Konflikte an die Oberfläche. «Das merkt man auch imUrlaub, aber dann ist es ja nur temporär.» Die Expertin rät, dassPaare schon mehrere Jahre vor dem Ende des Berufslebens und bevor dieKinder ausziehen planen sollten, was sie mit der neu gewonnenen Zeitanfangen wollen. Auch im Ruhestand selbst sollten «Paarzeiten» festeingeplant werden. «Und dann geht es einfach nur darum, was Schöneszu machen. Keine Problemgespräche, sondern Spaß.»

*(Name geändert)

# dpa-Notizblock

## Internet- [Dana Prentki](http://www.danuta-prentki.de)- [Kornelia Schöning](http://www.kornelia-schoening.de)

* * * *Die folgenden Informationen sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt

## Ansprechpartner- Dana Prentki, +49 211 445752,

## dpa-Kontakte- Autorin: Andrea Löbbecke- Redaktion: Julia Kirchner, +49 30 285232977,

dpa/tmn löb kj crk

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