Olympisches Komitee Olympisches Komitee: Marc Hodler gestorben
Hamburg/dpa. - «Mit Marc Hodler isteiner der ganz Großen der Olympischen Welt gegangen», würdigte ThomasBach das Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).Hodler, der Ende 1998 den Bestechungsskandal um Salt Lake Cityaufgedeckt hatte, erlag im Alter von 87 Jahren nach Angaben seinesSohnes Beat einer «kurzen, aber schweren Krankheit».
Bach reagierte mit großer Erschütterung auf den Tod deslangjährigen Präsidenten des Internationalen Skiverbandes (FIS). «Ichverliere einen Freund im IOC, der mir von Anfang an geholfen hat,mich dort zurecht zu finden», sagte der IOC-Vizepräsident undPräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), «deshalberfüllt mich auch persönlich eine große Traurigkeit.» IOC-PräsidentJacques Rogge erklärte bei einem Besuch in Tokio: «Das IOC ist vollerTraurigkeit über den Tod eines Mitglieds, das sich so sehr in dieOlympische Bewegung eingebracht hat.»
Vielleicht hätte die olympische Geschichte einen etwas anderenVerlauf genommen, wenn 1980 in Moskau Marc Hodler und nicht JuanAntonio Samaranch zum IOC-Präsidenten gewählt worden wäre. Vielleichtauch nicht. Der Spanier galt eher als ein Befürworter der Amateur-Verhältnisse, der Schweizer hingegen als ein Pionier derKommerzialisierung des Sports.
«Wenn ich ehrlich bin», sagte Hodler einmal, «hätte mir der Mutgefehlt, so schnell vorzugehen wie Samaranch, um die große Lüge imSport zu beenden.» 18 Jahre nach der Moskau-Wahl, am 11. Dezember1998 in Lausanne, wurde dann das ganze Dilemma des Jahrhundert-Funktionärs Marc Hodler deutlich. Der Mann, der im Amateursport demGeld als Erster die Tür öffnete, machte die verhängnisvollen Folgenöffentlich. Im Weltsport hätten sich korrupte Strukturenbreitgemacht, brach es aus dem Schweizer heraus, und: Salt Lake Cityhabe die Winterspiele 2002 unrechtmäßig erworben. Der Skandal waröffentlich, er hat zehn IOC-Mitglieder das Amt gekostet.
Der Aufstieg des Anwalts aus Bern in die Spitze des Weltsportsbegann 1951 mit der Wahl zum FIS-Präsidenten. 1966 führte Hodler denalpinen Weltcup ein, kooperierte mit der Industrie und schuf damitdie Basis für den Ski-Profi. Der Zusammenstoß von neuem und altemDenken führte 1972 zum Eklat, als IOC-Präsident Avery Brundage denÖsterreicher Karl Schranz wegen unerlaubter Werbung von denWinterspielen in Sapporo ausschloss. Zu diesem Zeitpunkt gehörteHodler dem IOC bereits neun Jahre an, galt dort aber, wie Hodler esselber sagte, als «Mann mit schlechtem Ruf».
Das änderte sich schlagartig mit der Machtübernahme durchSamaranch. Der Spanier sah in dem Eidgenossen einen Alliierten, undso beförderte er ihn auch: von 1985 bis 2002 gehörte Hodler dem IOC-Exekutivkomitee an, mit Unterbrechung von nur einem Jahr, er warVizepräsident von 1993-1997, wurde in diverse Kommissionen berufen,war eine Art olympischer Finanzminister und Samaranchs Chef-Beraterfür den Wintersport.
Das ungetrübte Verhältnis zu Samaranch endete am jenem 11.Dezember 1998, als Hodler den Skandal um Salt Lake City öffentlichmachte und vom IOC-Boss einen Maulkorb verpasst bekam. Der treueDiener Hodler blieb zwar ein prinzipieller Befürworter der Politikvon Samaranch. Doch kreidete er ihm an, über die Jahre seineWarnungen überhört zu haben, dass es bei der Vergabe der Spiele nichtnur mit rechten Dingen zugehe.
Seit 2002, vier Jahre nach dem Rückzug von 47-jähriger FIS-Präsidentschaft, war Hodler im IOC ohne Amt. Samaranch-NachfolgerJacques Rogge tat ihm nicht den Gefallen, ihn noch einmal inVerantwortung zu nehmen. Das sei gut für sein Golf-Handicap, meinteHodler. Ein Rückzug aus dem IOC kam für ihn aber nicht in Frage: Ergehörte zu den wenigen verbliebenen Mitgliedern, die auf Lebenszeitgewählt sind.