Matthias Buck Matthias Buck: Spektakel krönt Balance-Akt
Halle/MZ. - Auf einem Seil könnte er blitzschnell dort hinunter balancieren, wenn er Artist wäre - oder ein Schalk wie Till Eulenspiegel. Der ist nämlich der Held des Sommertheaterspektakels, das demnächst auf der Wiese Premiere hat. Und Matthias Buck ist sein Autor.
Der Seiltanz von Eulenspiegel ist nur einer von ungezählten Streichen, mit denen die volkstümlichste deutsche Narrenfigur seine Umgebung mehr foppen als unterhalten will. Und weil Till dies auf meist äußerst derbe und deftige Weise tut - ganz nach dem Geschmack der anbrechenden Lutherzeit - war die Umsetzung dieses Spaßes für die heutige Bühne für Buck auch ein Balance-Akt. Streiche mit gar zu fäkalem Inhalt - so den einzigen, der in Halle (Giebichenstein) spielt - hat der Autor links liegen lassen. Aber völlig stubenrein habe er seinen Eulenspiegel auch nicht päsentieren können und wollen. Schließlich, so Buck, müsse Open-air-Theater etwas gröber und einfacher in der Machart sein.
Doch Buck und die Thalia-Truppe erzählen die Geschichte weniger als ein Feuerwerk von Streichen, sondern als eine vor allem auch kindgerechte Geschichte. Eulenspiegels Mutter spielt eine viel größere Rolle als in dem alten Volksbuch, von dem man inzwischen weiß, dass es von dem Braunschweiger Zollbeamten Hermann Bote stammt. Bucks Ausgangspunkt ist, dass Eulenspiegel sich tot stellt, nur um von jemandem eine lobende Grabrede zu hören. Doch keiner will sie halten. Erst als er in Umlauf bringt, reich zu sein, und seinen Lobhudler zum Erben einzusetzen - da wollen auf einmal alle. Für Gaudi scheint also gesorgt - und für Spannung. Man wolle, merkt Buck schmunzelnd an, "Till Eulenspiegel in jeder Vorstellung ein Auto verlosen" lassen.
Ein zunächst ziemlich schwieriges Los hatte Matthias Buck für diese Spielzeit gezogen. Nach dem Ausscheiden der Intendantin Paula Bettina Mader fiel ihm in der Interimszeit die Aufgabe der künstlerischen Leitung des Thalia zu. Hört man seine Bilanz, dann scheint sich das schwierige Los fast als Hauptgewinn entpuppt zu haben. Allein vier Uraufführungen und zwei "Ausgrabungen" von Texten, die erst fürs Theater erschlossen werden mussten, wurden in Angriff genommen und - zum Teil mit Bravour - bewältigt. Dass Buck sich am Ende mit einem eigenen Stück in die Reihe der Uraufgeführten einreiht, dürfte die Spielzeit krönen, die für das Thalia ein gelungener Balance-Akt war und der er seinen Stempel aufgedrückt hat.
Ab Herbst ist Buck wieder "nur" Dramaturg. Die neuen Freiräume wird der promovierte Kunstwissenschaftler nutzen. An der Universität soll er mit Studenten der Medienwissenschaften in Seminaren über tägliche Serien selbst eine solche "Seifenoper" entwerfen. Vielleicht wäre dafür sein eigener Weg zum Theater die geeignete Story. Als Plakatkleber und Kassierer beim Saarbrücker Kindertheater "Überzwerg" fuchste sich der Oberschwabe schnell in die Geheimnisse der Bühnenwelt ein. Und die gibt er nun weiter. Premiere von "Till Eulenspiegel" am 16. Juni um 15 Uhr auf der Thalia-Wiese.