Krupp - Eine deutsche Familie
Hamburg/dpa. - Für die deutsche Industrie ist schon Anfang der 30er Jahre klar, dass an dem Nazi-Führer Adolf Hitler kein Weg vorbei geht, wenn man sich lukrative Rüstungsaufträge sichern will.
Als Hitler zum Reichskanzler ernannt worden ist, findet sich auch der Chef des Stahlkonzerns Krupp bereit, ihn in seiner Essener Villa Hügel zu begrüßen. Doch seine Frau Bertha Krupp stellt sich quer: «Ich werde diesen Proleten nicht empfangen», sagt sie ihrem Mann Gustav: «Sag ihm, ich habe Migräne.»
So wie in dieser Szene mit Iris Berben als Bertha Krupp und Thomas Thieme als Gustav Krupp von Bohlen und Halbach erzählt der groß angelegte ZDF-Dreiteiler «Krupp - Eine deutsche Familie» die Historie der einst mächtigsten deutschen Industriellendynastie als Familiengeschichte von innen. Die drei jeweils 90 Minuten langen Teile werden am Sonntag sowie am Montag (23.3.) und Mittwoch (25.3.) jeweils um 20.15 Uhr ausgestrahlt.
In einer Handlung, die sich über 70 Jahre und drei Generationen erstreckt, sind Bertha Krupp (1886-1957) und ihr Sohn Alfried (1907-1967) die zentralen Figuren. Die Macher des Films legen Wert darauf, dass sie sich an den historischen Fakten orientiert haben, aber eine fiktive Geschichte erzählen. Denn für viele Ereignisse im Privatleben der Krupps gibt es keine schriftlichen Belege. Und, so Koproduzent Georg Feil: «Emotionen stehen nicht in Akten.» Oder, wie Regisseur Carlo Rola formuliert: «Der Historiker weiß zwar alles, aber er war nicht dabei.»
So hat der Drehbuchautor Christian Schnalke in dreijähriger Arbeit, die überwiegend aus Recherche bestand, die Geschichte einer Familie geschrieben, die schon im Kaiserreich mächtig ist. Die Erfindung des nahtlosen Radreifens für Eisenbahnen hat den weltweiten Unternehmenserfolg des Stahlkochers Alfred Krupp begründet. Kaiser Wilhelm II. sucht der jungen Bertha Krupp, die als Erstgeborene das Unternehmen von ihrem mysteriös ums Leben gekommenen Vater Fritz Krupp erbt, persönlich den Ehemann aus: Der Diplomat Gustav von Bohlen und Halbach scheint dem Monarchen der richtige Mann zu sein, den Großkonzern durch bewegte Zeiten zu steuern - und die kaiserlichen Rüstungspläne zu unterstützen. Gustav und seine männlichen Erben erhalten vom Kaiser das Recht, ihrem Nachnamen den Namen Krupp voranzustellen.
Mit einer Härte, die sich - so ihre Darstellerin Iris Berben - «immer auch gegen sich selbst richtet», erzieht Bertha ihre sieben Kinder, insbesondere den künftigen Firmenerben Alfried, der heftig unter ihren Pressionen leidet. Benjamin Sadler, der den erwachsenen Alfried spielt, fühlt sich an «ein großes Königsdrama» erinnert. Die heimliche Liebesehe mit Anneliese Bahr (Mavie Hörbiger) zerbricht, als er sich von seiner Mutter vor die Entscheidung gestellt sieht, «ob ich ein Krupp sein will, nichts als ein Krupp». Später wird er sich schützend vor seinen Sohn Arndt stellen, um ihm ein ähnliches Schicksal zu ersparen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Alfried von seinem kranken Vater das Kommando über die Firma übernimmt, wird er stellvertretend für diesen als Kriegsverbrecher verurteilt. Nach wenigen Jahren wird er begnadigt und 1953 von den Alliierten wieder als Firmenchef eingesetzt. Alfried schwört sich: Nie wieder wird Krupp Waffen herstellen. Ausgehend von seinem Streit mit Bertha im Jahr 1957 über die Zukunft des Unternehmens blendet der Film immer wieder zurück in die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, die Hitler-Jahre und die unmittelbare Nachkriegszeit. Mehrere Rollen sind doppelt besetzt, so spielt Heino Ferch den jungen Gustav von Bohlen und Halbach und Valerie Koch ist als Bertha Krupp in jungen Jahren zu sehen.
Gedreht wurde das 11,4-Millionen-Euro-Projekt unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Bayern sowie an einigen Originalschauplätzen. Dazu gehören Schloss Blühnbach in Österreich, ein Stammsitz der Familie, und die Plätze auf der italienischen Insel Capri, wo die Krupps Urlaub machten. Iris Berbens Sohn Oliver Berben produzierte den Film mit seiner Firma Moovie - the art of entertainment. Zu den weiteren Darstellern gehören Barbara Auer als Bertha Krupps Mutter Margarethe und Fritz Karl als deren Mann Fritz Krupp.