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Kreistag Anhalt-Zerbst Kreistag Anhalt-Zerbst: Neuer Betreiber für den Standort Roßlau

Von Claus Blumstengel 01.06.2001, 14:22

Zerbst/MZ. - Im Krankenhaus in Roßlau soll spätestens ab Januar 2002 eine Klinik für traditionelle chinesische Heilmethoden eingerichtet werden. Träger wird die AWO Krankenhausbetriebsgesellschaft Sachsen-Anhalt gGmbH sein. Mit 31 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen ermächtigte der Kreistag am Donnerstag den Landrat - zur Zeit noch Gerhard Michaelis (CDU), nach der Amtsübernahme ab 28. Juni der neu gewählte Holger Hövelmann (SPD) - bis Ende Oktober einen Kooperationsvertrag mit der gemeinnützigen Gesellschaft der Arbeiterwohlfahrt vorzubereiten.

Hintergrund ist die von den Krankenkassen aus wirtschaftlichen Gründen geforderte Schließung des Roßlauer Standortes. Laut einer Vereinbarung zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit würden die Krankenkassen stationäre medizinische Leistungen in Roßlau nach Fertigstellung des neuen Bettenhauses in Zerbst im Jahr 2004/ 2005 nicht mehr bezahlen. Der Kooperationsvertrag mit dem Landkreis soll eine schrittweise Übernahme des Roßlauer Krankenhauses durch die AWO-Gesellschaft vorsehen. Zunächst sind zehn Betten geplant, im Jahr 2004 nach der vollständigen Übernahme der Roßlauer Einrichtung 60 Betten. Eine Notfallambulanz für die medizinische Erstversorgung nach Unfällen bleibt in Roßlau bestehen. "Wir gehen davon aus, dass kein Personalabbau erfolgt und dass es nach dem vollständigen Aufbau des Standortes sogar einen Zuwachs an Personal geben wird", äußerte Sozialdezernentin Dr. Karin Krafczyk vor dem Kreistag. Wie der Geschäftsführer der AWO Krankenhausbetriebsgesellschaft, Wolfgang Ditschien, vor dem Kreistag erläuterte, werden in Roßlau chinesische Mediziner Akupunktur für Schmerztherapien anbieten. Die Orthopädie ist mit Akupressur und Massage vertreten. Wesentliche Säule des Angebotes wird die Heilkräutermedizin sein. Dafür soll im Altbau des Krankenhauses ein Tee- und Kräuterladen eingerichtet werden.

Bei Laborleistungen und der Nutzung von technischem Gerät will die Betriebsgesellschaft mit dem Kreiskrankenhaus zusammenarbeiten. Zur Zeit bezahlen die Krankenkassen nur in Einzelfällen Leistungen der Naturmedizin. Das Angebot richtet sich deshalb an Privatpatienten aus der gesamten Bundesrepublik. Eine ähnliche Klinik gibt es bereits im bayrischen Kötzing. Der Geschäftsführer nannte vor dem Kreistag auch eine Reihe von Risiken des Projekts. Eines davon sei die Frage, ob die Privatpatienten den Ort Roßlau für ihre Behandlung akzeptieren. Ein weiteres Risiko entstünde, wenn das Kreiskrankenhaus den Standort Roßlau bereits zum Jahresende aufgeben würde. Das Betreiberkonzept gehe dagegen von einer schrittweisen Übernahme der Einrichtung aus. Der Landkreis war gehalten, für eine medizinisch-soziale Nachnutzung des Roßlauer Krankenhauses zu sorgen. Anderenfalls müssten Fördermittel von mehr als 20 Millionen Mark zurückgezahlt werden. Zwölf Investoren meldeten sich, einige wollten jedoch das gesamte Kreiskrankenhaus Anhalt-Zerbst übernehmen. Die Medikor GmbH und die AWO Krankenhausbetriebsgesellschaft stellten schließlich ihr Konzept für das Roßlauer Haus vor. Einen Teil des Medikor-Konzeptes lehnten die Krankenkassen ab, so dass sich die Verwaltung schließlich auf ein Angebot konzentrierte.

"Das Konzept bietet für den Standort Roßlau und für die Stadt eine Perspektive", stellte SPD-Fraktionsvorsitzender Holger Hövelmann fest. Das Land müsse den Landkreis nun aber bei den Kaufpreisverhandlungen mit dem Bundesfinanzministerium unterstützen, so Hövelmann. Während nämlich der Landkreis die Einrichtung kostenlos erhielt, würden bei Übertragung an einen Nachnutzer rund 6,5 Millionen Mark fällig.