Kampfsport Kampfsport: Schon heiß auf nächste Show
Coswig/MZ. - Seit 2001 hatten die damals gerade mal 14- bis 18-jährigen Initiatoren Jerome Lemke, Sven Haseloff, Hagen Dorn, David Glöde, Daniel Fräßdorf, Maik Kohl und Robert Boehnel ein Dutzend am Wrestling interessierte Jugendliche um sich geschart. Ihre Kampf-Shows mit atemberaubenden Stunts verfolgten jedes Mal bis zu 300 Zuschauer.
Im Februar 2005 gab es die letzte Veranstaltung, dann fiel die sportliche Truppe wegen Umzugs, Arbeit und Ausbildung auseinander. Daniel ist zum Beispiel bei der Bundeswehr, Jerome lernt Fliesenleger, Sven wird zum Koch ausgebildet, Robert ist Textilverkäufer, Hagen hat Abitur gemacht und will nach einem Freiwilligen Kulturellen Jahr Schauspiel studieren.
Das regelmäßige Training, das Ausdenken der Szenen, die Spannung und die vor Begeisterung kreischenden Zuschauerinnen bei den Shows - "das hat mir gefehlt, ich will unbedingt wieder anfangen", sagt der inzwischen aus Dessau wieder nach Coswig zurückgekehrte Jerome Lemke (20). Mails und Anrufe bei den ehemaligen Mitkämpfern zeigten ihm: Denen geht es genau so.
Bald schon traf sich der Wrestling-Stamm und begann mit dem Training. Die Leitung der Sekundarschule stellte den Jugendlichen dafür wieder die Turnhalle am Mozartweg zur Verfügung, in der sich die 18 Jungen im Alter zwischen 13 und 21 Jahren aus Coswig, Wittenberg und Dessau jeden Mittwoch um 16 Uhr treffen. Victoria Best ist bisher das einzige Mädchen in der Truppe.
Eines fanden die jungen Sportler nicht mehr vor: Das Coswiger Fitness-Studio, in dem sie drei Mal die Woche ihre Körper stählten, hat inzwischen dicht gemacht. "Beim Wrestling ist das Aussehen wichtig, durchtrainierte Körper gehören zur Show", stellt Jerome Lemke klar, warum Fitnesstraining für die Gruppe unbedingt nötig ist. Drei Mal in der Woche zum Training nach Wittenberg fahren, sei aber nicht drin, "für unsere Jüngsten schon gar nicht", stellt Lemke fest.
Wie schon bei den Utensilien für ihre Shows, wollen die jungen Leute zusammenlegen und Fitness-Geräte kaufen. Nun suchen sie dafür einen Raum. Ein Gebäude des geschlossenen Kindergartens "Stadthufen" werden sie wohl nicht bekommen. Zwar haben die Wrestler seit Ende 2006 mehrfach in der Verwaltung angefragt, "aber zuerst sollten wir dafür ein Gewerbe anmelden, dann hat man uns nur immer wieder vertröstet", berichtet Lemke. Dabei suchen die Jungen nur einen Raum, wo sie an ihren Fitnessgeräten trainieren können. "Jeder, der möchte, könnte bei uns kostenlos mitmachen. Für die Miete würden wir zusammenlegen. Das ist doch kein Gewerbe", ist der junge Mann überzeugt. "Vor ihrer Wahl hat die Bürgermeisterin gesagt, sie würde sich für die Jugend einsetzen, aber für uns hatte sie keine Zeit", gibt Victoria ihre Erfahrung wieder.
Die Wrestling-Gruppe hofft nun, dass vielleicht bei irgend einem Hausbesitzer in Coswig ein geeigneter Raum leer steht, den er an sie vermieten möchte. "So langsam läuft uns nämlich die Zeit davon", blickt Jerome Lemke auf die Show "Pain Zero" im Oktober voraus, die entweder wieder in der Sporthalle am Mozartweg oder sogar im Lindenhof stattfinden soll.
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