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Handball-Regionalliga Handball-Regionalliga: Fehler-Festival und bittere Niederlage

01.11.2002, 17:55

Köthen/MZ/hös. - Nach der ersten Auswärtsniederlage in Werratal musste die HG 85 einen weiteren empfindlichen Dämpfer gegen den HSG Landwehrhagen einstecken und verlor zu Hause mit 28:35 Toren. Der Mannschaftsleiter der Gäste, Tino Rüttgerodt, konnte seinen fragenden Fans nach dem Schlusszeichen eine positive Nachricht aufs Handy sprechen: "Wir haben das Spitzenspiel verdient gewonnen!"

Das war nichts, was die HG 85 ihrem treuen Publikum am Mittwochabend bot. Fiel die Leistung in der ersten Halbzeit noch einigermaßen passabel aus, so degradierte sich im zweiten Abschnitt die Mannschaft von Heinz Prokop auf das Niveau eines Oberligisten. Technische Fehler und Fehlabspiele zuhauf, gepaart mit teilweise miserablen Abwehr- und Wurfleistungen, kennzeichneten eine Partie, in der die besser besetzte und cleverer spielende Mannschaft von Trainer Rainer Wagner beide Punkte aus der Heinz-Fricke-Halle entführte. Die Bachstädter verloren zum zweiten Mal in dieser Saison ein Heimspiel - und völlig zurecht.

Nach der Auswärtsniederlage standen die Köthener in Werratal unter großem Druck, dieses Schlüsselspiel vor heimischer Kulisse gewinnen zu müssen. Gegen die als Tabellenzweiter angereisten Gäste kombinierten die Gastgeber bis zur 27. Minute gekonnt und sicher. Konnten die Köthener bis zu diesem Zeitpunkt noch halbwegs mithalten - Alexander Hübe im Tor der Bachstädter entschärfte den einen oder anderen Croy-Knaller - war es um die Männer von Heinz Prokop spätestens nach der Halbzeitpause geschehen, als nun Hermenau und Hinz aus dem Landwehrhagener Rückraum trafen.

Maik Mischek hatte seine Mannschaft mit 1:0 (2.) in Führung gebracht, die der beste Werfer der Landwehrhagener, Sven Hinz (neun Treffer), mit seinem ersten Tor (3.) ausglich. Bis zur 10. Minute hatten wiederum Maik Mischek per Siebenmeter (2:1 / 4.), Mario Schimmelpfennig (5:4 / 9.) und Vaidas Dilkas (6:4 / 10.) mit ihren Toren dafür gesorgt, dass die Gäste nicht in Führung gehen konnten.

Der wurfgewaltige Rene Croy (sieben Treffer) verkürzte den Abstand wieder auf ein Tor (6:5 / 11.). Nach vier torlosen Minuten, für die auf Köthener Seite nicht zuletzt Torwart Alexander Hübe durch zwei gute Paraden Sorge trug, fasste sich erneut der Litauer Linkshänder Vaidas Dilkas ein Herz und warf zum 7:5 (15.) ein.

Matthias Sandrock, der an diesem Abend unter seinen Möglichkeiten blieb, kam nur auf ein Törchen zum 8:5 (16.), weitab von seinen Fähigkeiten. Dennoch war wenigstens die erste Drei-Tore-Führung erzielt, die aber nur kurzzeitigen Bestand hatte, weil Stefan Hermenau (8:6 / 16.) und Sven Hinz (8:7 / 17.) mit einfachen Toren die instabile Deckung der Köthener aushebeln konnten.

Nicht erst da vermisste man schmerzlich den verletzten HG-Torjäger Kalman Fenyö. Die Landwehrhagener begannen die zweite Halbzeit couragiert und ließen den Tabellendritten ab der 32. Minute (12:15) ständig einem Rückstand hinterher laufen.

Bis zum 16:20 (38.) fand bereits eine viel zu hohe Zahl von Fehlabspielen (Mario Schimmelpfennig,Thomas Karl, Philipp Hickethier) Eingang in die Köthener Statistik. Die ausufernde Fehlerquote des HG-Angriffs nahmen vor allem die Rückraumspieler des selbsternannten Titelaspiranten als Einladung zu einem Gegenstoß-Festival dankend an. Sie zeigten dem Gastgeber wie man ausgelassene Chancen auch mit Einzelaktionen veredeln kann.

Bereits zu diesem Zeitpunkt neigte sich die Waage deutlich in Richtung Niederlage, zogen die ersten dunklen Wolken auf. Heinz Prokop, der in auswegloser Situation, als die Gäste bereits einen Sechs-Tore-Vorsprung (27:21 / 49.) erzielt hatten, zum letzten Mittel griff und die offene Manndeckung anordnete, konnte einem Leid tun, wie diese von seinen Mannen praktiziert wurde. Sie war eine willkommene Einladung für die Gäste, ihre Ausgeglichenheit und Cleverness den enttäuschten Zuschauern zu zelebrieren.

Ab der 50. Minute setzte der HG 85-Couch auf die Youngster Sebastian Fende und Philipp Hickethier, die den immer mehr versiegenden Druck der Gastgeber wieder verstärkten sollten - eine Maßnahme ohne nennenswerten Erfolg. Wenigsten die rechte Angriffsseite mit dem besten Schützen Christian Rüchardt (sieben Treffer) und Vaidas Dilkas (sechs Treffer) sorgte im letzten Viertel des enttäuschenden Spiels dafür, dass man wenigstens in die Nähe der 30-Tore-Marke gelangte.

Doch ließ der Köthener Abwehrhaufen besonders in den letzten fünf Minuten ohne jegliche Aggressivität auf sich herumtrampeln. Hauptakteure waren der nie aufsteckende Stefan Hermenau (27:32 / 55.), Holger Dorst (27:34 / 57.) und René Croy (28:35 / 59.), Torschützenkönig der 2. Bundesliga Süd aus der vorjährigen Saison.

Heinz Prokop war nach Spielende die Enttäuschung schon an der Mimik abzulesen. Er sah den Knackpunkt der Partie gegen Ende der ersten Halbzeit, "wo wir zu einfache Tore reinbekommen und die Abwehr nicht aggressiv raustritt. In der zweiten Hälfte häuften sich die Abspielfehler im Angriff und Landwehrhagen hat dies schonungslos genutzt." Er wird bis zum Samstagsspiel in Wittenberg eine Menge zu tun haben, um seine Spieler nach diesem Abend wieder aufzurichten.

HG: Patrick Tuchen, Alexander Hübe, Steffen Baumgart 3, Vaidas Dilkas 6, Sebastian Fende 2, Philipp Hickethier 1, Thomas Karl 1, Maik Mischek 3, Stefan Pietsch, Christian Rüchardt 7 / 1 , Matthias Sandrock 1, Mario Schimmelpfennig 4.