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Handball-EM Handball-EM: Nadine Krause, ein Glücksfall für die deutschen Damen

Von Martin Kloth 05.12.2006, 15:53

Leipzig/Göteborg/dpa. - In Deutschland konkurrenzlos, im Auslandheiß begehrt und in der Nationalmannschaft nicht zu ersetzen: NadineKrause ist für den deutschen Frauen-Handball ein Glücksfall und sollals neuer Leitwolf die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beider Europameisterschaft ab diesem Donnerstag zurück zu alten Höhenführen. «Sie ist der Jo Deckarm des Frauen-Handballs», meinteBundestrainer Armin Emrich und adelte sein Rückraum-Ass durch denVergleich mit Joachim Deckarm vom VfL Gummersbach, der in den 70erJahren einer der weltbesten Handballer war.

Auf der «Königsposition» im linken Rückraum ist Nadine Krausesowohl bei ihrem Verein Bayer Leverkusen als auch in der Auswahlnicht wegzudenken. «Sie ist eine komplette Spielerin in Angriff,Abwehr, Gegenstoß und Rückzugsphase. Und sie ist eine echteMannschaftsspielerin. So, wie ich sie in den letzten zwei Jahrenkennen gelernt habe, so war Jo Deckarm», sagte Emrich.

Jo Deckarm war einer der überragenden Handballer der 70er Jahre;bei einem Horror-Sturz hatte sich der Weltmeister von 1978 am 30.März 1979 in Tatabanya/Ungarn einen Schädelbasisbruch und schwersteGehirnverletzungen zugezogen. Mit bewundernswerter Willenskraft undHilfe von vielen Seiten gewann der heute 52-Jährige in den langenJahren der Rehabilitation seinen Lebensmut zurück.

Die Qualitäten Nadine Krauses werden von der ersten Minute des EM-Turniers an gefordert sein. Denn in der Vorrunde in Göteborg will derEM-Fünfte in der Gruppe B gegen Polen am Donnerstag (17.00 Uhr),Slowenien am Freitag (17.00 Uhr) und Titelverteidiger Norwegen amSonntag (16.30 Uhr, jeweils live im DSF) die Basis für das Erreichender Hauptrunde (12. bis 14. Dezember) an gleicher Stelle schaffen.«Gegen Polen ist ein wichtiges Spiel. Letztes Jahr haben wir das gutgelöst», sagte die «Handballerin des Jahres».

Bei der WM vor Jahresfrist in St. Petersburg war ebenfalls Polender Auftaktgegner. Die deutsche Mannschaft gewann mit 33:21 - und dieLeverkusenerin legte mit acht Treffern die Grundlage für den Gewinnder WM-Torjägerkrone. Den Titel der besten Torschützin teilte siesich mit 60 Treffern mit der Österreicherin Tanja Logvin.

Nicht erst seit ihrem glanzvollen Auftritt in Russland ist dieAusnahme-Handballerin, die 1999 bereits als 17-Jährige in der DHB-Auswahl debütierte, auch bei Europas Spitzenclubs gefragt. Währenddie heute 24 Jahre alte Studentin im Vorjahr noch alle Offertenabwies und demonstrativ ihren Vertrag bei Bayer Leverkusen bis 30.Juni 2007 verlängerte, gab sie nun dem Werben nach. «Ja, ich gehenach Dänemark», kündigte sie ihren Wechsel in die stärkste Frauen-Liga der Welt an. Für welchen Verein sie künftig aufläuft, ob sieeventuell Mitspielerin von Grit Jurack bei Viborg HK oder Nina Wörzbei Randers HK wird, behält sie zunächst für sich.

In Leverkusen wird Nadine Krause eine große Lücke hinterlassen,der Nationalmannschaft aber bleibt sie erhalten. Doch einen Ausfallkönnte die junge Auswahl wohl kaum verkraften. «Wir haben keine echteNummer zwei gefunden hinter Nadine», bekannte Emrich, dass bislangweder die Nürnbergerin Ania Rösler noch Angie Geschke ausFrankfurt/Oder annähernd das Format Krauses haben.

Trotzdem ist für den Bundestrainer, der Weltmeister Russland,Norwegen und Ungarn als Titelanwärter nennt, mindestens der sechsteRang wie bei der WM der Maßstab. «Die EM ist ein nochkonzentrierteres Feld. Da wollen wir uns behaupten», erklärte er.Denn es geht auch um viel: Der Europameister ist für die OlympischenSpiele 2008 in Peking qualifiziert, die ersten Drei für dieWeltmeisterschaft 2007 in Frankreich und die ersten Fünf für die EM2008 in Mazedonien.