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Gewichtheben Gewichtheben: Ronny Weller ist für historischen Akt gerüstet

Von Franko Koitzsch und Gunnar Meinhardt 24.08.2004, 14:38

Athen/dpa. - Im Kampf der Giganten hat Ronny Weller nur ein Ziel:«Eine Medaille muss es werden. Die Farbe ist völlig egal. Hauptsachenoch einmal olympisches Edelmetall.» Deutschlands stärkster Athletwünscht sich nichts sehnlicher, wenn er am Mittwoch bei der Heber-Show der Superschwergewichte in der Nikaia-Halle von Athen auf dieBühne geht. Es wäre seine fünfte Plakette. Damit würde der 35 Jahrealte Ausnahmekönner aus dem pfälzischen Waldsee ein neues Kapitelolympischer Geschichte schreiben. Als Gewichtheber an fünf Spielenteilzunehmen, ist schon außergewöhnlich. Das schafften nur Imre Földi(Ungarn/1960 bis 1976) und der Chemnitzer Ingo Steinhöfel (1988 bis2004). Doch ebenso viele Medaillen besitzt noch niemand.

Weller ist für seinen historischen Kraft-Akt gerüstet. «ImWettkampf gehe ich über Leichen, da schone ich meinen Körper keineSekunde. Ich möchte keinen enttäuschen», sagte der Schwergewichts-Olympiasieger von 1992 einen Tag vor seinem vermutlich letztenOlympia-Auftritt. Die Vorbereitung sei gut gelaufen, 460 kg imZweikampf müssten für eine Medaille reichen, vermutet der über dreiZentner schwere Koloss. Vor 16 Jahren in Seoul holte der gebürtigeVogtländer im DDR-Trikot Bronze im Schwergewicht mit 425,0 kg. VierJahre später in Barcelona triumphierte er in der gleichen Kategoriemit 432,5 kg. In Atlanta 1996 und in Sydney 2000 erkämpfte er imSuperschwergewicht mit 455,0 kg sowie 467,5 kg jeweils Silber.

Der Olympiasieger und Weltmeister Hossein Rezazadeh (Iran) wirdauch diesmal von Weller kaum zu bezwingen sein. Die restlichenMedaillen sollte ein Quartett unter sich ausmachen. Neben Wellerzählen dazu Vize-Weltmeister Welitschko Tscholakow (Bulgarien), derWM-Dritte Viktors Scerbatihs (Lettland) und Aschot Danieljan. DemArmenier wurde vor vier Jahren Bronze wegen Dopingvergehensaberkannt. Auch Scerbatis entpuppte sich schon als Dopingsünder. Dassbeide jetzt noch stärker sind als vor ihrer Sperre, kann Weller nichtbegreifen. Er hat im Dopingkampf längst resigniert und flüchtet sichin Sarkasmus: «Sollen die doch machen, was sie wollen. Dafür lebe ichzehn Jahre länger, denn die anderen werden Herzprobleme bekommen.»

Vier Jahre lang hat sich Weller, der 49 Medaillen bei OlympischenSpielen, WM- und EM-Championaten gewann, nur auf den 25. Augustvorbereitet. «So schön Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaftenauch sind, für Ronny zählen eigentlich nur Olympische Spiele», sagtedessen Vater Günther, der zugleich sein Trainer ist. SportlichesGlück war seinem Sohn in dieser Zeit nur wenig beschieden. Bei denWM-Championaten fehlte er immer wegen Verletzungen. Vielleicht hätteer schon resigniert, wenn da nicht das private Glück gewesen wäre. ImMai vorigen Jahres ehelichte der Hüne seine zierliche Manuela, diesieben Monate später ihre Tochter Joalina Marie zur Welt brachte.

«Frau und Kind haben bei Ronny einen ungeheuren Motivationsschubausgelöst. Das wirkt wie ein Nachbrenner in seiner fortgeschrittenenKarriere», bemerkte Ronnys Vater. Am Mittwochmorgen wird er zusammenmit Ronnys Schwester vom Urlaubsquartier auf der Insel Samos nachAthen einfliegen. Auch Ronnys kleine Familie und die Schwiegerelternwerden von der Tribüne aus die Daumen drücken, was ein gutes Omensein sollte. Gleiches taten sie beim Triumph in Barcelona, wo sieWeller erstmals an der Hantel in Aktion erlebten. Dass der Herkuleself Jahre später in die Familie einheiraten würde, war damals nichtim entferntesten abzusehen. Manuela war gerade 13 Jahre alt.