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Gänsehaut in der Wasserburg

Von Gina Apitz 17.03.2006, 16:38

Roßlau/MZ. - Kaum ein Ambiente scheint passender für Patricia Vohwinkel als die Roßlauer Wasserburg, in deren Kaminzimmer die Autorin am Donnerstagabend zu ihrer Lesung "Blutnacht - Nachtblut" einlud. Der Kurzgeschichtenband ist bereits das vierte Buch der Autorin, das sie neben der Krimireihe "Elchtod" veröffentlichte.

Für die Duisburgerin ist es nicht der erste Besuch in der Elbestadt, denn schon einmal gastierte sie mit einem Roman in der Roßlauer Bibliothek. Als sie erfuhr, dass es in der Kleinstadt auch eine Burg gibt, wollte Patricia Vohwinkel bei ihrer nächsten Tour, die sie auch auf die Leipziger Buchmesse führt, dem alten Gebäude einen Besuch abstatten. In Absprache mit dem Burgverein erfüllte die Bibliothek ihren Wunsch. "So schön wie hier, haben wir es nicht jeden Abend", freute sich die lebhafte Schriftstellerin und bedankte sich herzlich bei den Organisatoren.

Während der zweieinhalbstündigen Lesung mussten die Besucher jedoch statt mit bequemer Bestuhlung diesmal mit Bierbänken vorlieb nehmen, und auch ihre Jacken behielten die meisten trotz des Kaminfeuers lieber an.

Für zusätzliche Gänsehaut sorgten die vier spannungsgeladenen Kurzgeschichten von Patricia Vohwinkel, die die 41-Jährige mit dem Hang zum Mystischen mit professioneller Betonung und Mikrophon zum Besten gab. Ob erotischer Thriller, Gothic Fiction oder der Psychothriller "Ich werde David Beckham töten", alle Genres, die die Autorin bedient, stehen in Beziehung zum Tod. Sei es der geplante Giftmord aus Sicht der Täterin, wie in der Geschichte "Ein Fenster nach Westen" oder die Feuersbrunst, aus der sich ein kleines Mädchen vergeblich mit dem Sprung aus einem Fenster zu retten versucht, das Ableben eines Menschen ist stets Bestandteil der Handlung.

Die vor jeder Geschichte eingespielte, schwermütige Musik von Him, Black Sabbath oder REM stimmte auf die Gruselstorys ein und gab die Möglichkeit, das soeben Gehörte noch einmal Revue passieren zu lassen.

Unter den gebannt lauschenden Zuhörern fanden Patricia Vohwinkels Kurzgeschichten großen Anklang, so dass auch eine Zugabe gewünscht wurde. "Ich fand schon allein die Vortragsweise super", lobte Uta Helmchen aus Buko, die aus reiner Neugier hergekommen war.

Obwohl es schwer vorstellbar ist, plante Patricia Vohwinkel niemals ernsthaft schriftstellerisch tätig zu sein. Nach einem Literaturstudium in Düsseldorf und verschiedenen Jobs, unter anderem als Englisch- und Lateinlehrerin in England, kam ihr 1999 spontan die Idee, einen Roman zu schreiben. "Ich hatte viel Glück", blickt die Autorin zurück, denn gleich der erste Versuch der Veröffentlichung klappte. "Der Verleger und ich sind seitdem Freunde", verrät sie, dass die Zusammenarbeit problemlos vonstatten geht.

Seit der Veröffentlichung ihres zweiten Romans lebt sie hauptsächlich vom Schreiben und ist glücklich damit. "Ich habe ein geiles Leben", meint sie enthusiastisch, "ich fahre herum und erzähle meine Geschichten."

Eine oft gestellte Frage kann Patricia Vohwinkel allerdings nicht so recht beantworten. "Ich weiß nicht, wie ich auf meine Geschichten komme", versichert sie. "Sie sind einfach da und wollen erzählt werden."

Der Kurzgeschichtenband "Blutnacht-Nachtblut" von Patricia Vohwinkel ist für 9,90 Euro im Handel erhältlich.