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Fußball Fußball: Team lässt Brinkmann im Stich

Von CARSTEN ROLOFF 20.04.2010, 17:12

NIENBURG/MZ. - Mit der 0:4-Heimklatsche haben die Kicker des 1. FSV Nienburg nicht nur den Klassenerhalt in der Landesliga mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verspielt, sondern auch ihren Trainer Torsten Brinkmann in die Wüste geschickt. Der geschäftsführende Vorstand mit Präsident Mario Thiele, Stellvertreter Andreas Donath und Schatzmeister Ronny Stiller traf sich zu einer Krisensitzung und kam dabei zu dem Ergebnis, den Coach zu entlassen.

"Wir bedauern diese Entscheidung und haben uns schweren Herzens von Brinkmann getrennt, denn er war der beste Trainer, den wir seit langem hatten. Die Mannschaft hat in erster Linie die Entlassung zu verantworten", begründete Präsident Thiele den einstimmigen Beschluss des Führungstrios. In den restlichen neun Landesliga-Punktspielen werden Klaus Lorenz und Matthias Huke die Mannschaft betreuen. Thiele wird, wenn es sein Job zulässt, bei jedem Training vor Ort sein. "Lorenz und Huke haben unser Vertrauen. Ich werde mit ihnen taktische Dinge und die Aufstellung gemeinsam absprechen und bei den restlichen Begegnungen in der Landesliga mit auf der Bank sitzen", will der Präsident hautnah am Team dran sein.

Brinkmann wurde von der Entscheidung der Chefetage des 1. FSV Nienburg etwas auf dem falschen Fuß erwischt. "Das kam etwas unverhofft. Mit der Entlassung zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht unbedingt gerechnet, obwohl ich ziemlich realistisch bin. Wenn es sportlich nicht läuft, ist der Trainer der erste Wackelkandidat", kommentierte der Coach das Ende seines Jobs beim 1. FSV, wies aber auch auf einen entscheidenden Fakt hin. "Die Mannschaft ist in der Landesliga an ihre Grenzen gestoßen. Ich hatte den Vorstand bereits zu Saisonbeginn gewarnt, dass es riskant ist mit so einem kleinen und auch unerfahrenen Kader das Abenteuer zu wagen. Der Konkurrenzkampf fehlte. Da ist es für jeden Trainer schwer, noch ein paar Prozente an Leistung herauszukitzeln. Niemand konnte die Stammspieler unter Druck setzen."

Die Kritik von Brinkmann an der Personalpolitik kann der Präsident des 1. FSV sogar nachvollziehen. "Die Jacke muss ich mir anziehen. Uns ist es nicht gelungen, in der Winterpause für Verstärkung zu sorgen. Außerdem habe ich die berufsbedingte Pendelei von Brinkmann zwischen Braunschweig und Nienburg doch etwas unterschätzt. Da hatten die Spieler, wenn der Coach nicht beim Training sein konnte, einfach zu viele Möglichkeiten, kürzer zu treten", sagte Thiele, der jedoch noch keinen Kandidaten für den Trainerjob in der nächsten Saison präsentieren konnte, denn Huke und Lorenz werden nach Lage der Dinge nur eine Übergangslösung sein. "Nach der desolaten Vorstellung beim 0:4 gegen Salzwedel hat sich das Kapitel Landesliga für mich erledigt. Wir wollen den Rest des Spieljahres noch ordentlich über die Bühne bringen und müssen dann in der Landesklasse einen Neuanfang machen." Der wird nun ohne Brinkmann über die Bühne gehen. Für den Coach entfällt nun die ständige Hetzerei zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. So hat der einst erfolgreiche Kicker mehr Zeit, sich seinem zweiten Hobby, dem Golfsport, zu widmen.