Fußball Fußball: Das runde Leder rollt bereits seit der Weimarer Republik
JEBER-BERGFRIEDEN/MZ. - "Wir haben drei Tage volles Programm", verspricht Thomas Gebeler, Mitglied im mehrköpfigen Festkomitee. Die Vorbereitungen dazu laufen seit Monaten. "Es war ein Riesenaufwand, alle ehemaligen Aktiven der SG für das Spiel der Legenden zu kontaktieren", gibt der Festorganisator ein Beispiel. Doch nun sei alles vorbereitet. "Wir hoffen auf schönes Wetter und viele Gäste", sagt er weiter.
Das Fest steht im Zeichen einer langen Vereinshistorie. 85 Jahre ist es her, dass aktive Freizeit-Fußballer am 1. Juni 1924 die SG ins Leben riefen. Damals bestand noch die Weimarer Republik. Die Gründung erfolgte allerdings im Nachbarort Stackelitz, da Jeber-Bergfrieden zum einen noch aus zwei selbständigen Orten bestand und zum anderen keinen Fußballplatz hatte. Erst Anfang der 50er Jahre bezog man in Jeber-Bergfrieden Quartier, nachdem 1952 der örtliche Sportplatz errichtet worden war. "Damals musste eine Menge Wald gerodet werden", blickt SG-Kassenwart Jürgen Buder zurück.
In den Folgejahrzehnten etablierte sich die SG Jeber in der 1. Kreisklasse der damaligen DDR. Einen großen Erfolg feierte das Team zu Beginn der 60er. "Wir gewannen den FDGB-Kreispokal und besiegten im heute noch unvergessenen Endspiel in Roßlau ein Team aus Coswig", erinnert sich Karl Rathai, der jahrelang als Gemeinderatsmitglied die Interessen des Vereins vertrat. "In der 1. Kreisklasse wie auch im Kreispokal der DDR spielte die SG immer gegen die ersten Mannschaften aus Dessau und den anderen Städten der Region", erklärt Finanzwart Buder und fährt fort: "Wir behaupteten uns meist gut. Heute treten wir ja fast nur gegen die Zweitmannschaften größerer Vereine an."
Nach der Wende spielten die Kicker der SG I zunächst in der Kreisklasse des Kreisfachverbands Anhalt, bis sie den Aufstieg in die höhere Kreisliga im Jahr 2004 schafften, in der sie bis heute agieren. Seit 2007 ist ein zweites SG-Team in der Kreisklasse aktiv, eine Seltenheit für einen Dorfverein. Vor zwei Jahren verdoppelten sich die Mitgliederzahlen, da die Feierabend-Volleyballer dem Verein beitraten. Heute zählt die SG über 80 Mitglieder.
In der jüngsten Fußball-Saison verpassten die Fußballer der ersten SG-Mannschaft mit dem zweiten Platz nur knapp den Aufstieg in die Kreisoberliga. SG Jeber II belegte in der Kreisklasse den dritten Platz. Beide Mannschaften hatten jeweils die besten Abwehrreihen. Der Vereinspräsident Mario Puhlmann lobt: "Trotz des missglückten Titels war die Leistung der Ersten sensationell. Wir haben uns in den letzten Jahren immer weiter gesteigert", so Puhlmann. "Aber auch die Zweite machte im zweiten Spieljahr ihre Sache gut." Ziel bleibe für die SG in der nächsten Saison der Kreisoberliga-Aufstieg. Durchaus kritisch kommentiert der Präsident die regionale Fußballpolitik. "Wir sind weiterhin für den Erhalt des Spielbetriebs mit Mannschaften aus dem Dessauer Raum. Sollten wir in Zukunft im gesamten Landkreis Wittenberg spielen, müssten wir bei Auswärtsspielen mitunter bis zu sechs Fahrt- und Spielstunden leisten. Das ist Hobby-Fußballern kaum zuzumuten", sagt Puhlmann und verweist auf die Gefahr, dass dann auch viele junge Spieler abspringen könnten.
Finanziell stehe man trotz steigender Startgebühren durch den Landesfußballverband sehr solide da. "Unser Kassenwart Jürgen macht hier einen tollen Job. Ebenso wie die Gemeinde, die uns jahrelang quasi als Hauptsponsor unterstützt", bemerkt Puhlmann weiter. Ein weit gespanntes Netz aus lokalen und regionalen Sponsoren unterstützt auch die 85-Jahr-Feier.