Frauenfußball Frauenfußball: Frankfurt gewinnt zum achten Mal DFB-Pokal
Köln/MZ. - Die offiziellen Feierlichkeiten - Händeschütteln, Medaillen- und Pokalempfang, Jubel vor den Konfetti-Kanonen - erledigte Nadine Angerer noch ordnungsgemäß in voller Montur. Doch gleich danach machte es sich die Nationaltorhüterin in Diensten des 1. FFC Frankfurt gemütlich. Auf Socken absolvierte die 32-Jährige die Fragerunde zum 2:1-Pokalsieg der Hessinnen gegen Turbine Potsdam, und mit ihren knallgelben Fußballschuhen in den Händen marschierte sie von dort zur Pokal-Party mit den Teamkolleginnen. Das sah nach Ferien aus - und prompt kündigte Angerer an: "Die nächsten zwei Wochen bin ich im Urlaub - es geht zum Tauchen."
Ein weiser Plan, schließlich stehen ihr und 25 weiteren Nationalspielerinnen ab 11. April, wenn Bundestrainerin Silvia Neid bei ihrer zweieinhalbmonatigen WM-Vorbereitung zum ersten Lehrgang bittet, schweißtreibende Wochen bevor. Und zum Start in den Urlaub gab es für Frankfurts Kapitänin auch noch ein Präsent von Christina Jaworek: In der 59. Minute strich die Schiedsrichterin des Kölner Pokalfinals den Potsdamerinnen den Treffer zum 2:2, den sie per Handzeichen schon gegeben hatte - weil Angerer bei einem Freistoß von Jennifer Zietz von Turbine-Verteidigerin Babett Peter angeblich regelwidrig behindert worden war.
Selbst Angerer ("Das war ein reguläres Tor und mein Fehler") staunte über das Urteil der Spielleiterin. Noch erstaunlicher aber war die legere Haltung der Verlierer. "Wir können mit unserem Spiel nicht zufrieden sein. Frankfurt war ein bisschen cleverer und hat seine Chancen eiskalt genutzt", verzichtete Spielführerin Zietz auf jegliches Gezeter über ihr nicht gegebenes Tor. Und Trainer Bernd Schröder - mit Turbine vor zwei Wochen mit einem Punkt Vorsprung auf Frankfurt Deutscher Meister geworden - tat geradezu so, als würde er den einstigen Alles-Gewinnerinnen aus der Bankenmetropole ihren ersten Titel seit drei Jahren von Herzen gönnen.
"Das Pokalfinale fiel bei uns zwischen Meisterschaft und Halbfinale der Champions League. Man muss nicht so tun, als ob es das Größte wäre", bemühte sich der 68-jährige Coach um Grandezza. Auch, indem er großspurig anfügte: "Wir haben bei uns schon so oft auf dem Balkon gestanden - das ist nichts Besonderes mehr." Unbedingt Recht hatte der studierte Montanwissenschaftler aus dem Erzgebirge allerdings mit zwei grundsätzlichen Feststellungen zum intensiven, speziell nach der Pause aber auch arg verbissen und oft planlos geführten Endspiel. "Es war nichts Brillantes dabei", fasste Schröder den Nachmittag zusammen - ehe er sich mit großer Nüchternheit Neids WM-Kader widmete.
"Ist ja klar, dass der deutsche Meister das geringste Kontingent stellt", lästerte Turbines Trainer vor dem Finale noch über die Team-Zusammensetzung der Bundestrainerin, die in ihre vorläufige WM-Auswahl je sieben Spielerinnen aus Frankfurt und Duisburg, aber nur fünf aus Potsdam berufen hat. Dann war das Finale verloren - und Schröder kommentierte: "Warum sind denn mehr Frankfurterinnen in der Nationalmannschaft? Weil sie stabiler sind."
Wie stabil Köln als dauerhafter Austragungsort für das Pokalendspiel der Frauen ist, wird sich zeigen. Mit 20 312 Zuschauern blieb die Domstadt zwar 6 000 Besucher unter der Europarekordmarke vom Vorjahr, trotzdem wird Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg ("Das war eine traumhafte Kulisse") ihren DFB-Kollegen bei der Präsidiumssitzung im Mai wohl Köln als Dauerlösung ans Herz legen. "Ein schönes Stadion, ein schönes Finale. Mit Köln haben wir eine gute Adresse gefunden", erklärte Potsdams Nationalstürmerin Anja Mittag dazu stellvertretend für das Gros der Final-Teilnehmerinnen, als sie sich mit versteinerter Miene und dickem Kopfhörer um den Hals auf den Heimweg machte.
Sehr viel fröhlicher sah da neben ihr die Teamkollegin Yuki Nagasato aus. Die zarte Japanerin hatte nach 42 Minuten zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen, war im Kölner "Kampfspiel" (Schröder) zudem die fußballerisch erfreulichste Erscheinung - und dachte weniger an künftige DFB-Pokalfinals als an das WM-Turnier im Sommer, als sie sehr direkt erklärte: "Taktisch und technisch sind wir besser als Deutschland. Nur körperlich sind wir nicht so gut - und wir haben keine Zeit mehr, das aufzuholen."
