Eröffnung der Montessori-Schule Eröffnung der Montessori-Schule: Nicht nur Euphorie auf steinigem Weg
Weißenfels/MZ. - Als blauäugig und abgedreht seien sie belächelt worden angesichts sinkender Schülerzahlen und schließender Schulen. Conny Lucks sagt dies während der feierlichen Eröffnungsveranstaltung der Montessori-Schule in der Weißenfelser Händelstraße. Doch der Entschluss sei lange in ihr gereift, weil sie an einer öffentlichen Schule schnell an Grenzen gestoßen sei.
Sie spricht von Kindern, die wissbegierig eingeschult wurden, aber bald die Lernlust verloren haben. Um das zu verhindern, müsse man die Persönlichkeit der Mädchen und Jungen respektieren, sich ihnen individuell zuwenden, sie selbst tätig werden lassen und sie nicht als leeres Fass betrachten, in das man Wissen hineinstopfen muss. In Antje Dobisch und Anja von Lehe habe sie Mitstreiterinnen gefunden und schließlich auch in Martina Witt, der Vorsitzenden des Fördervereins, der inzwischen 18 Mitglieder zählt.
Steinig sei der Weg gewesen, Euphorie und Ohnmacht hätten einander abgewechselt. Bis zuletzt freilich bedurfte es tatkräftiger Helfer, und Antje Dobisch, die demnächst ein Montessori-Diplom erwerben will, nennt auch die Handballer des WHV, die beim Malern geholfen haben, und Siegbert Schlieker, der außen den Schriftzug der Schule anbrachte. Sie zeigt die Regale mit dem Material, das die Sinne der Schüler/innen ansprechen soll und das komplizierter werde, je höher es liege, weist zum Beispiel auf Kästen mit Zahlen, denen die entsprechenden Stäbchen im Mathematik-Unterricht zuzuordnen sind. Es ist Material, das sich die Mädchen und Jungen selbst heranholen, unabhängig von Stundenplanstarre, Pausenklingeln und Benotung.
Auch Ex-Oberbürgermeisterin Gisela Bevier half im Vorfeld. "Von drei Einrichtungen, die zur Auswahl standen, ist letztlich die Wahl auf die Händelstraße gefallen, weil es hier einen separaten Eingang gibt." Und der Förderverein, der sich mittlerweile zum Trägerverein entwickelte, was mit einem ganzen Stück mehr Verantwortung bis hin zur Lohnabrechnung verbunden ist, gab entsprechenden Rückhalt.
Freilich war erst vor gut sechs Wochen die Finanzierung durch die Robert-Bosch- und die Software-AG-Stiftung klar. Rund eine halbe Million Mark fließt in den nächsten drei Jahren. Damit sei für interessierte Eltern etwas Greifbares vorhanden, so dass sich nun weitere Mitglieder finden werden, betont Frau Witt. Hätte diese Klarheit schon eher bestanden, hätte es im neuen Haus mehr Abc-Schützen gegeben, ist sich Gerlinde Laue, Leiterin des "Buratino"-Kindergartens, sicher. Dort hatte es vor fünf Jahren die erste Gruppe gegeben, mit der nach Montessori-Prinzipien gearbeitet wurde.
Damals hatte Carmen Christ ein entsprechendes Diplom erworben. Weitere vier Erzieherinnen folgten, so dass es derzeit vier Gruppen mit rund 60 Montessori-Kindern gibt. Einer von den neuen Schülern ist der neunjährige Chris Modesti. Dessen Eltern Jaqueline und Marko sind bei der Einweihungsfeier dabei und sprechen von Problemen ihres Sohnes in den ersten beiden Klassen. Sie hätten ihm nun von der neuen Schule erzählt, er kenne die Lehrerin und sei vollauf begeistert. Jaqueline Modesti unterstreicht, dass es wichtig sei, wenn die Pädagogen hier individuell auf die Kinder eingehen. Kommentar