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Deutschland Deutschland: Stille Einkehr und Auszeit vom Alltag

Von Horst Heinz Grimm 16.02.2007, 12:09
Die Benediktinerabtei Andechs auf dem Heiligen Berg am Ostufer des Ammersees bei München - die Mönche dort bieten Managern die Gelegenheit zu Exeritien. (Foto: dpa)
Die Benediktinerabtei Andechs auf dem Heiligen Berg am Ostufer des Ammersees bei München - die Mönche dort bieten Managern die Gelegenheit zu Exeritien. (Foto: dpa) Kloster Andechs

München/Düren/dpa. - «Knapp 300 Klösterin Deutschland nehmen Gäste auf», sagt Arnulf Salmen, Sprecher derDeutschen Ordensobernkonferenz in Bonn. «Konfessionelle Grenzen gibtes nicht, Besucher müssen nicht katholisch sein. Auch Familien sindwillkommen.»

Klöster stehen überall in Deutschland. Es gibt etwa 530Niederlassungen von Männerorden und fast 2800 Gemeinschaften derKlosterfrauen, wie Salmen aufzählt. Zutritt finden Fremde, die Ruhe,Besinnung und Entspannung suchen, jedoch nur sehr begrenzt. In derRegel werden sie in Gästehäusern untergebracht, die vereinzeltHotelkomfort besitzen. In wenigen Ausnahmen dürfen sie nachvorheriger Absprache am klösterlichen Alltag teilnehmen und sogar mitMönchen in der Klausur leben. Die Preise richten sich von Spenden biszu regulären Sätzen.

Besinnungstage mit Teilnahme an Schweigeexerzitien offeriertbeispielsweise die Erzabtei Beuron der Benediktiner im NaturparkObere Donau in der Nähe von Tuttlingen. Die Mönche haben dazu ihrenGästetrakt ausgebaut. Wer mehr Weltlichkeit sucht, findet sie ineinem kleinen, privat geführten Hotel in Maria Trost in Sichtweitedes Klosters. «In dem Gebäude lebten bis vor wenigen Jahren Nonnen»,sagt Pächterin Doris Zimmermann. Ihr Mann sorgt für die Küche. DiePreise sind moderat.

In der Benediktinerabtei St. Mauritius im Naturpark Saar/Hunsrück,dem ältesten Kloster in Deutschland mit Ursprüngen im 6. Jahrhundert,leben 13 Mönche und empfangen männliche Gäste in der Klausur. «Diesesollen wissen, dass sie sich in einem Kloster aufhalten», macht PaterMauritius Choriol aufmerksam. «Regelmäßige Kirchenbesuche und Gebetegehören dann dazu.» Für die Übernachtungen stehen zehn Klosterzellenzur Verfügung, die sanitären Einrichtungen befinden sich auf demFlur. «Bei uns kann man auch keine Kiste Bier mitbringen.» Etwas mehrKomfort bietet das Gästehaus.   

Im Kloster Ahrenberg bei Koblenz, dem Mutterhaus derDominikanerinnen, leben in einem Anbau die Gäste in Zimmern mitDusche, Telefon und Fernsehen. Die Anlage verfügt über einSchwimmbad, dem ein Fitnessraum und eine Wellnessanlage angeschlossensind. Im Vordergrund aber steht die geistige und seelische Erholung,die hier vor allem Frauen suchen.

Schlichte Unterkünfte zu bescheidenen Preise bietet das mehr als770 Jahre alte Kloster Marienthal der Zisterzienserinnen in Ostritz.Es liegt im Länderdreieck zu Polen und Tschechien. «Gäste haben dieMöglichkeit zur Stille, Besinnung und Zeit, in der sie mit uns betenund arbeiten», erklären die Schwestern, deren Tagesrhythmus von denGebetszeiten bestimmt wird. Als Besonderheit gelten Fastenwochen.

«Der Aufenthalt als Gast in einem Kloster soll der innerenSammlung dienen», beschreibt Bruder Famian den Sinn einer solchenAuszeit vom Alltag. In seiner Abtei Mariawald in der Eifel lebendie Männer des Trappistenordens asketisch und fleischlos nach denstrengen Regeln des frühen Mönchstums. Sie nehmen in getrenntenRäumlichkeiten bis zu acht Gäste auf. «Diese sind natürlich zu denHeiligen Messen und Gebeten eingeladen.»

Für die Mönche in Mariawald, die im Sprechverbot leben, beginntder Tag gegen 4.00 Uhr morgens. So früh müssen die Besucher zwarnicht aus den Betten ihrer spartanisch eingerichteten Zimmer,allerdings beginnt die Abendruhe auch für sie zur Tagesschauzeit.Hektik kennen die Klosterbrüder nicht. «Unsere Ruhe strahlt auf dieGäste aus», sagt Bruder Famian, zuständig für Kontakt mit den Fremdenund deshalb vom Schweigegebot befreit.

Die Benediktinerabtei Andechs auf dem Heiligen Berg am Ostufer desAmmersees bei München ist unter Bierkennern für seine Braukunst bekannt. Die Anlage verfügt außerdem über genügend Raum für Tagungenund kulturelle Veranstaltungen. Doch die Mönche bieten mehr:Exerzitien für Manager. «Sie finden zweimal pro Jahr statt und sindmaximal auf zwölf Teilnehmer begrenzt», sagt Pressesprecher MartinGlaab. «Die Gäste leben fünf Tage in der Klausur in einfachenZimmern. Es sind nur Männer zugelassen.» 1380 Euro plusMehrwertsteuer sind dafür zu zahlen.

Der Abt persönlich leitet die Exerzitien. Intensive Teilnahme ambenediktinischen Lebensrhythmus - Arbeit, Besinnung, Gebet undSchriftenlesung - soll den im weltlichen Leben gefordertenEntscheidungsträgern helfen, wieder zu sich zu finden. Das ersteChorgebet ist für 7.00 Uhr angesetzt, um 21.00 Uhr beginnt dasSchweigen. Die Verpflegung liefert auch hier die Klosterküche, anzwei Tagen kochen die Mönche fleischlos.

Angesichts der Vielfalt des Angebots ist es nicht einfach, füreine Auszeit die richtige der fast 300 klösterlichen Einrichtungen zufinden. «Als Leitfaden für die Suche sollten Interessierte sich aufder Klosterliste der Vereinigung deutscher Ordensoberen im Internetinformieren», rät Arnulf Salmen. Wenn nicht Stille und Gebet imMittelpunkt stehen sollen, können in manchen Fällen sowohl Männer alsauch Frauen Kurse zur Persönlichkeitsfindung bis zur Kunst derKräutergärtnerei belegen.

Informationen: Deutsche Ordensobernkonferenz, Wittelsbacherring 9,53115 Bonn (E-Mail: [email protected]), Internet: www.orden.de.

Vor allem bei Frauen gefragt - im Kloster Ahrenberg bei Koblenz, dem Mutterhaus der Dominikanerinnen, gibt es auch Wellnessangebote. (Foto: dpa)
Vor allem bei Frauen gefragt - im Kloster Ahrenberg bei Koblenz, dem Mutterhaus der Dominikanerinnen, gibt es auch Wellnessangebote. (Foto: dpa)
Kloster Ahrenberg