Der Untergang der Lusitania
Hamburg/dpa. - Doch die Versenkung des Luxusliners «Lusitania» drei Jahre später war mindestens so spannend und dazu noch von welthistorisch schlimmer Bedeutung. Und die deutsch-britische Koproduktion «Der Untergang der Lusitania», am 28. Dezember (21.40 Uhr) in der ARD zu sehen, kann es in Sachen Dramatik und Emotion durchaus mit dem monumentalen Hollywood-Drama aufnehmen. «Obwohl wir», NDR-Redakteur Alexander von Sallwitz merkt es nicht ohne Stolz an, «höchstens zwei Prozent vom Etat der amerikanischen Kollegen zur Verfügung hatten.»
Es waren immerhin noch mehr als zwei Millionen Euro. Davon wurde aufwändig in Szene gesetzt, was 1915 die Welt erschütterte: Die Deutschen hatten im Ersten Weltkrieg gerade den «uneingeschränkten U- Bootkrieg» ausgerufen. Nun wurden auch Handelsschiffe torpediert - und eben auch der als unsinkbar geltende britische Luxusdampfer «Lusitania» auf seiner Fahrt von Amerika nach Großbritannien.
Vor Irland lauerte ein U-Boot. Ein einzelnes Besatzungsmitglied weigerte sich, «auf Frauen und Kinder» zu schießen. Der Mann wurde später wegen Meuterei zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Kapitänleutnant Walther Schwieger folgte jedoch dem Befehl. Ein Torpedo wurde abgefeuert und der Dampfer versank im Meer. Mehr als tausend Menschen ertranken. Durch die Welt ging ein Aufschrei: die barbarischen Deutschen! Mochten die auch beteuern, der vermeintlich harmlose Musikdampfer sei bis zum Rand mit Waffen und Munition vollgestopft gewesen. Was sogar zutraf.
Überhaupt stellte sich manches später anders dar. Vor allem dürfte sicher sein, dass der britischen Admiralität und insbesondere ihrem Ersten Lord Winston Churchill die Katastrophe sehr gelegen kam. Sie beschleunigte, da viele Amerikaner an Bord gewesen waren, den Eintritt der USA in den Krieg gegen Deutschland und beeinflusste so den Verlauf des Ersten Weltkriegs.
«Nein», beteuert von Sallwitz, «unsere britischen Partner haben nicht irgendwelche einseitigen Schuldzuschreibung verlangt. Im Gegenteil. Wir waren fast ein wenig erschrocken, wie rigoros sie mit ihrem Nationaldenkmal Churchill umgesprungen sind.» Dennoch wurde der Film, an dem außer dem NDR auf britischer Seite BBC und Discovery Channel beteiligt waren, bei seiner britischen Erstsendung im vergangenen Jahr mit fünf Millionen Zuschauern ein großer Publikumserfolg.
Gedreht wurde unter der Regie von Christopher Spencer in Südafrika. Sorgen machten die Aufnahmen in dem U-Boot. Eines liegt in Kiel. Darin konnte aber nicht gefilmt werden. Ein anderes, mit idealer Location, fand sich in Finnland. Nur erklärte dessen Kustos rigoros: «Jeder darf auf mein Boot, nur kein Film-Team.» So zog man nach München in die Bavaria-Studios und drehte in der nachgebauten U- Boot-Kulisse, die schon Schauplatz von Wolfgang Petersens Klassiker «Das Boot» gewesen war.