Chorproben in Mansfeld Chorproben in Mansfeld: Stimmen im alten Schloss
Mansfeld/MZ. - Die Melodie klingt ein wenig wie die Filmmusik zum Zug einer Karawane durch die Wüste. "Spurenaus dem Paradeis...", dann folgt eine lange Aufzählung von Namen, nicht alle sind biblisch, aber irgendwie haben sie alle mit Kirchengeschichte zu tun. Bei "Hildegard und Franz" erläutert Chorleiter Carsten Miseler: "Das sind nicht etwa die Teilnehmer früherer Jugendsingwochen, sondern echte Heilige". Erster Probentag auf Schloss Mansfeld, die 33 Teilnehmer der Jugendsingwoche machen sich mit der Literatur, die sie erarbeiten wollen, vertraut. Gerade singen sie sich ein in ein neues Stück, eine Komposition von Andreas Mücksch, Kantor in Halle. Wie in jedem Sommer haben sich nicht nur singfreudige junge Menschen aus Sachsen-Anhalt, sondern auch von weiter her zusammengefunden, das ist an den Autokennzeichen zu erkennen. Die Jugendsingwoche ist ein Angebot der evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen.
Nach dem ersten Abend, der nur zum Kennenlernen diente, sind sie aber schon eine richtige Gemeinschaft geworden. Das wird in der Kaffeepause spürbar, in Grüppchen, aber auch in einem größeren Kreis sitzen die jungen Leute vor dem Schloss und unterhalten sich intensiv. Viele der 21 Mädchen und 12 Jungen waren im letzten Jahr bereits dabei, etwa die Hälfte ist neu. Den kürzesten Weg dürfte Sebastian Weidenhagen haben, er wohnt in Mansfeld. Noch stehen Registerproben, also Einzelproben nach Stimmen getrennt, im Mittelpunkt. Verstärkung hat Carsten Miseler (Bleicherode) für die Chorarbeit durch Suanne Schoener aus Halle bekommen, Stefan Naumann, für die Technik verantwortlich, leitet ebenfalls eine Gruppe bei den Registerproben. Rainer Huber ist der Theologe im Leitungsteam der Singwoche.
Er ist für die Morgen- und Abendandachten zuständig, motiviert die jungen Sänger, hier selbst aktiv zu werden. Auch wenn über die Texte der Chorwerke geredet wird, ist das sein Aufgabenfeld. Die Leute sollen sich ja darüber bewusst sein, was sie singen. In diesem Jahr standen für die Auswahl der Werke die "Ich bin"-Sätze von Jesus im Neuen Testament im Mittelpunkt. Beim Gottesdienst am Sonntag um 14 Uhr in der Kirche Friesdorf kommen Werke von Busto ("Laudate Dominum" und von Rudolf Desch zur Aufführung, außerdem zwei Gospels, "Über den Jordan" und ein Song von William L. Dawson. Anschließend ist noch ein Beisammensein mit Volksliedersingen im Freien geplant. "Wir suchen uns gerne solche Dorfkirchen für den Gottesdienst aus, die auch in einer schönen Umgebung liegen, die zum Wandern reizt", sagt Stefan Naumann.
Aber auch am Programm für die Konzerte am 26. Juli um 19.30 Uhr in der Kirche Mehringen, am 27. Juli um 19 Uhr in der Dorfkirche Alsleben und am 28. Juli um 19.30 Uhr in der Marktkirche Halle wird schon von Anfang an gearbeitet. Denn Choralwerke von Heinrich Schütz stellen ebenso hohe Anforderungen an die jungen Sänger wie moderne Literatur, etwa von Ernst Pepping. Viele der Jugendlichen können vom Blatt singen, und die "ziehen dann die anderen auch mit". Viele spielen auch ein Instrument. Natürlich wird nicht den ganzen Tag lang geprobt, am Montagabend wird beispielsweise "Bergfest" gefeiert, und auch Kino und andere Freizeitaktivitäten stehen auf dem Programm. In diesem Jahr gibt es zwar keine Diskussiongäste wie beispielsweise Bischof Axel Noack im Vorjahr, aber dennoch sind die Teilnehmer sich einig, dass die Themen ihnen nicht ausgehen werden.