Champions League der Frauen Champions League der Frauen: Turbine-Fans im Wechselbad: Entsetzen und Euphorie

Potsdam/dpa. - Am späten Donnerstagabend hatten die daheimgebliebene Anhänger derbesten Frauen-Fußball-Mannschaft Europas die Sternstunde des 1. FFCTurbine Potsdam als ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Vor allembeim Elfmeter-Thriller gegen den französischen Meister Olympic Lyonim Champions-League-Finale schwankten mehr als 700 Fans beim PublicViewing am Kutschstall im Stadtzentrum Potsdams immer wieder zwischenfreudigen Umarmungen, Luftsprüngen sowie Angst und verzweifeltemKopfschütteln.
Riesige Enttäuschung machte sich vor allem breit, als die beidenerfahrenen Spielerinnen Jennifer Zietz und Anja Mittag beim Elfmeter-Drama im spanischen Getafe ihre Strafstöße verschossen. Umso größerwar die Euphorie, als die 17-jährige Anna Felicitas Sarholz diePotsdamerinnen mit zwei gehaltenen Elfmetern und einem selbstverwandelten Strafstoß wieder zurück ins Spiel brachte.
Für die Fans, die während des torlosen Spiels und der ebensotorlosen Verlängerung zunächst nur sparsam mit ihren Emotionen waren,gab es am Ende kein Halten mehr. Als klar war, dass die «Torbienen»mit ihrem 7:6-Sieg die ersten Champions-League-Gewinnerinnen derGeschichte im Frauen-Fußball sind, sprangen die Fans von den Bänkenund fielen sich in die Arme.
Und als die Turbinen den Pokal entgegennahmen, ließen sich diePotsdamer zur ersten «La Ola» des Abends hinreißen. Von denVeranstaltern gab es 50 Liter Freibier. «Sensationell. Einpackenderes Finale kann es einfach nicht geben», sagte PotsdamsOberbürgermeister Jann Jakobs, der das Spiel am Biertischbangend verfolgt hatte. Er hatte die Fans bereits vor dem Spiel aufeinen Sieg eingeschworen, mit seinem Tipp (4:2 nach Verlängerung)allerdings daneben gelegen. «Die Fußballerinnen sindBotschafterinnen für den Frauenfußball und für die LandeshauptstadtPotsdam», fügte er hinzu. «Wir haben dem FC Bayern gezeigt, wie esgeht», freute sich Jakobs.
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck beglückwünschtedie Kickerinnen zu ihrem «furiosen Sieg im Herzschlagfinale vonMadrid». Er prophezeite den Frauen eine ebenso grandiose Karriere wieReal Madrid. Der Verein habe 1956 zum ersten Mal den Landesmeister-Cup gewonnen und sei dann zu einer europäischen Spitzenmannschaftaufgestiegen. Auf die Klasse-Leistung sei Brandenburg stolz.
Mit Spannung hatten auch die Nachwuchsspielerinnen von Turbine dasSpiel ihrer Idole bei Public Viewing verfolgt. «Das ist alles soaufregend», sagte die 12-jährige Abwehrchefin Maxi Espig hinterher.Aufgeregt sprangen sie und ihre Mitspielerinnen auch nach Spielendenoch in die Luft und konnten ihr Glück nicht fassen. «Einfachüberragend», kommentierte Zuschauer Peter Litzba die Leistung vonAnna Sarholz. Litzba, Anhänger des Bundesliga-Absteigers Hertha,hatte seine Frau Birgit, einen eingefleischten Turbine-Fan,begleitet. «Die Männer können sich noch viel von den Frauen abgucken,zum Beispiel Erfolg», lautete sein Fazit.