RBL-Stürmer in Topform

Timo Werner von RB Leipzig: Wie sich der RBL-Stürmer immer mehr Respekt erspielt

Hamburg - Kurz nach Mitternacht in Ottensen. Einen Steinwurf vom Bahnhof Altona entfernt, wo die S-Bahn die letzten Fans aus dem Hamburger Volksparkstadion gerade aus ihren Waggons kippt. Nieselregen fällt auf ...

Von Martin Henkel
Timo Werner: Nicht immer geliebt, erspielt sich der RB-Stürmer immer mehr Respekt bei den Fußball-Fans in Deutschland.
Timo Werner: Nicht immer geliebt, erspielt sich der RB-Stürmer immer mehr Respekt bei den Fußball-Fans in Deutschland. dpa

Kurz nach Mitternacht in Ottensen. Einen Steinwurf vom Bahnhof Altona entfernt, wo die S-Bahn die letzten Fans aus dem Hamburger Volksparkstadion gerade aus ihren Waggons kippt. Nieselregen fällt auf Hamburg.

In der Gasoline, einer Bar um die Ecke, stehen zwei: Frau und Mann, beide Mitte 30. Sie ist St. Pauli Fan, macht man in Ottensen so. Er steht auf den HSV. Keine zwei Stunden ist es her, da hat der Hamburger SV sein Freitagabendspiel gegen RB Leipzig 0:2 verloren.

Naby Keita hat den ersten Treffer markiert, Nationalstürmer Timo Werner den zweiten. Sie freut sich. „Ey, haste gesehen, der Werner? Das war ein Traumtor.“ Er: „Der Schwalben-Werner hat sich schon wieder fallen gelassen. Wenn das nicht passiert, gewinnt der HSV.“

RB Leipzig: Timo Werner ist das große Thema

Das ging so noch ein bisschen hin. Hamburg spielt gegen Leipzig, Werner war das Thema. Nicht unbedingt, weil der 21-Jährige das Spiel allein entschieden hätte. Aber weil man sich an Werner so gut abarbeiten kann.

Generell, seit der junge Leipziger Stürmer vergangenes Jahr im Spiel gegen Schalke 04 eine Schwalbe produzierte, die ihn zum „Imo Erner Urensohn“ so gut wie sämtlicher Bundesligastadien beförderte - inklusive der, in denen die DFB-Elf ihre Partien bestreitet.

Timo Werner: Der Videobeweis sorgt für Diskussionen

Und konkret, weil da am Freitag in der Gasoline das alte Werner-Bild auf ein neues traf. Der gebürtige Stuttgarter war in der letzten Minute der ersten Halbzeit im Strafraum gestürzt. Schiedsrichter Deniz Aytekin holte sich Rat vom Videoassistenten aus Köln, der entschied, auf: nicht eindeutig.

Albin Ekdal hatte Ball und Werners Fuß gleichzeitig getroffen – Ecke Leipzig statt Elfmeter. Sie in der Gasoline: „Pass mal auf! Wenn der Werner nächsten Sommer bei der WM Deutschland zum Titel schießt, bist du der Erste, der die Arme hochreißt!“

Der Disput in der Hamburger Pinte war symptomatisch für eine Woche, in der der Umgang mit Werner sich gerade verändert. Bei der Vorstellung der Spieler aus Leipzig wurde Werner wie üblich lauter ausgepfiffen als andere.

Erst Pfiffe, dann Schweigen bei den HSV-Fans

Auf dem Weg zum Stadion durch den verregneten Volkspark sangen Kinder und Jugendliche: „Timo Werner, Hurensohn!“ Bei der ersten Ballberührung tobten die Hamburger Ultras. Noch. Dann wurde es still, wenn der Leipziger den Ball bekam. Und als Werner in der 75. Minute das 2:0 besorgte, war kein Pfiff mehr zu hören.

Was willste sagen?! Drei Treffer hat der Nationalspieler in den vergangenen zwei Ligaspielen geschossen. Unter der Woche waren es nochmal zwei in den Länderspielen gegen Tschechien und Norwegen.

RB Leipzig: Ist Timo Werner auf dem Weg in die Weltklasse?

Der jüngste Treffer war dabei der bemerkenswerteste. Werner bekam den Ball vor der Mittellinie nach einer Hamburger Ecke vor den Fuß gespielt. Zog einen Sprint an, schüttelte zwei Hamburger ab, lief auf Keeper Christian Mathenia zu und ließ ihn mit kaltem Herzen in die falsche Ecke springen.

„Weltklasse war das!“, meinte später RB-Schlussmann Peter Gulacsi. „Das war typisch für ihn“, sagte Diego Demme.“ „So kannst du Timo nicht verteidigen“, konstatierte Marcel Halstenberg. Trainer Ralph Hasenhüttl fügte hinzu: „"Wenn er die Tore so macht, ist es fast schon Wettbewerbsverzerrung.“ Und meinte: So kriegt man ihn nicht zu fassen.

RB Leipzig: Timo Werner erklärt sein Traumtor gegen den HSV

In der Mixed-Zone, in der Spieler und Funktionäre auf die Medien treffen, wurde Timo Werner von einer Kamera zur nächsten geschoben. „Ich bin in der Szene einfach nur gelaufen, sie haben dreimal versucht mich zu legen. Der schlimmste Moment war für mich der Torschuss, weil wenn das Ganze nicht mit dem Tor belohnt worden wäre, wäre es umso schlimmer gewesen. Ich habe im Moment den Vorteil, dass ich einfach nicht nachdenke vor dem Tor“, sagte sagte Werner bei seiner letzten Station, eher er in die Kabine eilte. 

Kurz nach Mitternacht in der Gasoline endete das Gespräch über Wohl und Wehe von Timo Werner für den deutschen Fußball hier, da und dort mit ihm. Er: „Ich hau’ jetzt ab!“

(mz)