Stadt Leipzig zum Fußball-Ärger

Stadt Leipzig zum Fußball-Ärger: So kommt die RB-Mütze in die Baby-Box

Leipzig - Ein RB-Fanartikel in den Willkommenspaketen für Neugeborene sorgte für Empörung. Zu Recht?

Von Ullrich Kroemer

Der Empörungs-Post von Kevin Hochler hat Karriere gemacht. Über 13.000 Facebook-Nutzer klickten bis Freitagmorgen auf den erhobenen Daumen, knapp 1.500 Kommentare finden sich unter dem Facebook-Eintrag.

Hochler, Marketingleiter von Fußball-Regionalligist BSG Chemie Leipzig, hatte sich darüber beschwert, dass dem Willkommenspaket der Stadt Leipzig für Neugeborene eine Babymütze von RB Leipzig beiliegt – und die Mütze prompt zurückgeschickt.

Hochlers Vorwurf: Die Stadt Leipzig mache „Werbung für einen Verein, der es von Anfang an nicht sonderlich schwer hatte und dem die Fans, die sich zugegeben nach erfolgreichem Fußball in der Stadt sehnten, nur so zuliefen.” Das sei ein „Faustschlag ins Gesicht all der ehrenamtlichen Helfer, die jeden Tag dazu beitragen”, dass kleinere Klubs überleben könnten. Der dahinter stehende Verdacht: Die Stadt bevorzugt den Bundesligisten, während andere Klubs nicht die Chance erhalten, ihre Merchandising-Produkte dem Paket beizulegen, um schon die Kleinsten zu Fans zu erziehen.

Doch fragt man bei der Leipziger L-Gruppe nach – Tochter der Stadt und Holding der Leipziger Stadtwerke, Verkehrsbetriebe, Wasserwerke und Sportbäder –, die die Willkommenspakete bereitstellt, stellt sich der Sachverhalt etwas anders dar.

„Schnuller-Verteidiger” im Willkommenspaket: Aufregung um Babymütze in Leipzig

Frank Viereckl, Sprecher der Gruppe, betont im Gespräch mit der MZ: „Wir sind an niemanden gebunden. Jeder Leipziger Verein, jede Firma ist eingeladen, mit einem passenden und geprüften Produkt etwas zum Willkommenspaket beitragen.”

Bedingung: Das Produkt muss für Kleinkinder geeignet sein und 6.000 Mal pro Jahr kostenfrei bereitgestellt werden; zudem müssten Firma oder Verein eine niedrige vierstellige Summe pro Jahr für Bestückungskosten etc. entrichten. Ausgeschlossen seien lediglich politische und religiöse Vereinigungen, sagt Viereckl.

Das Willkommenspaket gibt es seit etwa fünf Jahren für Neugeborene. Anfangs wurde das von der Stadtholding noch selbst bestückt. Doch weil wegen des Geburtenanstiegs inzwischen nicht mehr 2.500, sondern 6.000 Boxen pro Jahr benötigt werden, „haben wir Partner mit hinzugenommen”, erklärt Viereckl. Seit Anfang des Jahres 2017 auch RB Leipzig.

Doch es sei durchaus denkbar, dass dem Paket auch ein Lätzchen der BSG Chemie oder ein Schnuller von Lok Leipzig beiliegen. Die betreffenden Vereine müssten sich das eben nur leisten können. Der 1. FC Lokomotive habe sich ebenso wie die BSG Chemie bereits im Frühjahr beschwert, könne sich die Präsenz in der Box aber nicht leisten.

Grundsätzlich aber arbeite die L-Gruppe auch mit Lok (Strom- und Wärmezulieferer) gut zusammen, ebenso wie mit RB Leipzig. Mit dem Bundesligisten etwa bestehen Verträge über Energielieferung und Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs für Stadionbesucher. „RB ist ein Verein, mit dem wir gute Geschäfte machen”, sagt Viereckl.

Was nun die Mütze mit der Aufschrift „Schnuller-Verteidiger” angeht, kann der Sprecher die Aufregung nicht verstehen. „Es wird niemand gezwungen, die Mütze mitzunehmen und aufzusetzen”, sagt Viereckl. Es sei schließlich jedem selbst überlassen, die Mütze schon im Familieninfo-Büro oder daheim auszusortieren – oder eben zurückzuschicken, wie Kevin Hochler das getan hat. Doch Grund zur Empörung wegen Bevorzugung gibt es nach Lage der Dinge eher nicht. (mz)