Reform der DFB-Regeln

Reform der DFB-Regeln: RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl fordert fünf statt drei Wechselspieler

Leipzig - Die Saison verlangt den Spielern viel ab. Dürfen die Trainer bald häufiger wechseln? RB-Coach Ralph Hasenhüttl ist dafür.

Von Martin Henkel
Ginge es nach ihm, dann sollten die Bundesligisten häufiger wechseln können. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl fordert, das Wechselkontigent auf fünf Spieler zu erhöhen.
Ginge es nach ihm, dann sollten die Bundesligisten häufiger wechseln können. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl fordert, das Wechselkontigent auf fünf Spieler zu erhöhen. imago sportfotodienst

Ralph Hasenhüttl hat sich am Freitag vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln (So., 17.30 Uhr) auf Nachfrage in eine Debatte eingeschaltet, die seine Art Fußball zu spielen mehr als nur tangiert. Sie berührt den Kern des Gegenpressings, das nämlich vor allem eines ist: laufintensiv. Und das sowohl während eines Spiels als auch mit Blick auf eine ganze Saison nicht selten zur Folge hat: Verschleiß.

Der Trainer von RB Leipzig plädiert deshalb dafür, die zulässige Zahl der Wechselspieler von drei auf fünf zu erhöhen. „Das würde uns Trainer schon noch mehr Spielraum geben. Ich bin absolut dafür, dass es möglich sein sollte, mehr zu wechseln.“

Gedankenspiele der Trainer

Hasenhüttl stützt seine Überlegungen dabei auf einen Vorschlag, den Anfang August Kollege Thomas Tuchel unterbreitet hat. Der Trainer von Borussia Dortmund erklärte, dass es sinnvoll wäre, nicht nur fünf, sondern gleich sechs Wechselspieler zuzulassen. Und das bei drei Einwechslungen, also drei mal zwei. Das würde zum einen den Gemeinschaftssinn einer Mannschaft stärken, „weil nämlich viel mehr Spieler zum Zuge kämen“.

Das würde Verschleiß vorbeugen, „weil man die Belastung so viel besser verteilen könnte“. Und es würde der Show guttun, denn die Fans bekämen A) viel mehr Spieler zu Gesicht, B) das Spiel würde am Ende wieder rasanter und damit attraktiver werden, und C) der Trainer könnte zum Schluss taktisch nochmal was drehen.

Dass dadurch mehr Tore fallen, darauf wollte sich Hasenhüttl allerdings nicht festlegen. Aber wie wissen, wenn man es nicht probiert? So wie die Engländer. Seit dieser Saison lässt der Ligaverband (FA) im englischen Pokal einen vierten Wechselspieler zu.

Freilich erst ab dem Viertelfinale und dann auch nur, wenn drei Spieler schon getauscht wurden und 90 Minuten sieglos verstrichen sind. Aber immerhin. „Wir wollen unserem Pokal mehr Drama und Attraktivität geben“, begründete der Liga-Vorstandsvorsitzende Martin Glenn die Regeländerung. „Und natürlich auch die Belastung reduzieren.“

IFAB prüft Kontingenterhöhung

Beobachtet wird das Ganze vom IFAB. Das internationale Regelgremium studiert die Möglichkeit der Kontingenterhöhung bereits seit einer Weile. Sie wurde schon bei der Copa América getestet und bei der U-19-EM.

Demnächst könnte der vierte Wechselspieler auch bei Weltmeisterschaften zum Einsatz kommen. Nach der schweißtreibenden WM in Brasilien 2014 hatten viele Trainer moniert, dass ihre Spieler sich am Rand der totalen Erschöpfung durch so manche Verlängerung geschleppt hätten. Fünf der acht Achtelfinalspiele waren über 120 Minuten gegangen.

Unter anderem beklagte sich auch Joachim Löw. Der Bundestrainer zieht das englische Modell der Tuchel-Hasenhüttl-Variante allerdings vor. Die Technical Study Group (TSG) des Weltverbandes Fifa bestätigte entsprechende Überlegungen. „Eine vierte Auswechslung wird unter Experten schon länger diskutiert", sagte TSG-Mitglied Gerard Houllier.

Auch der Deutsche Fußballbund zeigte sich seinerzeit offen für das Thema. Allerdings noch unter Leitung seines Präsidenten Wolfgang Niersbach („Ich bin dafür"). Blöd nur, dass der nach dem Vergabe-Skandal der Austragungsrechte für die deutsche Sommermärchen-WM 2006 unlängst seinen Posten aufgeben musste.

Sein Nachfolger, Reinhard Grindel, hat sich zur Sache noch nicht geäußert. Aber vielleicht ja alsbald. Zwei deutsche Trainer haben das Thema immerhin schon mal aufs Tableau gehoben. (mz)