Das Ende der Leichtigkeit

RBL - VfL Wolfsburg: RBL nach 0:1-Niederlage gegen motivierte Wolfsburger

Leipzig - RBL - VfL: RB Leipzig verliert im eigenen Stadion gegen den VfL Wolfsburg.

Von Ullrich Kroemer

Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg endete für RB Leipzig mit einer Schrecksituation. Spielmacher Naby Keita war eine Stunde nach dem intensiven und kampfbetonten 0:1 (0:1) in der Kabine kollabiert. Der Guineer musste ins Krankenhaus gebracht werden. „Wenn man ihn da liegen sieht, ist das im ersten Moment ein Schock“, sagte Trainer Ralph Hasenhüttl am Sonntagmorgen.

Zwar sind die genauen Auslöser für den Zusammenbruch noch unklar. Nach einer Nacht im Krankenhaus gaben die Ärzte jedoch vorerst Entwarnung, Keitas Werte seien in Ordnung. Wie der Verein mitteilte, war dessen Kreislauf wegen einer „akuten Belastungsreaktion“ zusammengebrochen. „Er hat sich verausgabt, wir sind viel gelaufen in dem Spiel. Vielleicht war das der Grund“, sagte der RB-Trainer. „Ich hoffe, dass das keine tieferen Ursachen hat.“

Keita war gegen den VfL 11,5 Kilometer unterwegs gewesen, der drittbeste Laufwert bei den Leipzigern. Doch es passte zur Verfassung der Rasenballsportler in dieser Partie, dass sich die Spieler wie im Falle von Keita sogar bis zur Bewusstlosigkeit aufrieben und dennoch nichts Zählbares heraussprang. So genoss Matchwinner Mario Gomez nach seinem frühen Tor des Tages (9.) nach dem Spiel das Bad in der Medienmenge und sagte: „Neben den drei Punkten ist das Schönste am heutigen Tag, mit welcher Spielanlage wir unseren Plan umgesetzt haben. Man kann auch im Abstiegskampf gut Fußball spielen, wenn man Dinge gut vorbereitet und an sich glaubt.“

Mario Gomez über den neuen VfL Wolfsburg und Coach Andries Jonker

Gomez betonte neben der taktischen Vorbereitung durch den neuen Trainer Andries Jonker auch dessen „Penetranz“. Lächelnd sagte er: „Er übt mit uns so lange, bis die Dinge so sind, wie er es sich wünscht. Egal, ob ein 18-Jähriger oder ein 35-Jähriger vor ihm steht.“

Der Niederländer verlieh den Niedersachsen durch einen klaren und akribischen Plan also neue Leichtigkeit. Dadurch wurden die Leipziger zu einem Fehlpass nach dem anderen provoziert - und der Aufsteiger trug offensichtlich einen schweren Rucksack. Ungefragt räumte Hasenhüttl in der Pressekonferenz ein: „Die Erwartungshaltungen sind enorm. Wir haben im Moment Schwierigkeiten, zu Hause nach Rückständen mit derselben Lockerheit zu spielen wie bei Vorsprüngen.“

Freilich ist RB noch immer Tabellenzweiter, doch die Leichtigkeit ist dem Neuling in der aktuellen Saisonphase abhanden gekommen; die Selbstverständlichkeit, als Pässe wie magnetisch angezogen auf dem Fuß des Mitspielers landeten, ist passé. „Das ist sicherlich auch ein Lernprozess, dass jetzt die Phase kommt, wo nicht mehr alles so leicht von der Hand geht“, sagte Hasenhüttl. Also bemühte sich der 49-Jährige nach Kräften, die Erwartungen an sein Team zu dämpfen: „Wir spielen eine gute, normale Saison, in der wir zwei Spiele gewinnen, dann mal eines unentschieden spielen und auch mal eines verlieren“, sagte der Trainer.

Personelle Sorgen plagen den RBL-Cheftrainer Ralph Hasenhüttl

Dabei war RB Leipzig in dieser Saison bislang alles, nur nicht normal. Doch aktuell, bemerkte der Coach, werde es zehn Spieltage vor Saisonende auch nicht einfacher, gegen die Konkurrenz zu bestehen. „Man kennt sich jetzt. Die Gegner sind cleverer, sie wissen mittlerweile, wie man uns ein bisschen stoppen kann.“ Der Chefcoach sprach vom „Fluch der guten Tat.

Zudem fehlen dem Rasenball-Strategen personelle Optionen. Yussuf Poulsen ist verletzt. Ersatzspieler wie Dominik Kaiser, Davie Selke oder Rani Khedira fehlen Selbstbewusstsein, Form und Rhythmus.

Nach dem Match musste Hasenhüttl gestehen: „Die Rechnung ist nicht so aufgegangen, wie wir uns das gewünscht haben.“ Im kommenden Spiel bei Werder Bremen muss RB Leipzig wieder umbauen: Naby Keita ist nach der fünften Saisonpleite nicht nur angeschlagen, sondern auch gelbgesperrt. (mz)