Last-Minute-Treffer

RB Leipzig vs. Bayer 04 Leverkusen live: „Das schwerst mögliche Spiel”

Leipzig - RB Leipzig - Bayer 04 Leverkusen: Das packende Duell zwischen Werkself und Konzernklub war lange offen – bis zur letzten Offensivaktion von RBL.

Von Ullrich Kroemer
Yussuf Poulsen (RB Leipzig) jubelt nach 1:0-Führung.
Yussuf Poulsen (RB Leipzig) jubelt nach 1:0-Führung. imago sportfotodienst

Es schien so, als ende die Partie zwischen RB Leipzig und Bayer Leverkusen mit der ersten Nullnummer mit RB-Beteiligung in dieser Saison. Doch in der dritten Minute der Nachspielzeit erlöste der eingewechselte Yussuf Poulsen die Hausherren. Nach Pass von Emil Forsberg traf der Däne zum 1:0 (0:0)-Endstand. Das Spiel war auch zuvor attraktiv, heiß umkämpft und hochklassig gewesen. RB vergrößerte seinen Vorsprung auf Verfolger Hoffenheim auf sieben Punkte, Leverkusen rutschte auf Rang zwölf ab.

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Ausgangslage

Vertauschte Rollen: Champions-League-Dauerteilnehmer und Titelaspirant Bayer Leverkusen dümpelt im Bundesliga-Mittelfeld zwischen Baum und Borke auf Rang zehn umher. Aufsteiger RB Leipzig hat der Bayer-Elf den Champions-League-Rang abgenommen. Gleichwohl warnte Hasenhüttl: „Wir werden uns auf das schwerst mögliche Spiel einstellen. Im dritten Spiel der englischen Woche kommt es auf’s Durchhaltevermögen an, wir werden eine absolute Willensleistung brauchen.” Leverkusens Trainer Tayfun Korkut sagte: „Wir orientieren uns nicht daran, was war oder am Tabellenstand. „Wir sind nicht der Topfavorit, aber wir haben das Potenzial, da nicht nur mitzuhalten, sondern mit unseren Stärken auch die Möglichkeit, Punkte einzufahren.”

Personalien

Mit dieser Formation hatte RB in dieser Saison noch nie gespielt: Überraschend fehlte Dauerbrenner Marcel Halstenberg. Stattdessen rückte Bernardo auf die Linksverteidiger-Position. Stefan Ilsanker begann als Rechtsverteidiger. Stürmer Yussuf Poulsen saß zunächst nur auf der Bank; Forsberg, Sabitzer, Burke und Werner bildeten die Offensivreihen. Bei Bayer fiel Jonathan Tah wegen Oberschenkelproblemen weiter aus. Stürmer Chicharito hat die gleichen Schmerzen und schaffte es ebenfalls nicht in den Kader. Ebenso nicht dabei waren Lars Bender (Sprunggelenks-OP) und Hakan Calhanoglu, der vom Sportgerichtshof CAS gesperrt ist. So trat Bayer mit der erwarteten Formation auf.

Fans

Das Leipziger Stadion war mit 42.558 Fans ausverkauft. Darunter auch ein besonders prominenter Gast: Bundestrainer Jogi Löw war zum zweiten Mal bei einer Partie von RBL. Aus Leverkusen waren etwa 2400 Anhänger mit nach Sachsen gereist. „Das ist eine stolze Zahl, das wird auch registriert von uns”, sagte Trainer Tayfun Korkut. Die Leverkusener Anhänger demonstrierten in Leipzig Traditionsbewusstsein und verwiesen per Plakat auf die Geschichte des Werksklubs: „Turn- und Spielverein der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. von 1904”. Nun ja.
Bei der Choreografie der Leipziger kurz vor Anpfiff tauchten die RB-Fans den Fansektor B in sieben Farben. Dazu plakatierten die Anhänger: „All colors are beautiful – All colors for Rasenball”.

Das lässt sich doppeldeutig interpretieren. Zum einen ist die Choreo die Leipziger Antwort auf die Farbenstadt Leverkusen. Im Hinspiel hatten die Ultras von Bayer 04 den Leipziger Mannschaftsbus mit Farbbeuteln beworfen. Später im Stadion hing das Plakat: „Willkommen in der Farbenstadt”. Zudem ist die Choreografie auch politisch zu verstehen, indem die Fans für RB Leipzig für eine bunte Kurve in jeglicher Hinsicht einstehen.

Spielverlauf und Analyse

Erste Hälfte:

Die im dritten Spiel der englischen Woche mit Oliver Burke und ohne Marcel Halstenberg und Yussuf Poulsen neu formierten Leipziger starteten höchst präsent in die Partie. Marcel Sabitzer (3.) sowie der agile Timo Werner nach Solo (7.) und per Schuss im Strafraum (9.) hatten die ersten guten Gelegenheiten der Partie. Kurz darauf probierte es Sabitzer aus spitzem Winkel, scheiterte aber erst an Bayer-Schlussmann Bernd Leno und danach an Verteidiger Ömer Toprak (10.).

Als sich die Leverkusener nach einer Viertelstunde besser sortiert hatten, gewannen auch die Gäste die intensiven Szenen im Mittelfeld mehr für sich und konnten gefährlich in und um den Strafraum der Leipziger herum kombinieren. Doch die einzige wirklich gefährliche Torgelegenheit dieser Phase für die Leverkusener wäre ein Schuss des starken Karim Bellarabi im Fünf-Meter-Raum gewesen. Doch Referee Robert Kampka entschied auf Abseits (24.).

So hatten die Leipziger, die in der ersten Hälfte etwa 55 Prozent Ballbesitz hatten und passsicher und robust agierten, die beste Chance des Spiels. Emil Forsberg spielte Doppelpass mit Oliver Burke und hatte genügend Zeit, um am Rande des Strafraums Maß zu nehmen. Doch der Schwede verzog seinen Schuss um Zentimeter neben den rechten Pfosten des Leverkusener Tores (28.).

Wenn Leverkusen gefährlich wurde, dann meist über die rechte Angriffsseite, wo Bernardo reichlich zu tun hatte, um Bellarabi in den Griff zu bekommen. In der 40. Minute verzog der Nationalspieler über den Kasten von Gulacsi. In der Schlussminute der ersten Hälfte wurde Bayer auch über Links durch Kevin Volland gefährlich, doch der Stürmer legte den Ball zu weit in die Strafraummitte zurück (45.). Eine intensive erste Hälfte, in der die Leipziger die besseren Chancen hatten, Leverkusen aber mit viel Engagement die Null hielt, sogar            etwas mehr als die Leipziger unterwegs war und gegen Ende stärker wurde.

Zweite Hälfte:

Auch in den zweiten 45 Minuten blieb die Partie heiß umkämpft, spannend und trotz der fehlenden Tore attraktiv. Bayer legte in den ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte weiter zu und wurde am Ball präsenter. Doch weil Leverkusen noch etwas höher stand und ein wenig mehr Ballbesitz hatte als zuvor, ergaben sich für die Leipziger Kontermöglichkeiten. Werner hatte drei gute Gelegenheiten, traf aber aus spitzem Winkel das Tor nicht (48.), scheiterte an Keeper Leno (62.) und verlor bei seiner größten Gelegenheit, als er allein auf das Bayer-Tor zulief, die Nerven und schoss über den Kasten (68.). Für die Leverkusener, die ebenso wie die Leipziger stark und leidenschaftlich verteidigten, hatten Kampl (Freistoß, 54.) und der eingewechselte Bailey (66.) Gelegenheiten.

In der Schlussphase versuchte RB weiter viel, doch der letzte Pass geriet zu ungenau, sodass keine großen Chancen mehr zustande kamen. Brandt hatte eine Schusschance für Bayer, die jedoch Gulacsi sicher hielt (82.).

Kurz vor Schluss musste Abwehrchef Willi Orban nach einem Foul an Kevin Volland mit Gelb-Rot vorzeitig den Platz verlassen (88.). Zu zehnt gelang dann das, woran die Leipziger zuvor mit elf Spielern gescheitert waren. Forsberg spielte einen Konter mit einem perfekten Pass auf den heranrutschenden Yussuf Poulsen zu Ende, der den Ball gerade noch so an den Innenpfosten ins Tor spitzelte (90.+3). Es war zwar erst der zweite Saisontreffer von Poulsen, doch ein ganz wichtiger in diesem knappen Spiel.

Ausblick

Rasenballsport darf am kommenden Samstag erneut zuhause ran und empfängt Mitaufsteiger SC Freiburg (15.30 Uhr). Bayer Leverkusen hat im Topspiel den designierten Meister Bayern München zu Gast (18.30 Uhr).

Statistik

RB Leipzig – Bayer 04 Leverkusen 1:0 (0:0)

Bayer 04 Leverkusen: Leno – Hilbert, Jedvaj, Toprak, Wendell (69. Henrichs) – Baumgartlinger, Kampl – Bellarabi (46. Bailey), Brandt (87. Kießling) – Havertz – Volland.

RB Leipzig: Gulacsi – Ilsanker, Orban, Compper, Bernardo – Keita, Demme – Sabitzer, Forsberg (90.+4 Kaiser) – Burke (73. Poulsen) – Werner (90.+1 Upamecano).

Tor(e): 1:0 Poulsen (90.+3, Forsberg); Torchancen: 9:4; Eckenverhältnis: 8:2; Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz); Gelbe Karten: Orban (4.) / Wendell (58.); Gelb-Rot: Orban (88.) Zuschauer: 42.558 Zuschauer in der Red-Bull-Arena Leipzig (ausverkauft). (mz)

Ömer Toprak (Bayer 04 Leverkusen) und Timo Werner (RB Leipzig) sind im Zweikampf.
Ömer Toprak (Bayer 04 Leverkusen) und Timo Werner (RB Leipzig) sind im Zweikampf.
imago sportfotodienst