RBL vor dem Schalke-Spiel

RB Leipzig vor Schalke-Spiel: Hasenhüttl: „Ein oder drei Punkte? Nicht so wichtig”

Leipzig - Das Wörtchen „sorgenfrei” haben sie bei RB Leipzig in der vergangenen Saison inflationär benutzt. Gefragt nach der Zielstellung hieß es stets, dass der damalige Neuling eine „sorgenfreie” Saison spielen wolle. Das bot reichlich Spielraum, Rang elf ließ sich darin ebenso einschließen wie die ...

Von Ullrich Kroemer
Wohin geht die Reise von RB Leipzig in der Bundesliga-Saison? Trainer Ralph Hasenhüttl mag so recht kein Saisonziel formulieren.
Wohin geht die Reise von RB Leipzig in der Bundesliga-Saison? Trainer Ralph Hasenhüttl mag so recht kein Saisonziel formulieren. imago sportfotodienst

Das Wörtchen „sorgenfrei” haben sie bei RB Leipzig in der vergangenen Saison inflationär benutzt. Gefragt nach der Zielstellung hieß es stets, dass der damalige Neuling eine „sorgenfreie” Saison spielen wolle. Das bot reichlich Spielraum, Rang elf ließ sich darin ebenso einschließen wie die Vize-Meisterschaft.

Vor dieser Saison haben Ralph Hasenhüttl & Co. eine ebenso dehnbare Vokabel noch nicht gefunden.

Vielmehr erklärte der RB-Trainer vor dem Bundesligaauftakt auf Schalke (Sa., 18.30 Uhr im Liveticker) wortreich, dass öffentlich überhaupt keine konkreten Ziele definiert werden. „Wir haben uns im vergangen Jahr nicht genau festlegen lassen, was sich für uns als Erfolg anfühlt und sind damit sehr gut gefahren, weil wir den Jungs keinen Rucksack aufsetzen wollen”, so der Österreicher.

RB Leipzig will nicht „die Handbremse ziehen“

So ließ sich der Chefcoach zwei Tage vor dem ersten Spiel nichts Konkretes entlocken. Stattdessen formulierte er die Erwartungen an sein Team allgemeiner. „Wir haben in der vergangenen Saison sehr viel Lob für unsere Spielweise bekommen. Das ist ein Auftrag, es noch besser zu machen, zu zeigen, dass wir mit dieser leidenschaftlichen Art und Weise von Fußball auch in höherem Rhythmus und mit mehr Belastung zurechtkommen”, forderte der 50-Jährige. „Wir haben nicht vor, die Handbremse zu ziehen. Wir werden Vollgas geben und mit aller Macht versuchen, Leidenschaft zu transportieren.”

Zwar könne man davon ausgehen, dass Spieler und Trainer ihre persönlichen Ziele hätten. Doch wie diese lauten, werden die Leipziger nicht verraten. „Starten wir erst einmal und dann sage ich nach der Saison, ob das gut war oder nicht”, sagte Hasenhüttl lachend.

RB Leipzig: Hasenhüttl dämpft Ansprüche vor dem Schalke-Spiel

Und auch für den Auftritt auf Schalke war Leipzigs Sympathieträger bemüht, den Druck von den Schultern seines jungen Teams zu nehmen. „Wir fahren nicht dahin und müssen aufgrund des zweiten Platzes der Vorsaison drei Punkte mit nach Hause nehmen”, stellte er klar. „Ich fahre dahin, weil ich mich erst einmal mit der Truppe zurechtfinden und wieder gut ’reinfinden möchte in diese Liga. Wir wollen schon Zählbares mitnehmen – ob das ein oder drei Punkte sind, ist Stand heute nicht so wichtig.”

Angesichts der Tatsache, dass Leipzigs Kader breiter und qualitativ besser geworden ist, und RB gegen Schalke auch in der Vorsaison zweimal das bessere Team war, war das dann doch eine bemerkenswert entspannte bis defensive Aussage. Das zeigt auch, wie sehr die Verantwortlichen das Team davor bewahren wollen, eine ganze Saison lang übersteigerten Ansprüchen und den Leistungen der Spielzeit zuvor hinterherzulaufen. 

RB Leipzig: Vorbild Leicester City in der zweiten Bundesliga-Saison?

So mahnte Hasenhüttl zu Demut und Konzentration gegen das Team des neuen Trainers Domenico Tedesco: „Taktisch wird das eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.” Der RB-Fußballlehrer erwartet „eine Kopfsache für unsere Jungs. Sie müssen hellwach sein und die einstudierten Abläufe gut übernehmen.”

Übrigens: In der Sommerpause hatte sich immerhin Sportdirektor Ralf Rangnick eine konkrete Ansage entlocken lassen. „Wenn wir nächste Saison dasselbe schaffen wie Leicester City in dieser Saison – dass wir also in der Champions League bis ins Viertelfinale kommen und in der Bundesliga am Ende Zehnter oder Elfter werden. Wenn mir das heute jemand garantiert, unterschreibe ich das sofort.“

Für die Königsklasse ein durchaus anspruchsvolles Szenario. Für die Liga wohl eher tiefgestapelt. Schließlich weiß Rangnick genau, dass es der Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb bedarf, um die begehrten Leipziger Kicker auch über die Saison hinaus in Leipzig zu halten. In dieser Saison wäre Rang elf eben nicht mehr „sorgenfrei”. Dazu sind die Erwartungen in Leipzig inzwischen zu hoch – mit oder ohne formuliertem Saisonziel. (mz)