RBL-Talent Dominik Franke

RB Leipzig: Talent Dominik Franke begeistert im Spiel gegen den FC Freiburg

Leipzig - RB Leipzig hat mit Dominik Franke talentierten Nachwuchs in die Bundesliga geholt. Nach der Teilnahme am Training stand er gegen den FC Freiburg und gegen Carl Zeiss Jena auf dem Platz.

Von Ullrich Kroemer
Dominik Franke und Dominik Kaiser stehen auf dem Platz.
Dominik Franke und Dominik Kaiser stehen auf dem Platz. imago sportfotodienst

Dominik Franke hat die Bundesliga-Partien von RB Leipzig bisher so mitverfolgt, wie viele andere RB-Begeisterte auch: die Heimspiele meist auf der Tribüne im Stadion; auswärts fieberte er daheim vor dem Fernseher mit. Doch seit zwei Wochen hat der 18-Jährige eine deutlich exklusivere Perspektive. Durch die Verletzungssorgen in der Viererkette rückte der Linksverteidiger der U23 der Leipziger in den Profikader und durfte von der Bank aus miterleben, wie sich das Überraschungsteam die Tabellenführung in der 1. Liga sicherte.

Plötzlich hießen die Gegner nicht mehr Auerbach und Luckenwalde, sondern Leverkusen und Freiburg. Deutlich über 20.000 statt 200 Zuschauer. „Man kriegt viel mehr mit, wenn man da unten sitzt. Man erlebt das Gefühl der Mannschaft und des gesamten Staffs mit”, berichtet Dominik Franke im Gespräch mit der MZ begeistert. „Es ist alles nochmal einen Tick intensiver und schöner, als wenn man von der Tribüne aus zuschaut. Ich habe das jetzt zwei Mal erlebt – ein tolles Gefühl.” Zwar sei Franke „hier und da etwas aufgeregt” gewesen. „Aber die Jungs haben das gut mit mir gemacht, haben mich sofort mit eingebunden”, sagt er.

Das Ziel von Dominik Franke war: „Im Männerfußball ankommen”

Der Linksfuß ist derzeit der Nachwuchsspieler bei Rasenballsport, der am dichtesten am Profikader dran ist. Andere wie etwa Gino Fechner oder die in Ungnade gefallenen Idrissa Touré und Vitaly Janelt hat er derzeit überholt. Aus einem Pool von Nachwuchsspielern, die für die vakante Position infrage kamen, hat sich Franke aufgedrängt. „Durch die guten Trainingsleistungen hat sich herauskristallisiert, dass die Wahl auf mich fällt und nicht auf einen anderen jungen Spieler”, sagt er. „Es hat mich riesig gefreut, nach dem ersten Training auch weiterhin dabei sein zu dürfen.”

Vor dieser Saison war noch nicht abzusehen gewesen, dass Franke diese Rolle einnehmen würde. Im Sommer war er nicht mit der Profimannschaft im Trainingslager im bayrischen Grassau dabei, sondern bereitete sich mit der Vertretung auf seine erste Spielzeit in der Regionalliga vor. „Mein Ziel in dieser Saison war es zunächst, überhaupt im Männerfußball anzukommen.” Mit Erfolg, denn Franke, der eigentlich noch in der U19-Junioren-Bundesliga spielen könnte, entwickelte sich in der vierten Liga zur Stammkraft. Der Teenager mit dem Bürstenschnitt – so ähnlich, wie ihn einst Radsprinter Erik Zabel trug – absolvierte alle zwölf Partien in dieser Saison über 90 Minuten hinweg.

RB Leipzig: Dominik Franke als rares Fußball-Talent aus der Region

Weil er sich nicht nur im Verein, sondern auch in der U19-Nationalmannschaft überdurchschnittlich rasch entwickelte, empfahl ihn U23-Coach Robert Klauß für das Training in der ersten Mannschaft. „Ich hatte vor der Saison gehofft, dass ich ein-, zweimal pro Woche bei den Profis mittrainieren darf, um mich zu zeigen und zu beweisen”, sagt Franke. Dieses Ziel hat er bereits übererfüllt. Dennoch liege sein Hauptfokus in dieser Saison weiter auf der U23. „Das, was ich bei den Profis zusätzlich mache, lerne ich nur dazu.” Nach seinem Kaderdebüt in der 1. Liga am Freitagabend stand er sonntags gegen Carl Zeiss Jena auf dem Platz.

Seine Wurzeln hat der talentierte Abwehrmann nicht wie viele andere RB-Talente in den alten Bundesländern, sondern in der Region – eine potenzielle Identifikationsfigur im Klub. Franke stammt aus dem kleinen Ort Stauchitz, wenige Kilometer von Riesa entfernt. Sein Talent wurde vom SC Riesa erkannt, wo auch sein Vater als Trainer tätig war. Nach einer Sichtung des DFB in Leipzig und mehreren Probetrainings schloss sich Dominik Franke 2011 der U14 von RB Leipzig an.

Dominik Franke von RB Leipzig und der „Traum vom Profifußball”

Seither wohnt er im Internat – seit Herbst 2015 in der neu errichteten Akademie am Cottaweg – und baut neben seinem aufregenden Karrierestart im Männerfußball sein Abitur am Sportgymnasium. „Klar, ist das ein fordernder Tagesablauf”, sagt er. „Aber das ist nun mal der Weg, um irgendwann mal den Traum vom Profifußball wahr werden zu lassen. Da muss man durch.” 

So eifert er seinen Vorbildern David Alaba, Jordi Alba und Marcel Halstenberg nach – allesamt Linksverteidiger wie er. Eine gute Position für Talente. „Sie spielen alle sehr offensiv, sind aber auch extrem zweikampfstark. Sie fügen Offensive und Defensive gut zusammen, finden das Gleichgewicht”, erklärt er.

Lob von RB.Leipzig-Cheftrainer Ralph Hasenhüttl und RBL-Nachwuchschef Frieder Schrof für Dominik Franke

Von den Verantwortlichen bei RB hört man nur Gutes über Franke – auch von höchster Stelle. „Er ist einer, der schnell lernt und versucht, sich dem Niveau anzugleichen”, lobt Cheftrainer Ralph Hasenhüttl. „Ein guter Junge, ich bin froh, dass wir ihn haben.” Nachwuchsleiter Frieder Schrof schätzt die starken athletischen Voraussetzungen seines Schützlings. „Er ist schnell, zweikampf- und kopfballstark und als Außenverteidiger nach vorne orientiert”, sagt Schrof, der auch Charakter und Einstellung des Talents hervorhebt. „Er ist fokussiert, wissbegierig und dazu bescheiden”, sagt Schrof.

Diesen Eindruck vermittelt Franke auch im Gespräch. Er wirkt realistisch und reflektiert, weiß, dass der Profifußball trotz aller Arbeit und allen Talents ein Traum bleiben könnte. „Je näher man dem Ziel kommt, denkt man natürlich darüber nach, dass man es tatsächlich schaffen könnte”, sagt er. „Aber man weiß es erst dann mit Gewissheit, wenn man wirklich dabei ist und oben im Geschäft angekommen ist.” Bis es soweit ist, hält er es mit der Maxime: „Vorbereiten, nachbereiten, Leistung zeigen – dann kommt alles nach und nach.” Gut möglich, dass Dominik Franke in der Zukunft noch eine weitere Perspektive auf den Bundesliga-Tabellenführer kennenlernt: die auf dem Spielfeld. (mz)