RBL schreibt Geschichte

RB Leipzig schlägt den FC Augsburg 2:1 und schreibt Bundesliga-Geschichte

Leipzig - RB Leipzig hat das sechste Spiel der Saison und die dritte Partie daheim gewonnen. Nicht wirklich klar, aber in der Summe der Ereignisse souverän. Die Leipziger besiegten nach 20 schwachen frühen Minuten den FC Augsburg 2:1. Die Tore schossen Emil Forsberg (11.), Dong-Won Ji (14.) und Yussuf Poulsen (57.). Leipzig bleibt damit weiter ungeschlagen und hat einen 47 Jahre alten Rekord gebrochen. Noch nie ist ein Neuling sechs Spiele hintereinander ungeschlagen ...

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel
Leipzigs Timo Werner, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen (v.l.) freuen sich über das 1:0 durch Forsberg.
Leipzigs Timo Werner, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen (v.l.) freuen sich über das 1:0 durch Forsberg. dpa-Zentralbild

RB Leipzig hat das sechste Spiel der Saison und die dritte Partie daheim gewonnen. Nicht wirklich klar, aber in der Summe der Ereignisse souverän. Die Leipziger besiegten nach 20 schwachen frühen Minuten den FC Augsburg 2:1. Die Tore schossen Emil Forsberg (11.), Dong-Won Ji (14.) und Yussuf Poulsen (57.). Leipzig bleibt damit weiter ungeschlagen und hat einen 47 Jahre alten Rekord gebrochen. Noch nie ist ein Neuling sechs Spiele hintereinander ungeschlagen gewesen.

Ausgangslage

Fünf Spiele, zwei Siege, drei Remis – und plötzlich ist RB Leipzig im dritten Heimspiel der Saison Favorit gewesen gegen den FC Augsburg. Nicht nur der Tabelle wegen, die bayerischen Schwaben waren vor Anpfiff Elfter, RB Siebter. Sondern weil der fulminante Start der Neulinge aus Leipzig den Kontrahenten in der Liga vor Augen geführt hat, dass der von Red Bull alimentierte Verein kein gewöhnlicher Aufsteiger ist. FCA-Trainer Dirk Schuster freilich wird’s Recht gewesen sein, der gebürtige Chemnitzer kämpft nach eigener Aussage diese Spielzeit ohnehin in so ziemlich jeder Partie gegen den Abstieg. Also lag der größere Druck auf der Gegenseite. RB-Coach Ralph Hasenhüttl warnte deshalb davor, die Ausgangslage nicht zu überschätzen. „Das wird ein sehr schweres Spiel für uns“, sagte der Österreicher, „genauso schwer wie gegen Dortmund.“ Immerhin: Das Spiel gewann RB mit 1:0.

Personal

War einfach dieses Mal für Hasenhüttl, die erste Garde zu stellen. Ein Blick auf den Gegner, vor Augen geführt, dass sich der FCA tief zurückziehen würde, und die Feinfüße des Leipziger Kaders boten sich für den Partie-Start praktisch von allein an. Emil Forsberg spielte also das erste Mal in dieser Spielzeit zusammen mit Naby Keita in einer zentralen Linie im Mittelfeld und vor der Abwehr. Ansonsten vertraute Hasenhüttl seinen Stammkräften. Weichen musste für die offensive Aufstellung allerdings erstmals der Sechser Stefan Ilsanker. Wieder im Kader war nach seiner Knieprellung Kyriakos Papadopoulos. Verletzungsbedingt fehlte nur Lukas Klostermann (Kreuzbandriss).

Auch Schuster hatte wenige Probleme, seine Startelf zu ermitteln. Allerdings unter anderen Vorzeichen. Ihm fehlten verletzungsbedingt die Leistungsträger Caiuby (Knöchelbruch), Bobadilla (Sehnenriss in der Schulter), Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Wadenbeinbruch) und Jan Moravek (ohne Angabe von Gründen).

Fans

Der erste Herbsttag des Jahres ließ die 35.000 Menschen im Stadion ungewohnt frösteln. Die Stimmung war gut, aber ausgelassen ist sie lange nicht gewesen. Was am Wetter, am Gegner und auch an dessen Fans lag. 600 Augsburger waren angekündigt trotz Boykotts, 100 kamen. Sie saßen still auf ihren Plätzen. Es musste erst Martin Hinteregger an den Ball kommen, dann wurde es laut. Der frühere Salzburg-Profi hat es sich mit seiner Kritik an den angeblichen Plünderungen im Kader des österreichischen Ablegers mit den Leipzigern verscherzt. Und Ralf Möller musste ans Halbzeitmikrofon, um die Leipziger zu wärmen. Der Schauspieler verpönte die Anfeindungen gegnerischer Fans gegenüber dem Red-Bull-Klub. Applaus und Jubel folgte seinen Worten, ehe in der 60. Minute der Fanblock B die Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit Spruchbändern warben die Fans für einen Verbleib im 60 Jahre alten Zentralstadion. 

Spielverlauf und Analyse

Hasenhüttl behielt Recht. Das Spiel gegen den Gegner ist kein Favoriten-Selbstläufer gewesen. Im Gegenteil, in den ersten Minuten waren die Rollen vertauscht. Augsburg ließ den Ball One Touch laufen und spielte RBs umformierter Startelf Knoten in die Beine. Bereits in der 3. Minute schob Philipp Max eine Hereingabe von Ja-Cheol Koo mit der Brust knapp am Pfosten vorbei.

Augsburg stand wider Erwarten hoch, seine Mittelfeldreihe mit Koo, seinem koreanischen Landsmann Dong-Won Jin und Daniel Baier bewegte sich clever zwischen den Leipziger Sechsern und der Viererkette und verursachte große Nervosität bei den Gastgebern. Nur im Spiel nach vorn war bei RB zu merken, dass mit Keita und Forsberg zwei edle Techniker auf dem Platz waren. Der Ball lief gut in Räume und Kollegenbeine – und aus dem Nichts stand es 1:0. Sabitzer hatte von der Strafraumgrenze abgezogen, Augsburgs Keeper Marvin Hitz ließ prallen, Forsberg direkt vor die gewitzten Füße, der Schwede traf aus spitzem Winkel. Es war sein zweites Saisontor und das 500. der Vereinsgeschichte.

Den Gegner ausgezuckt

Beruhigte das den Gastgeber endlich? Nein. RB blieb hinten weiter unsortiert, Augsburg ließ den Ball klug kreiseln, drei Minuten später lag er in Peter Gulacsis Netz. Koo hatte vom Strafraumeck den Ungarn mit einem Bananenball überwunden.

Zu diesem Zeitpunkt sah das nicht gut aus für den Neuling. Aber die Leipziger fingen sich. Sie verschlossen jetzt die Räume hinten besser und rissen sie vorne auf. In der 25. Minute köpfte Werner einen Ball an den Querbalken, in der 41. Minute schloss Forsberg eine Stafette mit einem präzisen Schuss ab, Hitz aber hatte die Fingerspitzen dran, in der 43. Minute schoss Timo Werner dem Augsburger einen Doppelpassball (mit Yussuf Poulsen) in die Beine.

So gingen die Gäste in die Kabine. Mit der gleichen Verve kamen sie wieder heraus. Und postwendend stand es 2:1. Marcel Sabitzer passte auf Poulsen, der zuckte kurz seinen Gegner aus, zog einen Sprint an und wuchtete den Ball aus sieben Metern unters Tordach (53.).

Fortan verlief die Partie wie im Lehrbuch. Augsburg musste aus der Deckung, Leipzig lauerte und konterte. Die Gegenstöße aber endeten in großer Zahl in Hitz’ Armen. In der 61. Minute schoss Werner noch drüber, sechs Minuten später bekam Hitz den nächsten Werner-Schuss zu fassen, in der 71. Minute hielt er einen Bernardo-Kopfball, in der 88. Minute traf Poulsen das Außennetz.

Augsburg war zu diesem Zeitpunkt eigentlich erledigt. Aber sie hatten ihre eine Chance noch, Alfred Finnbogason aber zielte ungenau und Gulacso genau in die Hände. Dann war es vorbei. Und amtlich: Dritter Sieg im sechsten Spiel – und ein Startrekord für die Vereinsannalen. Noch nie ist ein Neuling in der Bundesligageschichte sechs Spiele en suite ungeschlagen gewesen.

Ausblick

Beide Vereine pausieren in den kommenden knapp zwei Wochen Länderspielbedingt. Danach geht es für RB Leipzig am Sonntag (16.10., 17.30 Uhr) nach Wolfsburg. Der FC Augsburg muss einen Tag früher daheim gegen Schalke 04 ran (15.30 Uhr). Das Spiel wird ein Wiedersehen mit dem langjährigen FCA-Trainer Markus Weinzierl, der vor der Saison zum Gegner gewechselt ist.

RB Leipzig - FC Augsburg

RB Leipzig – FC Augsburg 2:1 (1:1)

RB Leipzig: Gulácsi – Bernardo, Orban (C), Compper, Halstenberg – Demme (89. Ilsanker), Keita – Sabitzer, Forsberg (80. Kaiser) – Werner (87. Burke), Poulsen.

FC Augsburg: Hitz – Verhaegh (C), Gouweleeuw, Hinteregger, Stafylidis – Kacar (85. H. Altintop), Baier – Ji, Koo (78. Teigl), Max (66. Schmid) – Finnbogason.
Tor(e): 1:0 Forsberg (11., Sabitzer, Abpraller Hitz), 1:1 Ji (14., Baier) 2:1 Poulsen (52., Sabitzer); Torchancen: 11:3; Eckenverhältnis: 6:3 Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover); Gelbe Karten: - / Koo (26.), Kacar (53.), Hinteregger (84.); Zuschauer: 35.721 in der Red-Bull-Arena Leipzig

Der Augsburger und frühere RB Spieler Georg Teigl (l.) unterhält sich mit Leipzigs Diego Demme.
Der Augsburger und frühere RB Spieler Georg Teigl (l.) unterhält sich mit Leipzigs Diego Demme.
dpa-Zentralbild
Leipzigs Yussuf Poulsen (l) und Augsburgs Martin Hinteregger kämpfen um den Ball.
Leipzigs Yussuf Poulsen (l) und Augsburgs Martin Hinteregger kämpfen um den Ball.
dpa-Zentralbild