RB Leipzig

RB Leipzig: Ralf Rangnick präsentiert drei Neuzugänge bei Pressekonferenz

Leipzig - RB Leipzig-Trainer Ralf Rangnick stellte in einer Pressekonferenz die Neuzugänge Bernardo Fernandes da Silva Junior, Oliver Burke und Kyriakos Papadopoulos vor.

Von Martin Henkel
Bernardo Fernandes da Silva Junior lächelt im Trainingszentrum von RB Leipzig bei der Pressekonferenz.
Bernardo Fernandes da Silva Junior lächelt im Trainingszentrum von RB Leipzig bei der Pressekonferenz. dpa-Zentralbild

Herrlich war dieser Tag. Die Sonne schien, der Himmel war blau. Und Ralf Rangnick durfte seine Zugänge fünf, sechs und sieben vorstellen. Vieles macht der Sportdirektor von RB Leipzig gern, und das am liebsten: Spieler präsentieren, die er aus dem Markt gefischt hat, was nicht einfach ist für Rangnick, schließlich hat sich der Bundesliga-Neuling Grenzen gesetzt. Nicht unbedingt beim Kaufpreis, aber beim Alter und Gehalt: nicht älter als 23 und nicht mehr als drei Millionen Euro Gehalt pro Jahr.

Und so saßen sie beisammen am Dienstagnachmittag, Ralf Rangnick auf seinem Stuhl und im Wechsel neben ihm Bernardo, Oliver Burke, Kyrgiakos Papadopoulos. Rangnick strahlte dabei wie nicht an einem Tag in den Wochen zuvor, als der Eindruck aufkam, dass der Kader in der Tiefe nicht ganz die Bundesligatauglichkeit besitzt, wie vom Verein behauptet. Und Rangnick die Zeit wegzulaufen schien, das zu ändern.

Aber ist ja alles gut gegangen. Drei sind es kurz vor Transferschluss am 31. August noch geworden. Und alle von Freude erregendem Kaliber.

Bernardo (Fernandes da Silva Junior), 21

Kam vom österreichischen Meister Red Bull Salzburg, keine Angaben zur Ablöse

Bernardo saß als erster auf dem Podium, und verdichtete den Eindruck, dass er zwar Brasilianer ist, aber eher von anderem Schlag als so mancher Fußballspielende Landsmann. Er spricht fließend Englisch und ist ein Akademie-Spieler reinster Sorte, spielte bei Red Bull Brasil, spielte eine Partie beim FC Liefering, wurde sogleich zum Mutterverein Red Bull Salzburg weitergereicht, dann klopfte RB Leipzig einen Tag nach der verpassten Champions-League-Qualifikation an – und jetzt spielt Bernardo eben in Mittelsachsen. „Weil das Sinn ergibt, hier kann ich den nächsten Karriereschritt machen.“

Wie bei vielen anderen RB-Zugängen sind vor allem die Ausbildungsbedingungen und die Potenz des Leipziger Klubs ausschlaggebend für seinen Wechsel gewesen. „Das war der nächste logische Schritt. In Salzburg war alles 4.5 Sterne, hier ist alles five Star, fünf Sterne.“ Der multipel einsetzbare Defensivspezialist will so schnell wie möglich in die Stammelf, für das Spiel gegen den BVB sei er fit, sagte er, klar, er war ja schon mit Salzburg im Wettkampfmodus. Generell will er was reißen mit RB, und holte sich für diese tadellos vorgetragene Einstellung das Lob von Rangnick ab. „Schon wie er redet, da merkt man, dass Bernardo auch was zwischen den Ohren hat.

Er studiert übrigens Journalismus“, sagte der Sportdirektor. Sollte heißen, er ist clever genug, dass taktisch raffinierte Spiel von RB mitzugestalten. Und clever genug, seine Chance am Kragen zu packen. Um dann doch einer zu werden wie ein paar Bundesliga-Landsmänner vor ihm. Unausgesprochen stand im Raum: Hier sitzt der neue Edel-Brasilianer.

Oliver Burke, 19

Kam vom englischen Zweitligisten Nottingham Forest, kostete 15,5 Millionen Euro

Der Schotte ist schon zwei Tage da und hatte vor seiner Vorstellung bereits erste Einblicke in seinen Transfer, und was das für ihn bedeute, gewährt. Rangnick klopfte vor kurzem an, lud ihn nach Leipzig ein: Alles deluxe, top, excellent, Transfer geht klar, und fertig war der erste Wechsel eines Schotten in den Leipziger Fußball. Und sonst so: Leipzig vorher unbekannt, aber er sei zum Lernen hier. „Ich will mich entwickeln.“

In der Essenz hat Burke das am Mittwoch wiederholt, aber ausführlicher. Der junge Schotte hat kein junges Gemüt, sondern eher schon das Selbstvertrauen eines Mittzwanzigers. Warum Leipzig? "Weil das hier das beste Klubgelände und Trainingszentrum ist, das ich bisher zu Gesicht bekommen hab.“ Warum kein Premier-League-Klub? „Weil mich Leipzig überzeugt hat, dass ich hier vor allem wachsen und mich entwickeln kann.“ RBs gutes, altes Argument: Komm, wir veredeln dich.

Anderthalb Tage ist Burke vor kurzem inkognito in Leipzig gewesen, hat sich alles angeschaut und dann beim Handshake zum Abschied gesagt: Ich komme! „Ich hab da auch gar nicht an meinen Vertrag gedacht, das war mir in dem Moment egal.“

In England hätte er mehr verdienen können, zigfach mehr, wo Burkes Name zuletzt immer wieder im Zusammenhang mit dem großen Waliser Gareth Bale von Real Madrid fiel. Auch Offensive, auch Flügel, auch groß, schnell, technisch versiert. „Aber ich bin erst 19, mich interessiert das Geld nicht. Ich will ein großer Fußballer werden.“ Bale, Ronaldo, Messi, so was in der Art. „Und wenn man ein guter Fußballer ist, dann kommt zu einem auch das Geld.

Bis dahin aber RB Leipzig. Dass er der teuerste Transfer der jungen Klubgeschichte ist, „macht mir keinen Druck.“ Geht es nach ihm, spielt er schon am Samstag gegen den BVB. Ist er fit? „Ich bin so was von fit!“. Ein Lächeln, und dann noch eines für die Frage nach seiner Frisur. Burke trägt eine Art Pudelschnitt, sieht man selten. „Na ja, ich mag es eigenwillig. Aber eigentlich ist meine Frisur nicht wichtig. Ich lasse meinen Fußball sprechen.“

Kyrgiakos Papadopoulos, 24

Kam auf Leihbasis von Bayer Leverkusen, Summe unbekannt, es heißt aber, Bayer und der Grieche hätten Abstriche gemacht

Kyrgiakos Papapopoulos ist von einer Gestalt, da denkt man zwangsläufig an Sandalenfilme aus den Siebzigern. Helm auf, Kinn vorgestreckt, kurzer Waffenrock, Schnürsandalen bis zu den Knien, Speer, Schild - und rauf aufs Schlachtfeld. So in etwa wird auch Ralf Rangnick seinen Leiherwerb vor sich gesehen haben, als der Wechsel sich anbahnte.

Er nannte Papadopoulos einen „Krieger“. So einen habe man gesucht, „der wird der Mannschaft gut tun, gerade in der Bundesliga brauchst du solche Spieler.“ Papadopoulos selber hat weniger gesprochen. Im Substrat: „Ich will hier Gas geben.“ Und: „Ich bin vor allem Ralf Rangnicks wegen hier.“

Beide kennen sich, seit Rangnick Trainer auf Schalke war und „Papa“ sein erst 19 Jahre alter Innenverteidiger. Rangnick hat viel vom „Papa“ aus dieser Zeit erzählt, vom Talent, von der Passquote, vom Zweikampfverhalten. Ganz nebenbei hat er die Altersgrenze für RB-Transfers kassiert. „Das weiß ja jeder, dass wir keine Spieler holen, die älter als 24 sind. Deshalb passt der Papa gut zu uns.“ Zuvor hatte es noch geheißen, 23 sei die Grenze.

Aber egal, Rangnicks Ode an den Griechen nahm dieser kriegerisch und hin und wieder mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Aber ja keine Emotionen zeigen. Auf die Frage nach dem Gegner vom Samstag, immerhin der BVB, der Vizemeister, sagte Papadopoulos einen Satz, den man sich in Leipzig merken kann. Er wird vielleicht alsbald zum Leitmotiv. „Ich rede nicht gern über den Gegner, haben wir nicht nötig. Wir schauen nur auf uns und sehen zu, dass wir die drei Punkte mitnehmen.“ (mz)