Proteste gegen Montagsspiel

RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt: Warum RB dem Montagsspiel viel Gutes abgewinnen kann

Leipzig - Warum RB Leipzig dem Montagsspiel gegen Eintracht Frankfurt vile Gutes abgewinnen kann.

Von Martin Henkel
Montagsspiele sind aufgrund der nur wenige Jahre zurückliegenden Spielzeit in Liga zwei für RB-Coach Ralph Hasenhüttl kein Problem: „Das ist nichts Ungewöhnliches“.
Montagsspiele sind aufgrund der nur wenige Jahre zurückliegenden Spielzeit in Liga zwei für RB-Coach Ralph Hasenhüttl kein Problem: „Das ist nichts Ungewöhnliches“. imago sportfotodienst

Jetzt auch noch das! Nicht nur erstreckt sich der gute, alte Bundesspieltag bereits vom Freitag bis zum Sonntag. Jetzt kommt auch noch der Montag hinzu. Diese Woche ist es soweit: RB Leipzig und Eintracht Frankfurt duellieren sich erstmals zu Wochenbeginn.

Anstoß ist 20.30 Uhr, gespielt wird in der Bankenstadt am Rhein, was der ohnehin kritisch beäugte Partie weitere Brisanz verleiht. Denn Fußball in Frankfurt, das korrespondiert weniger mit dem Flair seiner Finanzinstitute, sondern eher mit der ebenso guten, alten Gegenkultur, für die die Metropole seit den 68iger-Revolten ebenfalls bekannt ist. Und für diese Gegenkultur ist der Montag eine reine Zumutung.

Von wegen Schutz des Amateurfußballs am Sonntag und dem der donnerstags spielenden Europa-League-Teilnehmern! Mit diesen Argumenten hatte sich die Fußballliga mit den Vereinen auf den neuen Spieltag geeinigt. Vier weitere Montagspartien sollen folgen, die Übereinkunft ist bis 2021 wirksam.

RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt: Protest und Gegenwehr gegen Montagsspiel

Die aktive Fanszene der Eintracht sieht die Gründe dafür freilich wo ganz anders. Kohle und Kommerz seien ausschlaggebend für eine Ausweitung der Vermarktungszone.

Also: Protest und Gegenwehr. „Wir haben nicht vor, der DFL als stimmungsvolles Klatschvieh eine farbenfrohe und lautstarke Kulisse zu liefern und so die wirksame Vermarktung ihres Produkts Bundesliga zu ermöglichen“, hieß es unlängst in einer Erklärung der Fanclub-Vereinigung „Nordwestkurve Frankfurt“.

Wie sie dagegen vorgehen will, ist Verschlusssache. Dass aber auch noch der verhasste „Kommerzklub“ RB vorbeischaut, steigert die Erregung angeblich bis hin zu Überlegungen, den Platz zu stürmen.

Montagsspiel Rasenballsport Leipzig gegen Eintracht Frankfurt: Bitte keine Gewalt und Pyrotechnik

Leipziger Ballbesitze sollen zudem mit Pfiffen begleitet werden, die der SGE hingegen mit Schweigen. Und Transparente wie Banner, die sind ohnehin Standard.

Bei der Eintracht findet man das okay. Sich dagegen aufzulehnen, sei legitim, findet Vorstandsmitglied Axel Hellmann, denn „Montagsspiele greifen massiv in die Kultur unserer Fans ein“.

Nur eine Bitte: keine Gewalt, keine Pyrotechnik. Solange das kritisch und friedlich bliebe, so Hellmann, „solange müssen wir das im Fußball aushalten können.“

RB Leipzig bei Eintracht Frankfurt: Montagsspiele für Rote Bullen nichts Ungewöhnliches

Tatsächlich? In Leipzig verfolgt man die Debatte mit Erstaunen. Gemocht wird der Montag auch hier nicht. Fans müssen mindestens einen Tag Urlaub nehmen, man kommt am Abend auch nicht mehr mit der Bahn weg. Aber deshalb boykottieren? Knapp 500 Auswärtsfahrer haben Karten gekauft, ein Teil reist mit dem Auto an, ein Teil mit gecharterten Bussen.

Neu sind Montagabendspiele nämlich nicht. Bis Sommer 2016 hat RB zwei Jahre in Liga zwei gespielt. So wie auch die Eintracht 2011/2012. „Das ist für die also auch nichts Ungewöhnliches“, sagte Coach Ralph Hasenhüttl am Sonntag.

Der Österreicher hat selbst zu lange im Unterhaus gecoacht, um sich die Sicht der Fans zu eigen zu machen. Trainer zu sein, sei sein Job, sagte der 50-Jährige. An welchen Tagen „ist mir gleich“.

RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt: Ausgeglichenes Kräfteverhältnis

Zudem spielt RB Europa League. Das 3:1 gegen Neapel am Donnerstag hat Kraft gekostet, „wir sind deshalb nicht traurig darüber, einen Tag länger für die Erholung zu haben.“  

Denn die Partie bei der formstarken Eintracht ist alles andere als eine Spazierfahrt. Nicht einmal annähernd, auch wenn die Oberhausbilanz mit zwei Siegen und einem Remis für RB spricht.

Beide Klubs sind mit vier Pflichtspielsiegen in die Rückrunde gestartet. Die Kräfteverhältnisse seien also pari, sagt Hasenhüttl, dem kein Spieler nach der Neapel-Reise verletzt von der Fahne gegangen ist. „Das wird deshalb ein Spitzenspiel, das von Kleinigkeiten entschieden wird.“ Unter normalen Umständen jedenfalls. (mz)