Topspiel-Niederlage

RB Leipzig findet im FC Bayern seinen Meister

München - Münchner Lehrstunde für die Musterschüler: Aufsteiger Leipzig ist beim FC Bayern chancenlos. RB-Offensivmann Emil Forsberg fliegt früh vom Platz.

Von Ullrich Kroemer
Xabi Alonso lässt Peter Gulacsi im Tor von RB Leipzig keine Chance
Xabi Alonso lässt Peter Gulacsi im Tor von RB Leipzig keine Chance imago sportfotodienst

RB Leipzig wollte die Münchner Allianz-Arena zum „Funkeln und Glitzern“ bringen. Das hatten zumindest die RB-Fans für die Spitzenpartie beim FC Bayern München angekündigt. Und auch die elf Leipziger auf dem Rasen wollten gegen den FC Bayern München Glanzpunkte setzen.

Doch es blieb beim Funkeln auf den Rängen. Die 7.500 Fans reckten Tausende Goldfolien in die Höhe und unterstützten lautstark. Doch die Folien sahen von weitem aus wie Rettungsdecken, die man den Leipzigern auf dem Platz am liebsten übergelegt hätte.

Höchste Niederlage seit Unterhaching 

Denn der gefeierte Neuling fand im FC Bayern München seinen Meister – vielleicht im wahrsten Sinne der Worte. Rekordaufsteiger Rasenballsport kam beim Rekordmeister regelrecht unter die Räder, verlor das Duell um die Wintermeisterschaft mit 3:0 (3:0) – inklusive Roter Karte und Elfmeter.

Zuletzt hatte RB so hoch vor einem Jahr im DFB-Pokal gegen Unterhaching verloren. „Die Niederlage war auch in dieser Höhe verdient“, musste Leipzigs Kapitän Willi Orban bei Sky gestehen. „Wir hatten uns viel vorgenommen, aber es ist nicht das Spiel geworden, das es werden sollte.“

RB wirkte schon in der Startphase nicht so selbstsicher und dominant wie gewohnt, so dass die Hausherren immer mehr an Ballbesitz zulegten. Vor allem über die Flügel brachte Douglas Costa Unsicherheit in die wenig kompakte Leipziger Defensivformation.

„Wir waren gerade am Anfang nicht bereit, alles auf den Platz zu bringen“

Nach einer unglücklichen Aktion von Torhüter Peter Gulacsi (13.) erhöhten die Bayern den Druck weiter, und hatten das Glück, dass die erste echte Chance im Tor landete. Wieder riss der FCB eine Lücke in den löchrigen Defensivverbund, diesmal durch Kapitän Philipp Lahm. Robert Lewandowski traf erst den Pfosten, Thiago vollendete den Abpraller zum 1:0 (17.).

„Wir waren gerade am Anfang nicht bereit, alles auf den Platz zu bringen“, bilanzierte Leipzigs Stürmer Yussuf Poulsen. Sein Trainer Ralph Hasenhüttl sprach sogar von „einer Lehrstunde“ für den Aufsteiger. Bayern kombinierte nach Belieben, hatte in der ersten Hälfte 63 Prozent Ballbesitz. RBL war überfordert von Geschwindigkeit und technischem Vermögen des Millionenensembles.

Immer wieder ließen sich die Leipziger in der letzten Linie überspielen, verloren durch leichtsinnige Ballverluste komplett die Kontrolle. Auf dem Papier war es das Spiel zwischen Erstem und Zweitem. Doch auf dem Platz lagen Welten zwischen beiden Teams. Die Bayern zeigten eindrucksvoll, dass sie und nicht etwa der Herausforderer der Branchenprimus sind.

„Wir wollten ein Ausrufezeichen setzen - das ist uns gelungen"

Nach einem weiteren Pfostentreffer durch Costa (18.) war es Xabi Alonso, der auf 2:0 erhöhte (25.). Zuvor hatte der Spanier den Ball nach einem Fehler von Keita wie im Training von Lewandowski und Thiago in den Strafraum serviert bekommen. Willi Orban hatte mit einer Kopfballgelegenheit nach einer Forsberg-Ecke die größte Chance für Rasenballsport, doch Neuer entschärfte (29.) gekonnt.

Als kurz darauf in Lahm wieder einmal ein Spieler einsam in Richtung Leipziger Tor eilte, grätschte der sonst so technisch versierte Emil Forsberg dem „kleinen Capitano“ in Holzfäller-Manier frustriert von hinten in die Beine – eine klare Rote Karte (30.). Edeltechniker Forsberg schritt zeternd in die Kabine. Lahm akzeptierte die Entschuldigung des Schweden nicht.

Eine Viertelstunde später konnte Gulacsi den flinken Costa an der linken Strafraumecke nur mit einem Foul stoppen. Lewandowski verwandelte den Strafstoß zum 3:0 (45.). In der zweiten Hälfte hatte München weitere Chancen. „Wir wollten ein Ausrufezeichen setzen“, erklärte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. „Das ist uns gelungen.“

Ralph Hasenhüttl sah trotzdem das Positive: „Ich bin stolz darauf, was die Mannschaft in dieser Saison bislang geleistet hat“, sagte Leipzigs Trainer. „Wir haben 36 Punkte geholt und bekommen jetzt auch keinen abgezogen, weil wir hier heute verloren haben.“