Neuer RB Leipzig-Trainer

RB Leipzig erwartet große Erfolge mit Trainer Ralph Hasenhüttel

Leipzig - Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war kurz für Oliver Mintzlaff. Um Mitternacht hatten sich RB Leipzig und der FC Ingolstadt grundsätzlich über den Transfer von Trainer Ralph Hasenhüttl verständigt.

Von Ullrich Kroemer
Große Erwartungen: Ralph Hasenhüttl übernimmt in Leipzig.
Große Erwartungen: Ralph Hasenhüttl übernimmt in Leipzig. imago sportfotodienst

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war kurz für Oliver Mintzlaff. Um Mitternacht hatten sich RB Leipzig und der FC Ingolstadt grundsätzlich über den Transfer von Trainer Ralph Hasenhüttl verständigt. Mintzlaff und seine Mitstreiter auf der einen sowie Ingolstadts Sportdirektor Thomas Linke auf der anderen Seite tauschten per Mail und Telefon Vertragsentwürfe aus. Die letzten (Ablöse-)Modalitäten wurden erst am Freitagvormittag geklärt.

Die Tinte war kaum trocken, als Mintzlaff und Ralf Rangnick bei der nachmittäglichen Pressekonferenz von RB Leipzig die frohe Kunde überbrachten, dass Hasenhüttl bis 2019 beim designierten Bundesligisten unterschrieben hat.

Perfekte Verstärkung für RB

Zwar präsentierte sich Mintzlaff nach den „zähen und mühsamen“ Verhandlungen recht schmallippig, knapp und sachlich. Und auch Ralf Rangnick – noch für zwei Spiele Trainer und danach wieder ausschließlich Sportdirektor – war ob der Besetzung der wichtigsten Personalie im Verein nicht sonderlich euphorisch. Doch die Verpflichtung des Überraschungstrainers der laufenden Bundesliga-Saison ist ein Glücksfall und wichtigste Personalie für RB. Denn der gesuchte Trainer scheint aufgrund seiner Spielphilosophie und Führungsstärke sowie als kommunikativer Typ mit der Gabe, Menschen zu emotionalisieren, eine perfekte Verstärkung für Rasenballsport zu sein.

„Seine sportliche Bilanz spricht für sich, viel mehr geht nicht“, lobte Ralf Rangnick. „Dazu ist er jemand, der einen engen und guten Draht zu seinen Mitarbeitern und Spielern hat – das ist spür- und sichtbar, wenn man die Mannschaft spielen sieht. Und er hat genügend Durchsetzungsvermögen, um seine Sichtweise von Fußball durchzudrücken.“

Rotation im RB-Trainerteam

Mintzlaff gab preis, dass Hasenhüttl bereits in der vergangenen Saison „ein Thema für uns war“. Damals habe sich der 48-Jährige noch „klar entschieden, in Ingolstadt weiterzumachen“. Nun, berichtete Mintzlaff, „haben wir uns zu einem relativ späten Zeitpunkt entschieden, die Gespräche nochmal aufzunehmen“. Seit dem Ende der geplatzten Verhandlungen mit Markus Weinzierl Ende März, Anfang April setzte Rasenballsport dann voll auf das Pferd Ralph Hasenhüttl. Anders als bei Thomas Tuchel vor Jahresfrist mit Erfolg.

Entscheidend dabei war auch, dass Rangnick und Hasenhüttl bereits seit zwei Jahren in losem Austausch stehen und voneinander wissen, wie sie ticken. „Ich war mir relativ früh und schnell sicher, dass er hervorragend zu uns passen wird“, sagte Rangnick. Umgekehrt muss das ebenso der Fall gewesen sein, denn Hasenhüttl hatte wohl auch weitere Angebote aus der ersten Liga, präferierte aber dennoch RB. „Dass er sich trotzdem für uns entschieden hat, zeigt auch, dass in den vergangenen Monaten sowas wie ein Vertrauensverhältnis entstanden und gewachsen ist“, sagte Rangnick.

Das wird auch dadurch dokumentiert, dass RB  weiterhin beinahe komplett auf den eigenen Stab setzen kann. Lediglich Co-Trainer Achim Beierlorzer wechselt als U-19-Trainer und sportlicher Leiter in den Nachwuchsbereich – eine starke Position des Vereins.

Rekordablösesumme eingestellt

Diese hat RBL auch bei der Verhandlung über die Ablösesumme für Hasenhüttl durchgedrückt. Laut MZ-Informationen einigten sich beide Klubs auf 1,5 Millionen Euro fixe Ablöse sowie Zuschläge von etwa einer halben Million Euro, falls RBL in den kommenden drei Jahren die Qualifikation für europäische Wettbewerbe gelingt. Damit wurde die bisherige Rekordablöse für Trainer in der Bundesliga eingestellt.

Für Roger Schmidt hatte Bayer Leverkusen 2014 1,5 Millionen an Red Bull Salzburg gezahlt – damals noch vertreten durch Ralf Rangnick. Der sagte nun: „Wir sind von unseren Vorstellungen nicht wirklich abgewichen, haben am Ende des Tages ein Ergebnis, das wir als sehr fair erachten, aber wir haben auch keine neuen Dimensionen für Trainerablöse eröffnet.“

Bleibt die Frage, weshalb RBL die medial alles beherrschende Personalie vor dem Aufstiegs-Endspiel am Sonntag gegen den Karlsruher SC bekanntgab. Der Grund: Ingolstadt will seinen Aufstiegstrainer würdig und medienwirksam am Samstag im Rahmen des letzten Saison-Heimspiels gegen den FC Bayern verabschieden. Dafür bekannte sich Hasenhüttl auch im Falle eines Nichtaufstiegs zu RB, sein Vertrag gilt auch für Liga zwei.

„Da klar war, dass er so oder so unser neuer Cheftrainer wird, gab es keinen Grund mehr, das Ganze weiter hinterm Berg zu halten“, sagte Rangnick. „Wir hoffen alle miteinander, dass Ralph Hasenhüttl hier einen Erstligisten als Trainer übernehmen wird.“