RBL in Hoffenheim

RB Leipzig bei der TSG 1899 Hoffenheim: Bundesliga-Premiere fast ohne Neuzugänge

Leipzig - Im Vergleich zum Pokalspiel bei Dynamo will Hasenhüttl „etwas zurechtrücken”. Doch trotz der zweifelsfrei vorhandenen Qualität des bestehenden Kaders braucht RB Leipzig noch weitere Verstärkungen.

Von Ullrich Kroemer
Der zehn Millionen-Mann Timo Werner läuft über das Spielfeld.
Der zehn Millionen-Mann Timo Werner läuft über das Spielfeld. imago sportfotodienst

Benno Schmitz hat in seiner jungen Fußballerkarriere noch nicht allzu viele Alleinstellungsmerkmale gesammelt. Als Profi ist der 21-jährige Münchner noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Als RB Leipzig den Rechtsverteidiger Anfang Juni als Ergänzungsspieler verpflichtete, war nicht im Entferntesten abzusehen gewesen, dass das stille Talent beim ersten Bundesligaspiel in der Geschichte von RB Leipzig auf dem Platz stehen würde.

Doch genau danach sieht es jetzt aus. Bei Leipzigs Premiere am Sonntag bei der TSG Hoffenheim (17.30 Uhr) dürfte das von Schwesterklub Salzburg verpflichtete 800.000-Euro-Schnäppchen nicht nur in der Startelf dabei sein – voraussichtlich wird Schmitz auch der einzige Neuzugang der Leipziger in der Anfangsformation sein.

Weil Olympia-Silbermedaillen-Gewinner Lukas Klostermann nach einer Muskelverhärtung definitiv fehlen wird, behält Schmitz wohl vorerst seinen Kaderplatz. Bis auf den Youngster tritt RBL nach Lage der Dinge jedoch mit der kompletten Zweitliga-Elf der Vorsaison im Kraichgau an. Das hätten nach dem Aufstieg des potenten Bundesliga-Neulings Neulings wohl nur die wenigsten vermutet.

RB Leipzigs Stratege Keita fällt wohl aus

Zwar liegt RB Leipzig mit Transferausgaben von etwa 27,5 Millionen Euro im oberen Mittelfeld der Bundesliga. Doch dem zehn Millionen Euro teuren Timo Werner fehlt noch die nötige Bindung zum Spiel, so dass er wohl nur von der Bank kommt. Und der neue Torhüter Marius Müller ist zunächst hinter Peter Gulacsi nur zweite oder dritte Wahl.

Fest eingeplant war hingegen der 15 Millionen Euro teure Naby Keita. Doch der elegante Stratege hat sich beim Pokal-Aus in Dresden eine schwere Mittelfußprellung zugezogen. „Er hat noch zu viele Schmerzen und hat noch nicht mit der Mannschaft trainiert”, sagt Trainer Ralph Hasenhüttl. „Es sieht so aus, als könnte er am Wochenende noch nicht mit dabei sein.” Immerhin ist wohl Kapitän Dominik Kaiser nach einer Sehnenverletzung im Fuß wieder einsatzfähig.

Compper rückt in die Startelf

Wer gesehen hat, wie klug Keita den Rhythmus des RBL-Spiels in der ersten Hälfte in Dresden bestimmt hat, weiß, wie wichtig der Mann aus Guinea bereits nach der kurzen Eingewöhnungszeit für das Leipziger Spiel war. Und welche Lücke sein Ausfall reißt. Für den 21-Jährigen rückt wohl Stefan Ilsanker ins defensive Mittelfeld; der wieder fitte Marvin Compper rutscht als Innenverteidiger ins Team. „Ich habe mich schon festgelegt, ob Marvin spielt oder nicht”, sagte Hasenhüttl lächelnd. „Wir brauchen in Hoffenheim Spieler, die sehr flexibel auf das variable Spielsystem des Gegners reagieren können. Und Marvin ist einer, der das kann.”

So wurde bei der Pressekonferenz vor dem Debüt in Liga eins auch diskutiert, ob es eher ein Vor- oder Nachteil ist, dass RB Leipzig zwar mit einer eingespielten Formation, aber ohne Qualitätssteigerung durch Neuzugänge in die Saison im Oberhaus startet. Da Hasenhüttl und Compper auf dem Podium schwerlich das Gegenteil sagen konnten, argumentierte Compper: „Wir müssen zeigen, dass es ein Vorteil ist, dass die Abstimmung auf dem Platz stimmt”, sagte der Routinier. Hasenhüttl demonstrierte Vertrauen in die Mannschaft: „Ich werde nicht unruhig. Ich traue unserer jungen Mannschaft zu, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen.”   

Hasenhüttl will bei RBL mehr Charakter und Biss sehen

Doch dazu, so Hasenhüttl, erwarte er, dass die Mannschaft künftig mehr Charakter und Biss zeige, als bei der Pokalpleite in Dresden. „Ich beanspruche von jedem Spieler Führungsqualitäten”, sagt Hasenhüttl. „Jeder darf sich wehren.” Wie Hasenhüttls Ex-Team FC Ingolstadt in der vergangenen Saison sollen die Leipziger eine Aura auf dem Feld versprühen. „Der Gegner soll spüren, dass unsere Spieler sich sogar verletzen würden, um den Ball zurückzuerobern”, sagt Hasenhüttl. „Für diese Mentalität soll meine Truppe stehen. Nur wenn wir gemeinsam agieren, sind wir eine schwer zu bespielende Mannschaft.”

Im Vergleich zum Pokalspiel bei Dynamo will Hasenhüttl „etwas zurechtrücken”. Der Grazer sagt: „Die Woche hat uns gutgetan, um diverse Dinge aufzuarbeiten. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir einen Schritt weiter sind.”

Doch trotz der zweifelsfrei vorhandenen Qualität des bestehenden Kaders braucht RB Leipzig noch weitere Verstärkungen. Den Wunsch, noch Spieler zu holen, um die Breite des Kaders zu stärken, wiederholte Hasenhüttl auch bei der Pressekonferenz noch einmal. „Aber leider Gottes können wir noch keinen Vollzug melden”, sagte der Trainer. Da das Transferfenster am 31. August schließt, war Sportdirektor Ralf Rangnick vor dem Spiel bei seinem Ex-Klub wohl in Sachen Transfers unterwegs und nicht zu sprechen gewesen. Damit Benno Schmitz nicht der einzige Neuzugang in der Startelf bleibt.