Nach Sieg gegen FC Augsburg

Nach Sieg gegen FC Augsburg: RB Leipzig und der Lohn der Arbeit

Leipzig - Nach dem Sieg gegen FCA gönnen sich die Spieler bei RB Leipzig eine Pause.

Von Martin Henkel
Leipzigs Yussuf Poulsen (l) und Augsburgs Martin Hinteregger kämpfen um den Ball.
Leipzigs Yussuf Poulsen (l) und Augsburgs Martin Hinteregger kämpfen um den Ball. dpa-Zentralbild

Am Tag nach dem 2:1 von RB Leipzig gegen den FC Augsburg, dem dritten Sieg im sechsten Spiel, dem sechsten Spiel ohne Niederlage, ging es am Cottaweg viel um Lohn. Lohn für die Arbeit der letzten Wochen, auswärts und daheim, in Hoffenheim, in Hamburg, in Köln und drei Mal in der Arena.

Feiner Regen fiel auf das Trainingsgelände, es war herbstkühl – da schickt man keinen Hund vor die Tür. Und erst recht nicht Spieler eines Übernacht-Dritten der deutschen 1. Liga. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl orderte deshalb eine Inhaus-Einheit an. Bisschen Badminton, bisschen Fahrradfahren – und dann ab in die Freizeit. Es ist Länderspielpause, die kommende Partie ist erst wieder in zwei Wochen beim VfL Wolfsburg. „Ein paar Tage frei“, sagte Hasenhüttl, „die haben wir uns alle verdient.“

Es ist allein schon ein Qualitätsmerkmal des Klubs vom Cottaweg, dass zehn seiner Spieler das gar nicht können, frei machen. Denn zehn sind Nationalspieler. Sie reisten Samstagmorgen zu ihren Mannschaften: Ilsanker und Sabitzer nach Österreich, Burke nach Schottland, Gulacsi und Kalmár nach Ungarn, Forsberg nach Schweden, Papadopoulos nach Griechenland, Werner zur U 21, Poulsen nach Dänemark, Keita nach Guinea. 

Vielleicht aber ergeben sich in den kommenden Tagen trotzdem Augenblicke, vom Leipziger Alltag sich freizumachen und mit einem fernen Blick auf die letzten Wochen zu schauen. Denn Erholen ist das eine. Verstehen ein anderes.

RB Leipzig überrascht weiter und erteilt FCA Lehrstunde

Was ist das zuletzt für eine Tour de Force durch die Bundesliga gewesen. RB hat mit seinen sechs Spielen die komplette deutsche Fußballszene verblüfft. So wie wohl auch sich selbst von der Geschwindigkeit, mit der sich die vielen Erstligadebütanten in der deutschen Topliga zurechtgefunden und in jedem Spiel was gelernt haben. Das gegen Augsburg war wieder so eine Lehrstunde. Es war die erste, in die RB als Favorit gehen musste. Es war die erste, in der Gegenpressen allein nicht reichen würde. Und es war die erste, in der Hasenhüttls Schüler innerhalb von nur 90 Minuten lernten, wie man presst und drückt – und einen Gegner spielerisch bezwingt.

Das hatte im Lehrplan des österreichischen Trainerlehrers bislang noch gefehlt. In der ersten Halbzeit ging da nicht viel bei den Leipzigern, weshalb Augsburgs Trainer Dirk Schuster wirklich niemand widersprach, dass Forsbergs Führungstor „ein bißchen aus dem Nichts kam“ (11.).  Postwendend hatte es sowieso 1:1 gestanden, weil der Koreaner Ji Schlussmann Gulacsi verdient in der Summe der Augsburger Bemühungen mit einem Bananenschuss überwand (14.). Erst gegen Ende der ersten Hälfte bekam RB das Spiel in den Griff – und ließ den Gegner daraus nicht mehr groß entweichen.

Die zweite Hälfte war eine Vorführung dessen, was RB noch kann außer dem Gegner auf die Nerven zu gehen und ihm die Bälle von den Füßen zu stehlen. Sie können sich auch nach vorn und durch schwierige Abwehr-Formationen kombinieren. Noch nicht perfekt, aber für Augsburgs Mannschaft, die sich unlängst den Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen mit null Torschüssen vom eigenen Tor fern gehalten hatte, reichte es für das Siegtor durch Poulsen (57.), der sich für seine „Arbeit auf dem Feld endlich mit seinem ersten Tor belohnt hat“ (Hasenhüttl). Und drei vier weitere hochkarätige Chancen.

Der Trainer hatte in der Pausenkabine seinen Spielern „ein paar Lösungen angeboten“ und war danach erstaunt „wie schnell die Jungs die angenommen haben“.  Er hatte ihnen empfohlen, nicht mehr vor der Augsburger Viererkette zu spielen, sondern auf gleicher Höhe sich zu bewegen. Das Tor mehr unter Beschuss zu nehmen. Und die eigenen Reihen enger zu gestalten, damit die Wege beim Umschalten nicht so lange sind. „Am Ende“, so Hasenhüttl, „hat man gesehen, dass wir frischer waren.“

Hasenhüttl schont Kräfte seiner Spieler - mit Erfolg

Gegen die älteste Truppe der Liga ist das keine große Kunst gewesen, aber eine weitere Qualität des Kaders ist die späte Frische schon. Hasenhüttl hat zuletzt viel rotiert. 16 Spieler standen mindestens zwei Mal in der Startelf. Schont die Kräfte, „gibt jedem das Gefühl, wichtig zu sein“ und versorgt den Leipziger Schwarmfußball jedes Mal mit neuer Energie. Das ist nicht unerheblich in Spielen gegen RB. Denn am Ende sind die Gegner nämlich immer alle ordentlich hinüber und nicht selten kaputt.

Dass das nicht auch in den eigenen Reihen passiert, deshalb ist Hasenhüttl am Samstag ziemlich froh gewesen, dass jetzt mal Pause ist. „Die brauchen unsere Beine. Und die brauchen auch unsere Köpfe.“ Ist ja nicht wenig, was der Körper da raus arbeiten muss und der Kopf ins Bewusstsein hinein. Sechs Spiele, zwölf Punkte, über Nacht Tabellendritter und immer noch ungeschlagen damit bester Neulingsstarter in der 1. Liga seit 47 Jahren. (mz)