Nach Protesten in Köln

Fußball-Bundesliga: Proteste gegen RB Leipzig - Sportgericht des DFB ermittelt gegen 1. FC Köln

Köln - Nach Protesten und einer Sitzblockade gegen RB Leipzig am Sonntag ermittelt seit Montag das Sportgericht des DFB gegen den 1. FC Köln.

Von Ullrich Kroemer

Der Fußballkrimi zwischen dem 1. FC Köln und RB Leipzig am Sonntagabend (1:1) taugte durchaus als Einstimmung auf den Tatort. Doch dass nun Kölner Polizei und Deutscher Fußball-Bund (DFB) tatsächlich Ermittlungen aufnehmen müssen, hat nicht mit dem spannenden Spiel, sondern mit den Vorkommnissen vor und während der Bundesliga-Partie zu tun. Wieder einmal war der Protest gegen RB Leipzig durch einige Anhänger so hochgekocht, dass die Attacken nicht nur völlig überzogen, sondern auch strafrechtlich relevant sind.

Auch FC-Trainer Stöger sauer

Zunächst hatten am Nachmittag laut Polizeiangaben 250 bis 300 Personen den Mannschaftsbus von RB Leipzig mit einer Sitzblockade an der Einfahrt ins Stadion gehindert. Die Kölner Polizei prüft deshalb den Straftatbestand der Nötigung und wird gegebenenfalls Ermittlungen einleiten. Auch weil die Polizei die Blockade nicht räumte, sondern sich bewusst für eine Deeskalationstaktik entschied, sei die Situation laut RB-Klubboss Oliver Mintzlaff zwar „nicht bedrohlich“ gewesen. Doch da die Gäste eine andere Einfahrt wählen mussten und zu spät im Stadion ankamen, gaben die Kölner der Bitte der Leipziger statt, das Spiel eine Viertelstunde später anzupfeifen.

„Diese Chaoten müssen Stadionverbot bekommen“, sagte der 41-Jährige am Tag nach dem Vorfall. „Solche angeblichen Fans müssten ein für alle Mal ausgeschlossen werden.“ RB-Routinier Marvin Compper schilderte die Situation so: „Wir saßen im Bus fest, haben gewartet, dass wir weiterfahren können. Aber uns tangiert das nur am Rande.“

So geriet die Aktion eher zum Nachteil für die Gastgeber. „Wir waren 15 Minuten zu lange und zu früh da“, sagte FC-Trainer Peter Stöger. Marvin Compper glaubt: „So haben die Kölner Fans eher ihrem eigenen Team einen Bärendienst erwiesen als uns.“

Im Stadion selbst war die Stimmung dann überwiegend euphorisch. Wie lautstark und emotional das Heimteam von den Rängen angefeuert wurde, war beeindruckend und außergewöhnlich. Genau das muss es sein, was die Kölner als das „Effzeh-Jeföhl“ bezeichnen. Doch es gehört in den aktiven Fanszenen der sogenannten Traditionsvereine offenbar mittlerweile auch zum Standard, den Gegner über das Maß zu verunglimpfen.

Provokationen und Sachbeschädigung

Gegen RB wurden Plakate im Fanblock gezeigt, die man auch als Aufruf zu einer Straftat deuten könnte. „Bullen-Töten ist doch kein Verbrechen!“ stand da etwa. Und das, obwohl der 1. FC Köln eigens Plakatschleusen eingerichtet hatte, um den Protest gegen den bei den Ultras verhassten Bundesliganeuling im Rahmen zu halten.

Doch wie schon im Pokalspiel bei Dynamo Dresden wurde offenbar auch an den Kontrollen vorbei geschmuggelt.

Der streitbare Philosoph Wolfram Eilenberger verurteilte den überzogenen Protest gegen den Aufsteiger scharf. „Ich finde, dass das eine neue Dimension ist“, sagte er dem Deutschlandfunk. „Die gegnerischen Fans sprechen dem Verein die Existenzgrundlage und die Berechtigung ab, in dieser Liga zu spielen. Das finde ich eine sehr bedauerliche Entgrenzung.“ In der Fankultur existiere „Schadenfreude, Häme, Erniedrigung, aber es geht eigentlich nicht so weit, dass der andere nicht existieren darf“.

Die RB-Spieler selbst gehen mittlerweile cool mit der feindseligen Stimmung um. „Das sind wir gewohnt, es wird sicher auch nicht das letzte Spiel gewesen sein, in dem das so ist“, sagte Compper. „Wenn wir weiter solche Auftritte wie heute an den Tag legen, uns mit so viel Mut, Herz und Willen präsentieren, dann werden wir uns den Respekt erarbeiten, den wir verdient haben.“ Compper prophezeite: „So ist es jetzt in Hoffenheim, so wird es auch bei uns sein.“

Antisemitische Beschimpfungen

Heftigere Attacken als die RB-Spieler mussten einige Fans über sich ergehen lassen. Auf dem Rückweg zum Parkplatz sollen RB-Anhänger bepöbelt und laut Twitter-Mitteilung auch antisemitisch beschimpft worden sein. „In der Nachspielphase kam es – auch über Polizeiketten hinweg – zu massiven, wechselseitigen verbalen Provokationen“, teilte die Kölner Polizei auf MZ-Anfrage mit. Dazu wurden Sachbeschädigungen an sieben Kleinbussen angezeigt, an denen jeweils ein Reifen zerstochen wurde. Strafanträge gegen Unbekannt laufen. Solche Begleitumstände hatte der Kölner Fußballkrimi nicht verdient.

(mz/sid)