Protest im Frauen-Fußball

Frauen-Fußball: SFV annulliert Siege - RB Leipzig muss Spiele wiederholen

Leipzig - Die Frauenmannschaft von RB Leipzig hat sich mit dem Sportgericht des SFV und beteiligten Vereinen am Dienstag im sächsischen Heidenau geeinigt. Sie sind nicht vom Pokal ausgeschlossen, die bisherigen Siege wurden aber annulliert und werden wiederholt.

Von Ullrich Kroemer

Die sächsische Landesliga im Frauen-Fußball war in den vergangenen Wochen in Aufruhr und bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Grund war die Art und Weise, wie sich Liganeuling RB Leipzig bei seinem Einstieg im Frauenfußball präsentiert hatte.

Hintergrund: RBL hatte nach der Übernahme des Landesleistungszentrums vor dieser Saison zum ersten Mal eine Mannschaft bei den Frauen gemeldet und war vom Sächsischen Fußball-Verband (SFV) in die vierte Liga eingruppiert worden. Doch zum Ligastart und im Pokal waren die Leipzigerinnen nicht wie vorgesehen in einer Spielgemeinschaft mit Nachbarklub LFC 07 und vornehmlich 16- bis 18-jährigen Nachwuchsspielerinnen angetreten, sondern überwiegend mit Ex-Zweitligaspielerinnen, die nach MZ-Informationen noch gar keine Spielberechtigung hätten haben dürfen. Die Konkurrenten warfen dem Red-Bull-Klub und dem SFV Wettbewerbsverzerrung und Bevorzugung vor.

Boykott, Einspruch und Pokalausschluss

Daraufhin war der Bischofswerdaer FV 08 zum Saisonauftakt nicht gegen RB angetreten und hatte Einspruch beim Sportgericht des SFV eingelegt. Zudem hatte der Verband Leipzigs 7:0-Sieg im Landespokal wegen eines Fehlers bei der Auslosung für ungültig erklären müssen und RBL im laufenden Wettbewerb aus dem Pokal ausgeschlossen. Mächtig Tumult für die sonst beschauliche und medial unterrepräsentierte vierte Liga der Frauen.

Um den Streit beizulegen und weitere Boykotte zu verhindern, haben sich alle Beteiligten am Dienstagabend im sächsischen Heidenau getroffen. Das Ergebnis ist ein Eingeständnis für RBL und den Verband:

RB Leipzig muss mit mindestens sieben Juniorinnen auflaufen

RB Leipzig muss künftig mit mindestens sieben Spielerinnen antreten, die im Jahr 1999 geboren wurden oder jünger sind.

Die zwei bereits gespielten Partien und das ausgefallene Spiel werden annulliert und müssen wiederholt werden.

Der Verband zahlt den Vereinen Zusatzkosten für den Mehraufwand wegen des vergrößerten Teilnehmerfeldes und verpflichtet sich, die weiter ungeklärte Debatte um möglicherweise unrechtmäßige Spielberechtigungen einiger RBL-Kickerinnen aufzuklären und sportrechtlich zu bewerten.

Die protestierenden Vereine ließen sich im Gegenzug dazu bewegen, den Spielbetrieb fortzusetzen und das offene Sportgerichtsverfahren, das für den SFV unangenehm hätte werden können, einzustellen.

Bodo Lehnig, Verantwortlicher des Bischofswerdaer FV und Wortführer der Landesliga-Teams erklärte, dass sich der Protest der Vereine nicht gegen RB Leipzig oder dessen Spielerinnen richte. „Er richtet sich gegen die Verstöße der Statuten des SFV”, sagte Lehnig. „Wir erwarten vom Verband eine rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge und der entsprechenden Konsequenzen, um den Mädchen- und Frauenfußball in Sachsen wieder mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Ein erste Schritt dazu wurde heute gemacht.” (mz)